Anbindestall umbauen

Alte Ställe weiternutzen

Neuer Glanz im alten Stall: Oft können vorhandene Ställe mit Anbindehaltung oder Gebäude umgebaut und noch lange weitergenutzt werden.

Georg Sachsenhammer

LKV Bayern

Johannes Mautner

AELF Pfarrkirchen

Wer die Anbindehaltung verlassen möchte, muss nicht zwangsweise einen neuen Stall bauen. Manchmal lassen sich vorhandene Kuhställe mit einfachen Mitteln umbauen oder erweitern. Die Musterlösung für einen Umbau gibt es nicht, aber es gibt für fast jeden Betrieb eine individuelle Lösung.
Der Aufwand, die Umsetzung, das Tierwohl, die Arbeitswirtschaft und letztendlich die Kosten müssen dabei gut durchdacht werden. Damit ein Umbau überhaupt sinnvoll ist, sollte man im Vorfeld einige Fragen klären:
  • Bausubstanz: Ist die Bausubstanz in Ordnung? Kann das bestehende Gebäude ohne aufwändige Umbaumaßnahmen weiter genutzt werden?
  • Platz am Standort: Ist rund um den alten Stall ausreichend Platz vorhanden? Ein Umbau zum Laufstall benötigt etwa die drei- bis vierfache Fläche der Anbindehaltung. Auch zu bedenken: Ist späteren Generationen am Standort eine Erweiterung möglich?
  • Brandschutz: Können mit einem Umbau Brandschutz-Regelungen eingehalten werden? Dieses am besten vorab mit Stallplaner und Brandversicherung klären.
  • Weidezugang: Ist ein Weidezugang möglich? Ein Zugang zur Weide macht Sinn, vor allem, wenn eine Umstellung auf Bio angedacht wird.
  • Baugenehmigung: Ist ein Stallumbau überhaupt genehmigungsfähig? Das Bauamt bzw. die zuständigen Behörden genehmigen den Umbau am Standort (Emissionen, Baurecht, Wirtschaftlichkeit etc.).

An Kühe angepasst

Einer der wichtigsten Punkte beim Stallumbau ist die Verbesserung des Tierwohls. Kühe benötigen viel Platz, Licht und Luft, was besonders in deckenlastigen Altgebäuden oft nicht realisierbar ist. Es macht also viel Sinn, den Liege-, Fress- und Laufbereich in einen neuen, luftigen Gebäudeteil oder Anbau zu verlegen.
Zusätzliche Liegeboxen können z. B. in Anbauten oder bestehenden Hallen auf dem Hof eingerichtet werden. Wichtig dabei ist, dass die Liegeboxenmasse eingehalten werden. Für Wandboxen rechnet man eine Liegboxenlänge von 2,80 m, bei Doppelboxen mind. 2,50 m. Die Breite sollte bei 1,20 bis 1,25 m liegen. In Sachen Stabilität und Haltbarkeit haben sich gewöhnliche Liegeboxenbügel aus Metall am besten bewährt, die Kühe so lenken, dass sie die Liegeboxen wenig verschmutzen.

Praxisbeispiel 1: Maschinenhalle umnutzen

Dominik Weber, Kreis Unna, 26 Kühe (Rbt, Sbt, Jer; 11.500 kg) 

Dominik Weber hat eine angrenzende Maschinenhalle zur Liegehalle umgebaut. (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

„Wir nutzen seit einiger Zeit eine Maschinenhalle als Liegehalle für unsere Kühe. Dort haben wir 20 neue Tiefboxen eingebaut. Klimatisch ist die neue Liegehalle besonders im Sommer nicht ideal, weil sie in ungünstiger Windrichtung liegt. Deswegen haben wir Ventilatoren eingebaut. Im Winter haben die Kühe dafür einen ruhigen Rückzugsort. Von der Halle haben die Kühe Zugang zu einem Laufhof und einem überdachten, 20 m langen Futtertisch. Den Futtertisch haben wir ebenfalls kostengünstig in Eigenleistung gebaut. Der funktioniert gut, nur bei starkem Wind weht es sehr stark über den Futtertisch. Im Laufhof befinden sich weitere sechs Liegeboxen unter einem angeschleppten Dach, die die Kühe gut annehmen.
Wir melken weiter im Anbindestall. Während des Melkens schieben wir die Flächen in der Halle mit einem Radlader sauber. Festmist kommt auf den Misthaufen, der flüssige Teil in den Güllekeller. Ohne das Güllelager unter dem Jungsviehstall würden wir damit nicht auskommen. Besser wäre ein automatischer Schieber, dafür fehlt aber am Laufhof und der Halle der direkte Zugang zum Güllekeller. Pro Kuhplatz haben wir etwas weniger als 1.000 € investiert. Unser Vorteil war, dass wir eine bestehende Halle und vorhandene befestigte Fläche nutzen konnten. Die Maschinen stehen jetzt in einer anderen Halle. Es ist ein Kompromiss, aber für unseren Standort die beste Lösung.​“

Auf dem Laufhof mit einem überdachten, 20 m langen Futtertisch können die Tiere nicht nur draußen Fressen sondern auch im überdachten Bereich sich in den Liegeboxen ausruhen.  (Bildquelle: Hünnies)

Die Laufgänge müssen ausreichend breit dimensioniert werden, damit rangniedere Kühe an ranghöheren Kühen problemlos vorbeilaufen und sie so ihre Komfortzonen einhalten können.
Auch das Stallklima sollte...


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