Reportage

39 Liter und mehr: Die Geheimnisse hoher Leistungen (1)

Stalleinblicke in fünf Spitzenbetriebe konnten wir auf einer Reise quer durch Deutschland gewinnen. Dieses Mal im Fokus: zwei Großbetriebe in Brandenburg. 

Die erste Erfolgskennziffer, die einen Milchkuhbetrieb auszeichnet, ist die Milchleistung. Doch was sind die Erfolgsrezepte hoher Leistungen? Zusammen mit der Firma Ahrhoff GmbH konnten wir einen Blick hinter die Zahlen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Hessen auf fünf Spitzenbetrieben werfen, die alle hohe Leistung und gutes Management auszeichnet. 

Ziltendorfer Niederung GbR

Betriebsspiegel
2.800 Milchkühe
Milchleistung: 12.800 kg Jahresleistung bei 3,72 % Fett und 3,41 % Eiweiß
Ak gesamt: 100 für Tier- und Pflanzenproduktion sowie Biogasanlage
Silbrig ragen die zwei Milchsilos in den blauen Himmel. 40.000 Liter kann eines von ihnen fassen. Das kriegen die Kühe der Ziltendorfer Niederung GbR im östlichen Brandenburg schnell gefüllt. Pro Tag werden hier bis zu 105.000 Liter gemolken. Mitten auf die grüne Wiese bauten die Betriebsleiter Roman Reincke und Stefan Rothe 2014 bis 2015 drei Ställe mit je 800 Tierplätzen. Im Zweireiher stehen die Kühe aufgeteilt in 12 Gruppen á circa 200 Tieren. 

2014 bis 2015 wurde die neue Anlage gebaut. Drei Ställe mit jeweils Platz für 800 Kühen sowie eine 80er Außenmelker-Karussell, der Repro- und Kälberstall, Komponentenlager, Siloanlagen und Bürogebäude stehen da, wo früher noch grüne Wiese war.  (Bildquelle: Thiemann)

  • Feste Gruppen und angepasste Rationen: „Am Anfang haben wir die Gruppen noch nach Laktationsstadium eingeteilt. Mittlerweile fahren wir mit festen Gruppen, um die Kühe so wenig wie möglich umzustallen“, erklärt Reincke. In die Laktation starten alle Mehrkalbskühe in der Fresh-Gruppe. Diese Gruppe bekommt nach der Kalbung nochmal eine angepasste Ration, bevor es in die Hochleistungsgruppe mit entsprechendem Futter geht. Dort bleiben sie bis zum Trockenstehen, wenn ihre Leistung passt. In die niederleistende Gruppe wechseln die Kühe nur, wenn sie kurz vor dem Trockenstehen noch hohe Leistungen haben und abgefüttert werden müssen. Die Färsen kommen direkt nach der Kalbung in eine der drei Färsengruppen, wo sie gemeinsam mit einer Ration bis zum Trockenstellen zurecht kommen. 
  • Futterqualität als oberste Priorität: Die Kühe und Nachzucht werden von 1.440 ha Silomais, 320 ha Luzerne, 250 ha Dauergrünland und 230 ha Feldgras versorgt. „Gutes Futter hat für uns die oberste Priorität.“ Nur hochwertige Grassilagen werden an die Kühe verfüttert. Dafür wird das Feldgras beregnet, da die Niederschlagsmengen an ihrem Standort sonst nicht ausreichen würden. Pro Jahr liegt die Ernteleistung beim Feldgras zwischen 14 –15 t Trockensubstanz je Hektar. Die Luzerne liefert jährlich 10 –12 t TS/ha. Erfahrungen haben gezeigt, dass beim Gras und der Luzerne eine theoretische Häcksellänge von 25 mm am besten funktioniert.  Bevor das Grundfutter in den Mischwagen kommt, werden alle Mengen für den Tag aus dem Silo entnommen und auf kleineren Haufen abgelegt. „Es ist viel leichter auf diese Weise Schimmel zu entdecken“, erklärt Stefan Rothe. Außerdem kann so der Mischwagen mit kurzen Wegen befüllt werden. „Wir erreichen zusätzlich mehr Stabilität der Ration durch das Verschneiden der Schnitte über einen Zeitraum von zwei Wochen.“ Die Futteraufnahme liegt zwischen 24 kg TS bei den Färsen und 30 kg TS in der Hochleistungs-Gruppe. 
  • Nur für die eigene Remontierung aufziehen: „Unser Färsenanteil bei den Kühen liegt im Moment bei 30 %. Wir ziehen nur so viel Kälber auf, wie wir brauchen.“ Roman Reincke blickt zu den weißen Ohrstanzen bei der weiblichen Nachzucht. „Dafür selektieren wir genomisch und behalten nur die besten Kuhkälber. So haben wir mehr Platz pro Tier.“ Bei den Kälbern wird das Geburtsgewicht erfasst sowie nach 14 und 100 Tagen, sechs und zehn Monaten gewogen. Im Moment liegen die Tageszunahmen in den ersten sechs Monaten bei erfreulichen 1.000 g/Tag. „Wenn sie ein Gewicht von 380 – 400 kg erreichen, werden sie besamt. Unser Erstkalbealter liegt derzeit bei 23 Monaten. Wir waren aber auch schonmal bei 21 Monaten. Die Auswertungen unseres Zuchtverbands haben gezeigt, dass das für uns das optimale Alter ist, um eine hohe Einstiegsleistung und Lebensleistung zu erreichen“, erklärt der Betriebsleiter. „Das Alter schaffen wir aber nicht dauerhaft zu halten. Wir versuchen durch die Optimierung der Aufzucht das Erstkalbealter wieder abzusenken.“
  • Verantwortung übertragen: Bei der Kuhanzahl kann man nicht alle Prozesse im Blick behalten. Deshalb übertragen Stefan Rothe und Roman Reincke den Herdenmanagern viel Verantwortung. „Dafür haben sie auch viel...


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