Aktueller Markt

Die Milchwoche: Kostendruck der Molkereien

Milchanlieferungen steuern aus Saisontief ++ Spotmilchpreise weiter auf hohem Niveau ++ Rekordpreisprognose in Neuseeland ++ Börsenmilchwert über 51 Cent

Die Milchanlieferungen befinden sich aktuell auf niedrigerem Niveau im Vergleich zu den Vorjahren. Zwar zeichnet sich ein Aufwärtstrend aus dem saisonalen Milchmengentief ab, aber der Rohstoff ist weiterhin knapp. Das macht sich am Markt bei den erneut gestiegenen Spotmilchpreisen und der festen Preisentwicklung für Milchdauerwaren bemerkbar. Die Molkereien stehen unter Kostendruck. Für die Milcherzeugerpreise werden weiterer Preisanstiege prognostiziert (Details siehe unten!). 

Auffallend hoher Abstand der Milchanlieferungen zum Vorjahresniveau

Die Milchanlieferungen in Deutschland steuern in der 47. Kalenderwoche mit einem leicht positiven Kurs (+0,2 % im Vergleich zur Vorwoche) aus dem saisonalen Tief. Die Differenz zur Vorjahreswoche ist mit -3,1 % deutlich unter dem Vorjahr. 

Milchaufkommen in den deutschen Molkereien nach Kalenderwochen

Globale Marktentwicklung im vierten Quartal 2021

Nicht nur in Deutschland ist das Milchaufkommen in diesem Jahr auffallend unter dem Vorjahresniveau – auch auf dem Weltmarkt wird von geringeren Exporten ausgegangen und der Rohstoff ist durch die gute Nachfrage knapp. Im vierten Quartal 2021 wird die Milchproduktion in den Big-7-Exportregionen voraussichtlich um -0,3 % gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres zurückgehen.
Die Milchexporte sind aufgrund von logistischen Störungen, steigenden Transportkosten und erhöhten Rohstoffpreisen geschrumpft und die Preise am Markt haben entsprechend angezogen. Das zeigte sich auch in den Preisen für Milchprodukte auf der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade. Seit Wochen steigt der Durchschnittspreis von Auktion zu Auktion an (mehr dazu hier). 
Der Markt brennt. Hohe Preise sind gekommen, um zu bleiben.
Trigona Dairy Trade
Die Weltmarktpreise für Agrarprodukte haben in November das höchste Niveau seit zehn Jahren erreicht. Und eine maßgeblich treibende Kraft ist, laut FAO, vor allem die Verteuerung von Molkereiprodukten. Laut dem niederländischen Unternehmen Trigona Dairy Trade seien für eine Veränderung der derzeitigen festen Marktrichtung stärkere Ereignisse nötig. Im Rabobank Quartalsbericht wird für China eine Verlangsamung der Importnachfrage erwartet. Diese sei erforderlich, damit die hohen Preise am Weltmarkt angesichts der begrenzten Angebotsseite abkühlen, so die Einschätzung.

Spotmilchpreise in Deutschland wieder gestiegen

Die Spotmilchpreise sind in der 48. Kalenderwoche mit durchschnittlich 52,75 €/100 kg wieder leicht angestiegen (+0,50 €). In Nord- und Ostdeutschland stieg der Spotpreis auf 52 €/100 kg, während in Süddeutschland der Preis unverändert bei 53,5 €/100 kg verblieb (siehe Grafik).

DCA Spotmilchpreise im Zeitstrahl seit Januar 2020

Molkereien zwischen Verhandlungsgeschick und Produktionseffizienz

Die Molkereien stehen unter enormen Druck. So berichtet Peter Stahl, Finanzvorstand Hochland SE, im Interview mit der Lebensmittelpraxis vom Druck durch die allgemein gestiegenen Produktionskosten, Druck durch die Situation auf den Höfen und dem Druck in den Verhandlungen mit dem LEH. Denn dort lehnen vereinzelnd Unternehmen kategorisch die Preiserhöhung für den Konsumenten ab. Laut Peter Stahl führe daran aber bei der derzeitigen Situation kein Weg vorbei. 

Erzeugerpreise werden steigen: die Indikatoren liegen über 50 Cent

Die Auszahlungspreise an die Milcherzeuger sind in den letzten Wochen angezogen. Da die aktuelle Marktsituation knapp ist und da die Nachfrage nicht abebbt, gehen Experten von einem weiteren Anstieg der Erzeugerpreise aus. Der Kieler Rohstoffwert Milch, welcher als guter Indikator für die Erzeugerpreisentwicklung gilt, hat für November erstmalig die 50 Cent-Marke geknackt. Der ife-Börsenmilchwert klettert für Dezember auf 51 Cent und liegt im neuen Jahr oberhalb der 52-Cent-Grenze.
Ein positiver Ausblick. Steigende Betriebsmittelkosten, Arbeitskräftemangel, ungünstiges Wetter und fragwürdige Futtermittelqualitäten werden jedoch die Produktionsreaktion der Milcherzeuger einschränken, so der Quartalsbericht der Rabobank. Ob die enorm gestiegenen Betriebsmittelkosten durch die jetzt steigenden Milchpreise abgefangen werden können, ist dabei auch von betriebsindividuellen Strukturen abhängig. Zum Beispiel von dem Faktor, ob viel Futter selbst produziert oder zugekauft wird. 
Quelle: u.a. AgE, ZMB, AMI, DCA, Süddeutsche Butter und Käsebörse e.V. Kempten, MIV, moproweb.de, trigonadairytrade.nl, Rabobank, ife 

FrieslandCampina: Garantiepreis im Dezember bei 43,72 Cent ++ Tiefpunkt der Milchanlieferungen überschritten ++ Spotmilchpreise durchschnittlich bei 52,25 €

Teure Futtermittel, hohe Energie- und Düngerpreise: In manchen Unternehmen ist die Lage angespannt. Was helfen kann, um Kosten zu senken. Ein paar Tipps!


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