Tiergesundheit

Tränkewasser als Gesundheitsbaustein

Zu keimhaltiges Wasser verursacht erhöhte Zellzahlen, (euter-)kranke Kühe und weniger Milch. Die Wasserdesinfektion kann ein Lösungsansatz sein. 

André Hüting

Tierarztpraxis an der Güterstraße und Kuhblick GmbH

Es gibt zwei Punkte zum Thema Wasser im Rinderstall, bei denen es keine Kompromisse geben sollte: Eine ausreichende Wassermenge auch bei maximaler Auslastung sowie die Qualität nach Trinkwasserverordnung. In der täglichen tierärztlichen Betreuung von Milchkuhbetrieben hat sich in den letzten Jahren zunehmend gezeigt, wie wichtig der Betriebscheck in Bezug auf Wasser geworden ist. Wasser und dessen Eigenschaften spielen dabei nicht nur hinsichtlich der Aufnahmemenge eine bedeutende Rolle, sondern auch bei der Reinigung der Melktechnik und der Zugabe in den Mischwagen.

1. Mängel aufdecken

Wer kennt das nicht: Kurz die Stiefel während der Melktechnik-Reinigung säubern und schon merkt man, dass zu wenig Wasserdruck vorhanden ist. Ebenso ungerne bekommt man die Fehlermeldung „Wassermangel“ vom Melkroboter während der Hauptspülung. Kann der Roboter trotzdem ausreichend gut reinigen? Und wird das Problem größer, wenn das Wasser auch noch eine schlechte Qualität hat? Ein einfacher Check: Während der Melkstand-Reinigung zwei Euterduschen gleichzeitig betätigen bzw. während der Hauptreinigung des Melkroboters zwei Tränken säubern, um die Wasserversorgung zu überprüfen.
Das Problem mangelnder Wasserversorgung wird u. a. aufgrund wachsender Tierbestände größer. Müssen größere Tierzahlen versorgt oder ein Stall erweitert werden, werden häufig vorhandene Leitungssysteme verlängert und nicht dem tatsächlichen Bedarf angepasst. Hierbei kann das Problem zu geringen Wasserdrucks und einer starken Ausbreitung der Keime aus den alten Leitungen entstehen, da sie in neuen bzw. erweiterten Leitungen plötzlich viel Raum haben.
Sind Wasserprobleme bekannt, sollte man die Wasserversorgung im neuen Stall schon vor dem Einzug überprüfen lassen und im Idealfall vorab die Auslastung berechnen, um eine angepasste Wasseranlage zu installieren. Insgesamt können zu wenig Wasser sowie mit Bakterien und Toxinen belastetes Wasser zu einer mangelhaften Reinigung der Melkanlage, einem Verkeimen der Rohrleitungen und einer rückläufigen Tränkewasseraufnahme führen. Das wiederum beeinträchtigt Eutergesundheit, Immunabwehr und Milchleistung.

Standardisierte bakteriologische Wasseruntersuchungen sagen oft nur die halbe Wahrheit. Ein Tupfern der Leitungswände gibt genauere Auskunft, ist in der Praxis aber oft schwierig umzusetzen. (Bildquelle: Stöcker-Gamigliano)

2. Wasser desinfizieren

Wie lässt sich das „Problem Wasser“ nun näher analysieren und gegebenenfalls beheben?
  • Standardisierte bakteriologische Wasseruntersuchungen sagen oft nur die halbe Wahrheit, da Gesamtkeimzahl (0 bis 100...


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