Ventilatoren

Mehr Leistung durch mehr Luft!

Die Belüftung in Ställen funktioniert oft nach dem Chaosprinzip. Um Kühe besser zu kühlen, müssen Ventilatoren gezielter eingebaut werden.

Sönke Hinnemann

Herdenmanagement-Beratung

MASTERRIND GmbH

Wenn Sie sich im Hochsommer zur Mittagszeit in ein geschlossenes Auto setzen, schalten Sie wahrscheinlich als Erstes die Klimaanlage ein. Wenn nicht, kommen Sie ordentlich ins Schwitzen. So ähnlich geht es wahrscheinlich Kühen im Sommer, nur dass ihnen bereits ab 20°C unwohl wird. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, dass der optimale Temperaturbereich für eine Kuh mit 25L Milchleistung etwa zwischen 0 bis 12°C liegt, bei einer hochleistenden Kuh (50L) sogar nur bei -10 bis 2°C.
Der anhaltende Klimatrend verschlimmert die Hitzestress-Situation im Kuhstall. Kürzlich veröffentlichte Ergebnisse einer Untersuchung der Klimadaten in einem freigelüfteten Kuhstall für 380 Kühe im Nordosten Deutschlands ergab, dass die Temperaturen in den letzten 15 Jahren immer stärker vom Mittelwert (12°C) abwichen. Daher haben viele Milchkuhhalter in den letzten Jahren bereits in Ventilatoren investiert.
Jedoch zeigte die Untersuchung auch, dass die Belüftung trotz Ventilatoren in freigelüfteten Ställen chaotisch abläuft und sehr komplex ist. Ein Standardrezept für gute Stallbelüftung gibt es nicht! Denn auch bei Außenwind können eine ungünstige Lage, angrenzende Bauten oder Bepflanzungen den Wind daran hindern, vollständig in den Stall zu gelangen. Innerhalb des Stalls können Säulen, Trennwände, Melkeinheiten oder auch Windbrechnetze dazu führen, dass nicht genügend Luft bei den Kühen ankommt.

Wann muss mehr Luft hinein?

Ob ein Lüftungsproblem besteht, können Sie an den Kühen ablesen. Beobachten Sie nach/während einer Hitzeperiode einen Rückgang der Milchleistung mit gleichzeitigem Rückgang der Inhaltsstoffe (besonders beim Fettgehalt!)? Treten in den Wochen danach vermehrt erhöhte Zellzahlen und Euterentzündungen auf? Dann ist das ein Hinweis auf mangelnde Belüftung und Kühlung des Stalls. Ursache dafür ist, dass Kühe bereits ab 20°C niedrigere TM-Aufnahmen und Wiederkauzeiten zeigen. Dadurch produzieren sie weniger Speichel, was wiederrum den pH-Wert im Pansen absinken lässt und die Gefahr einer Pansenazidose erhöht, welche wiederrum zu verringerten Milchleistungen und Euterentzündungen führen kann.
Beobachten Sie außerdem, wo im Stall die Kühe sich an warmen Tagen aufhalten. In Ställen ohne Lüftungssystemen fressen die Kühe an warmen Tagen vermehrt an den äußeren Bereichen des Futtertisches, da dort höhere Luftbewegungen sind. Gleichzeitig sammeln die Kühe sich in den Stallbereichen mit mehr Luftbewegung und Schatten, z.B. im Bereich der Tränken. Als Folge stehen die Kühe dann länger. Das kann in den Folgemonaten...


Mehr zu dem Thema