Herdenmanagement

Wann muss die Abgangskuh gehen? 

Stallplatz, Tiergesundheit, Futterkosten, Milchgeld… Viele verschiedene Faktoren bestimmen den optimalen Abgangszeitpunkt einer ZU-Kuh. Tipps, was wichtig ist. 

Thomas Mitzscherlich

Es gibt verschiedene Gründe, eine Kuh als zuchtuntauglich einzustufen (ZU) und nicht wieder zu besamen. Zum Teil bestimmt der Abgangsgrund auch den Abgangszeitpunkt: Eine euterkranke Kuh verlässt den Betrieb in der Regel eher (Ansteckung, Milchverkauf) als eine Kuh, die aufgrund von Fruchtbarkeitsproblemen abgeht, vorerst aber noch problemlos gemolken werden kann.
Neben dem biologischen Abgangsgrund sollten aber auch Kosten und Erlöse eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, den passenden Abgangszeitpunk der ZU-Kühe zu finden. Bei welcher Kuh rechnet es sich, sie dick zu füttern und wie lange? Welche Kuh sollte zeitnah gegen eine Färse ausgetauscht werden? Vor allem bei den derzeit hohen Futterkosten, tendenziell steigenden Milchpreisen und guten Schlachterlösen sollten sich Milcherzeuger intensiv mit dem Abgangszeitpunkt auseinandersetzen.

Ziel: 90 % vermarkten

Verlässt eine Kuh den Betrieb, ist ­Ersatz nötig. Eine Färse zur Remontierung kostet rund 2.000 Euro. Hinzu kommt, dass sie in der Regel zuerst noch deutlich weniger Milch liefert als die ältere Abgangskuh. Bis die Färse einen „vollwertigen“ Ersatz bietet, dauert es rund 35 bis 37 Monate. Allein aufgrund der hohen Remontierungskosten sollten möglichst viele ZU-Entscheidungen freiwillig getroffen werden, sodass möglichst viele Abgangskühe vermarktet werden können.
  • Mindestens 90 % der Abgänge sollten vermarktungs- und transportfähige ZU-Kühe sein, die einen Schlachterlös liefern.
  • Nur maximal 6 bis 10 % aller Abgangskühe sollten ungeplant bzw. nicht vermarktungsfähig abgehen.
„Nicht vermarktungsfähig“ meint beispielsweise festliegende oder verletzte Kühe, die euthanasiert bzw. am Schlachthof verworfen werden und ent­sprechend Kosten verursachen (kein Erlös!). 100 % aller ­Abgangskühe gewinnbringend zu vermarkten ist kaum möglich, da in jedem Betrieb eine schwere Coli-Mastitis auf­treten oder ein Unfall passieren kann. Bei akuten Er­krankungen sollten Milcherzeuger aber durchaus überlegen, wie viel Erfolg eine Behandlung verspricht (inklusive Milch- und Fleischsperre). In Einzelfällen kann der unmit­telbare Verkauf der Kuh rein wirtschaftlich sinnvoller sein, bevor die Kuh schließlich doch abgeht, aber nicht mehr vermarktungsfähig ist.

Verlässt eine Kuh den Betrieb, ist ­Ersatz nötig. Bis die Färse einen „vollwertigen“ Ersatz bietet, dauert es rund 35 bis 37 Monate. (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

Durchschnittlicher Abgangstag

Eine wichtige Kennzahl, die großen Einfluss auf die Schlachtkuherlöse eines Betriebes hat, ist der durchschnittliche Abgangstag innerhalb der Herde. Ein Zielwert ist der...


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