Herdenmanagement

Welche Kühe gehören wirklich in den Strohstall? 

Häufig genutzt, aber selten optimal – der Strohstall ist oft ein Kompromiss aus Kuhkomfort, Hygiene und Arbeitsaufwand. Tipps für funktionale Strohbereiche. 

Hilmar Zarwel

Herdenmanager

Trockensteher, Abkalbende, Frischmelker und kranke Kühe sind häufig in Strohställen untergebracht (bzw. in Ställen, die einen freien Liegebereich bieten und nicht für die gesamte Herde gedacht sind, die Einstreu muss kein Stroh sein). Nicht selten dient ein Stall dabei für all diese Tiere.
Damit dient der Strohbereich also gleichzeitig als Wellness-Oase, Reha-Zentrum und Infektions-Hotspot. Wie kann das funktionieren? Häufig leider weniger gut bis gar nicht. Obwohl hier die Kühe untergebracht sind, die maximalen Komfort, optimale Versorgung und ständige Kontrolle benötigen, ist der Strohstall in vielen Betrieben überbelegt und dementsprechend wenig hygienisch und stressfrei.

Stabile Kleingruppen im Transitbereich sorgen für viel Ruhe und eine entsprechend profitable „Strohzeit“. (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

Wie viele dürfen es sein? 

Ein kritischer Blick auf die Kühe im Stroh kann Abhilfe verschaffen: Wer gehört hier wirklich hin und wie lange? Trockensteher und Vorbereiter machen rund 10 % der Herde aus. Die Aufstallung dieser Gruppen hängt aber vor allem von betriebsindividuellen Gegebenheiten ab. Hinzu kommen Frischmelker (erste sechs bis sieben Tage) und kranke Tiere, die ­weitere 5 bis 6 % ausmachen. Demnach gehören insgesamt maximal 15 % aller Kühe eines Betriebes auf Stroh.
Durch unregelmäßige Abkalbungen, ungeplante Erkrankungen und Mängeln im Herdenmanagement sind es aber oftmals mehr Kühe, die Platz im Strohbereich einnehmen. Zudem gibt es viele Schwankungen. Das heißt: Die Anzahl an „Strohkühen“ ist schwierig zu kalkulieren und macht das Management zur Herausforderung.

Einfluss vom Laufstall

Auch die Stallungen eines Betriebes haben Einfluss auf den Strohbereich. Denn: Je schlechter der Liegeboxenlaufstall (bzw. Stall der Laktierenden), umso größer ist die Gefahr, dass der Strohstall (zu) voll ist. Warum ist das so? Geschwächte Tiere profitieren vor allem von der freien, komfortablen Liegefläche, kurzen Wegen und kleinen Gruppen. Je mehr Bedingungen der Laufstall erfüllt, desto schneller können Kühe den Strohbereich verlassen. In Altställen sind die Strohbereiche oft ein Problem.
Je besser der Laufstall, desto leerer der Strohstall
Hilmar Zarwel, Herdenmanager

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