Milchmarkt

Aus der GVO-freien Erzeugung aussteigen? 

Der Zuschlag für GVO-freie Milch deckt die Kosten von Soja und Raps längst nicht mehr. Einige Milcherzeuger, aber auch Molkereien, überlegen deshalb aus dem Programm auszusteigen. 

Hat die GVO-freie Milch noch eine Zukunft? Diese Frage ist nur schwer zu beantworten, denn die Signale aus der Branche sind widersprüchlich. Nachdem der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der Verband der Deutschen Tiernahrung (DVT) auf ein mögliches knappes Angebot an gentechnikfreien Rohstoffen aufmerksam gemacht haben, haben einige deutsche Molkereien ihren Lieferanten nun die Möglichkeit eröffnet, eine Vertragspause (GVO-Freiheit) einzulegen. Wie wird das Angebot von den Milcherzeugern angenommen? Setzen die Handelsketten (LEH) die Verbände unter Druck?

Hohe Preise für Eiweißfuttermittel werfen die Frage auf, ob sich jetzt die heimischen Körnerleguminosen stärker durchsetzen. 

GVO-freies Soja könnte knapp werden

Mögliche Lieferengpässe sind vor allem bei GVO-freiem Soja in der Diskussion. Diese hätten jedoch nur begrenzte Auswirkungen auf die Milchkuhfütterung. Denn Sojaextraktionsschrot kann auch in Hochleistungsrationen komplett durch Raps ersetzt werden. Daher haben viele Milcherzeuger in den vergangenen Jahren bereits auf Rapsextraktionsschrot als Eiweißergänzer umgestellt.  Allerdings wollen Betriebe mit maisbetonten Rationen nur ungern auf Soja verzichten.
Damit könnte aber auch die, in der kommenden Ernte erwartete Rapsmenge, ein Hemmschuh für die Fütterung werden. Denn in Deutschland selbst wird nur ca. ein Drittel der benötigten Ölsaat angebaut. 

Futtermittelhändler erwarten keine nennenswerten Engpässe

Futtermittelhändler, mit denen wir gesprochen haben, sehen die Versorgung mit Raps und GVO-freiem Soja jedoch trotz der weltpolitischen Unwägbarkeiten auch in absehbarer Zeit als gesichert an. „Stand heute gehen wir davon aus, dass es vorerst keine größeren Versorgungsengpässe bei GVO-freiem Raps- und Sojaschrot gibt“, so Pressesprecherin Antje Krieger von der BayWa in München. Auch René Schwarz, Geschäftsführer der Raiffeisen Vital eG (NRW), und Simone Beukelmann, BayWa Agrarhandel (Ostdeutschland), bestätigen diese Einschätzung.
Im kommenden Herbst und Winter scheint die Verfügbarkeit von GVO-freien Eiweißträgern gesichert, denn in der EU 27 sei u.a. von einer größeren Anbaufläche bei Soja auszugehen, so die BayWa. Die Handelsströme hätten sich in den letzten Wochen bereits verstärkt in die Länder Ungarn und Italien verlagert. Und auch bei Raps berichten Analysten von einer 10 % höheren Anbaufläche. 

In der kommenden Anbauperiode rechnen die Analysten mit einem Anstieg der Rapsanbaufläche von bis zu 10%. (Bildquelle: Ostermann-Palz)

Das Raiffeisen Kraftfutterwerk Kehl hat nach eigenen Angaben bereits Soja-Kontrakte bis in den Herbst und Winter abgeschlossen. Hinzu komme der eigene Vertragsanbau von GVO-freiem Soja. „Es gibt weltweit keinen Versorgungsengpass“, so eine Sprecherin vom RKW Kehl.  Ein kurzfristiges Umschwenken weg von GVO-freier Ware wäre für viele Futtermittelunternehmen selbstverständlich möglich, so René Schwarz, Geschäftsführer der Raiffeisen Vital eG. Die Nachfrage nach GVO – freien Futter- und Lebensmitteln würde langfristig allerdings Bestand haben, so seine Einschätzung.   

Wie geht es mit den Preisen weiter?

Auch bei den Preisen ist laut Futtermittelhändler Erholung in Sicht: So sieht z.B. Johannes Lohrmann vom Allgaier Agrarhandel in Allmendingen die Lage mittlerweile entspannter als noch vor ein paar Wochen: „Der Preisabstand von GVO-freiem Soja zu konventionellem Soja ist zuletzt etwas gesunken.“ Aktuell betrage er aber immer noch gewaltige ca. 25 bis 30 €/dt. Zu „normalen“ Zeiten waren es 6 bis 12 €/dt. Auch das Preisniveau bei Raps, der in den letzten zwei Monaten ähnlich teuer war wie GVO-freies Soja, habe sich wieder abgeschwächt.
Rapsschrot lag zuletzt nur noch bei 375 € je t (Mai 500 €/t). Für spätere Termine bewegen sich die Preise sogar noch niedriger, bei rund 350 € je t.
Die weitere Entwicklung hängt nach Ansicht der Marktteilnehmer aktuell dennoch von vielen Unbekannten ab: vom Kriegsverlauf und einem drohenden Embargo gegen Russland, von der bevorstehenden Ernte und den Verarbeitungsmöglichkeiten in der Ukraine und in der EU, von der...


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