Kälberaufzucht

Ad libitum-Tränke ohne Durchfall 

Viele Milcherzeuger haben Sorge vor vermehrtem Durchfall, wenn sie ihre Kälber ad libitum tränken. Zehn Tipps, wie das Tränkeregime gelingt.

Viel Milcherzeuger tränken ihre Kälber noch restriktiv. Verschiedene Studien der letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass es vorteilhafter für die Entwicklung der Kälber sein kann, wenn man ihnen Vollmilch oder Milchaustauschertränke unbegrenzt und zur freien Verfügung anbietet. So liegen zum Beispiel die Absetzgewichte höher, die Tiere sind gesünder und können früher besamt werden.
Die Sorge, dass Kälber dabei zu viel Milch saufen und davon Durchfall bekommen, ist unbegründet. Kälber können zwar bei der ad libitum-Tränke eine dünnere Kotkonsistenz aufweisen. Das ist allerdings normal, da die Kälber mehr Flüssigkeit und Festfutter aufnehmen und dadurch auch mehr Kot absetzen. Dieser darf nicht mit infektiösem Durchfall verwechselt werden!
Tipps, wie Sie verhindern, dass Kälber bei ad libitum-Tränke an Durchfall erkranken, gibt Tierärztin und Herdenmanagement-Beraterin Rebecca Rehage. 

Rebecca Rehage

Tierärztin und Herdenmanagementberaterin (VOST)

Ohne Durchfall durch die Tränkephase

1. Bei neugeborenen Kälbern beginnen: Wer neu mit der ad libitum-Tränke beginnen möchte, sollte damit nur bei neugeborenen Kälbern beginnen. Stellt man das Tränkeverfahren bei bereits restriktiv gefütterten Kälbern um, neigen diese Kälber eher dazu, soviel zu trinken, wie sie können und bekommen schneller Durchfall. Besser ist es, in der Zeit der Umstellung zweigleisig zu fahren und bereits restriktiv getränkte Kälber nicht auf ad libitum umzustellen.
2. Kolostrum-Versorgung sicherstellen: Voraussetzung für gute Erfolge mit Ad-Libitum-Tränke ist eine gute Kolostrum-Versorgung der neugeborenen Kälber. Sie sollten genug Abwehrstoffe aufgenommen haben, um ein starkes Immunsystem aufzubauen. Dazu sollten sie drei bis vier Liter Kolostrum innerhalb der ersten Lebensstunde aufnehmen. Wichtig: Das Kolostrum muss sauber ermolken und abgefüllt sein und eine gute Qualität aufweisen (IgG-Gehalt über 50 g/l oder > 22 % brix). 
3. Tränke immer gleich anrühren: Egal, ob Milchaustauschertränke, aufgewertete oder angesäuerte Vollmilch: Das Anmischprotokoll sollte immer gleich und sehr genau erfolgen. Schon kleine Abweichungen können Kälbermägen durcheinander bringen. Dazu gehört die richtige Dosierung des Milchaustauschers bzw. der Ansäuerung ebenso wie Reihenfolge, Temperatur der Flüssigkeit sowie Dauer des Verrührens  (Herstellerangaben beachten!). Tipp: Nutzen Sie in der Kälberküche immer dieselbe (und eindeutige) Dosiereinheit und halten Sie Thermometer sowie eine Uhr mit Sekundenanzeige oder...


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