Betriebsleitung

Kälberhaltung jetzt richtig anpassen

Ab Anfang 2023 dürfen Kälber erst ab 28 Tagen transportiert werden. Viele Betriebe müssen weitere Stallplätze schaffen. Tipps, wie Sie die Kälberhaltung anpassen.

Hanna Hermbusch

Spezialberaterin Rind LWK NRW

Die Kälberhaltung muss sich auf vielen Kuhbetrieben ändern, da die Verkaufskälber (Bullen- sowie Kreuzungskälber) künftig erst ab 28 Tagen transportiert werden dürfen. Die Mehrkosten, die durch die Änderung des Kälbertransportalters entstehen, werden für die meisten Milcherzeuger deutlich spürbar sein, weil die Kälber 14 Tage länger im Stall bleiben.
Wer nicht genügend Kälberplätze ab Januar 2023 nachweisen kann, dem drohen Bußgelder oder Sanktionen bei Kontrollen der Veterinärämter. Deshalb ist es empfehlenswert, sich jetzt über die geänderten Anforderungen der Kälberhaltung zu informieren und das Haltungssystem richtig und nachhaltig anzupassen. Ob Neu- oder Umbau ist von den vorhandenen Gegebenheiten abhängig.

Webinar am 9.Juni 2022

Kälberstall: Umbau oder Neubau? 

vor von Marion Weerda

Die  Kälbertransport-Verordnung fordert mehr Platz für Kälber. Im Webinar erfahren Sie, welches Haltungs- und Tränkesystem bei Ihnen am besten funktioniert. 

Wie viele Plätze brauche ich?

Bevor Sie die Kälberhaltung anpassen, kalkulieren Sie, wie viele Plätze wirklich nötig sind. Dafür ist die Anzahl der jährlichen Kalbungen und die durchschnittliche Anzahl neugeborener Kälber pro Woche entscheidend.
Berechnung Beispielbetrieb
  • Jährlich 210 Kalbungen
  • Davon je 105 Bullen- und Kuhkälber (ohne Einsatz von gesextem oder Fleischrassesperma)
  • 105 Kälber: 52 Wochen/Jahr = 2 Verkaufskälber/Woche
In einem Betrieb mit ca. 210 Abkalbungen pro Jahr ist mit zwei Verkaufskälbern pro Woche zu rechnen. Das entspricht acht Kälbern pro Monat. Unbedingt sind Reserveboxen einzuplanen, um immer einen ausreichenden Leerstand vorzuhalten. Bei gleichmäßigen Abkalbungen reichen 50 % zusätzliche Kälberplätze. Gibt es deutliche Abkalbewellen, ist das Vorhalten von bis zu 100 % Kälberboxen sinnvoll. Demnach sollte dieser Betrieb 12 bis 16 Kälberboxen für die Verkaufskälber haben. Zusätzlich werden sechs bis acht Boxen für die Kuhkälber benötigt, wenn sie nach 14 Tagen in die Gruppenhaltung umgestallt werden.

Wenn mit Fleischrasse und gesextem Holsteinsperma besamt wird, verschiebt sich das Verhältnis von 50% Mutter- und 50% Verkaufskälbern. (Bildquelle: Simon)

Höheres Risiko für kranke Kälber?

Mit der verlängerten Verweildauer der Kälber auf dem Betrieb, besteht die Gefahr, dass der Erregerdruck zunimmt. Vor allem...


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