Futterbau

Maisuntersaaten als Futter nutzen?

Untersaaten im Silomaisanbau können Rinderhalter dazu verleiten, diese im Folgejahr einmal zu ernten. Bezüglich der Futterhygiene ist das jedoch kritisch!

Untersaaten im Anbau von Silomais, etwa mit Landsberger Gemenge oder reinen Gräsermischungen, helfen, die Bodengesundheit zu verbessern und Nährstoffverluste sowie Bodenerosion zu vermeiden. Doch das zusätzliche Saatgut kostet Geld und die nachträgliche Aussaat sowie die abschließende Bearbeitung bzw. Behandlung zur Feldhygiene verursachen Mehraufwand.
Um diese Investition möglichst gut auszunutzen, kann so manchem Rinderhalter der Gedanke kommen, die Untersaat vor dem Umbrechen bzw. Abtöten im Frühjahr wenigstens einmal zur Futtergewinnung zu nutzen. Das ist allerdings nicht so einfach möglich, wie man es bei Ackergras vor Mais praktizieren kann (mehr dazu unter Trockenheit erfordert Entscheidungen im Futterbau und Futtermangel mit Ackergras vorbeugen)!
Wir haben zwei Experten nach ihren Erfahrungen und Beobachtungen zur Ernte von Maisuntersaaten gefragt:
  • Judith Ballering, Beraterin für Pflanzenbau, Pflanzen- und Wasserschutz an der LWK NRW
  • Dr. Klaus Hünting, Spezialist für Futterkonservierung an der LWK NRW

Stoppelreste und Fahrspuren können Clostridien ins Futter bringen

Die Wasserrahmenrichtlinen-Beraterin Judith Ballering berichtet, dass Betriebe in ihrem Gebiet Maisuntersaaten vor allem aufgrund von Futterknappheit angebaut und im Frühjahr 2020 geerntet haben. 
„Die Erträge und Qualitäten der Untersaat waren dabei in der Regel jedoch nicht so hoch“, mahnt sie an. Und: „Obwohl die Stoppeln im Herbst allein aufgrund der Zünsler-Prophylaxe geschlegelt wurden, konnte das Gras nicht ganz Maisstoppel-frei geerntet werden.“ Damit nennt sie die zwei kritischen Punkte:
  1. Die Futterhygiene (und damit die Tiergesundheit) von geernteten Maisuntersaaten ist durch die hohe Wahrscheinlichkeit, dass Stoppelreste und Erde ins Silo geraten, gefährdet. 
  2. Die Masseerträge, der zumeist dünn gesäten und nicht gezielt gedüngten Untersaaten, sind in der Regel nicht besonders hoch. Untersaaten, die vor Mais geerntet werden, werden meistens angedüngt.
Untersaaten im Maisanbau sollten daher in erster Linie als Gründüngung angesehen werden. Hier leisten die Grasuntersaaten sehr gute Dienste. Nicht unerheblich ist die Wirkung auf die Bodengesundheit und die Nährstoffkonservierung (siehe auch Nährstoffe im Futterbau effizienter nutzen).
Wenn Maisuntersaaten geerntet werden sollen, dann nur mit entsprechender Vorbereitung!

Wenn eine Untersaat im Mais bewusst auch geerntet werden möchte, dann ist die die Aussaat mit Pneumatikstreuer bzw. Striegel (breitverteilt) kurz vor Reihenschluss förderlicher für eine geschlossene Grasnarbe als die Aussaat über die Güllegabe (streifenförmig). (Bildquelle: Bensing)

Nur bei optimalen Bedingungen sind gute Untersaat-Silagen möglich

Dr. Klaus Hünting schätzt die Chance, aus Maisuntersaaten zufriedenstellende Silagen herstellen zu können, allerdings nicht als unmöglich ein. Er sagt: „Der potenzielle Besatz der Stoppel mit Mykotoxinen ist nicht von der Hand zu weisen. Wird jedoch die gute fachliche Praxis eingehalten, sollte der Anteil der Stoppel, die sich tatsächlich im Futter wiederfinden lässt, auf ein Minimum beschränkt sein. So, dass hiervon keine besondere Gefahr ausgehen muss.“
Folgende Maßnahmen zur Ernte von Maisuntersaaten nennen Judith Ballering und Dr. Klaus Hünting Teil einer „guten fachlichen Praxis“:
  • Rückverfestigtes Saatbeet: Möchte ein Futterbaubetrieb den Aufwuchs einer Maisuntersaat im Frühjahr ernten, sollte dieser schon bei der Saatbettbereitung zum Mais darauf hinarbeiten. Ein gut rückverfestigtes Saatbett ist wichtig. Das ist allerdings je nach Aussaatverfahren der Untersaat nicht perfekt umzusetzen. Wird die Untersaat nach Feldaufgang (z.B. vor Reihenschluss mit umgebauten Pneumatikstreuern, Striegelkombinationen) ausgebracht, muss der Boden dafür noch etwas „offen“ sein. Wird die Untersaat vor Feldaufgang Mais gesät, ist ein Rückverfestigen (z. B. mit Cambridgewalze) besser möglich, jedoch ist dann die Durchführung von Herbizidmaßnahmen eingeschränkt!
  • Witterung zum Zeitpunkt der Maisernte: Auch wenn die Untersaat sich im Maisbestand gut entwickelt hat – die Bodenbedingungen zur Maisernte haben einen großen Einfluss darauf, wie futtertauglich eine Untersaat sein kann. Ist der Boden sehr nass, entstehen Fahrspuren und damit große Eintragsquellen für Erde in die Silage. Doch auch wenn es sehr trocken ist, kann das Probleme bereiten, z.B. auf Sandböden, wo die Untersaat in der Ernte durch Fahrspuren „verschüttet“ werden kann. Ist die Tragfähigkeit eines Bodens in der Silomaisernte optimal, treten Fahrspuren nicht oder nur in geringem Maß auf und die Bedingungen für eine saubere Untersaaternte sind damit schon mal gut gestellt.
  • Stoppeln mulchen und Boden glätten: Neben dem Erdeintrag durch lückenhafte Bestände, erhöhen auch die Erdanhaftungen an Stoppelresten das Risiko von Fehlgärungen in einer Untersaat-Silage durch bodenbürtige Clostridien. Eine intensives Mulchen nach der Maisernte sowie anschließendes Walzen der Fläche bei ausreichender Bodenfeuchte (Fahrspuren glätten, Mulchmaterial andrücken) bis spätestens zu Vegetationsbeginn senken das Risiko, Maisstoppelreste ins Futter einzubringen.
  • Ernte lohnt nur bei geschlossener Grasnarbe: Ob sich eine Schnittnutzung hinsichtlich des Masseertrags lohnen kann, hängt hauptsächlich davon ab, ob die Untersaat im Laufe der Vegetation eine geschlossene Grasnarbe bildet. Hier ist die Aussaattechnik mit Pneumatikstreuer bzw. Striegel (breitverteilt) im Vergleich zur Ausbringung mit Gülle (dünne Saatstreifen) deutlich im Vorteil. Ein geschlossener Bestand ist auch wichtig, um zu verhindern, dass Erd- und Stoppelanteile bei der Ernte der Untersaat ins Futter eingebracht werden.
  • Mahdhöhe über 8 cm: Ist die Grasnarbe geschlossen, Stoppeln gründlich gemulcht und Erntespuren geglättet, stehen die Chancen für eine zufriedenstellende Silage aus einer Maisuntersaat gut. Um die am Boden befindlichen Stoppelreste möglichst nicht mit den Erntegeräten zu erfassen, sollte eine Stoppelhöhe bei der Mahd von über 8 cm gewählt werden – bei offensichtlich vorhandenen Stoppelresten durchaus noch ein bis zwei Zentimeter höher! Auch bei der Einstellung von Wender, Schwader und Pickup sollte sichergestellt sein, dass diese nicht über den Boden kratzen.
  • Stoppeleintrag lässt sich nie ganz vermeiden: Trotz Mulchen, Walzen und hoher Einstellung der Erntetechnik – es wird nie ganz vermieden werden können, dass Maisstoppeln mit in das Futter gelangen. „Doch wenn es einzelne, trockene Maisstoppel ohne nennenswerte Schmutzanhaftungen sind, werden diese die Fermentation der Grassilage nicht nachhaltig beeinflussen,“ sagt Dr. Hünting. „Es sollte nur sichergestellt sein, dass die Fermentation unmittelbar nach dem Einsilieren in Gang kommt und das Gras dabei milchsäurebetont vergoren wird.“
Quellen: Judith Ballering, Beraterin für Pflanzenbau, Pflanzen- und Wasserschutz an der LWK NRW; Dr. Klaus Hünting, Spezialist für Futterkonservierung an der LWK NRW

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