Futteralternativen

Kartoffeln: Tipps zu Fütterung und Lagerung

Durch Corona ist der Pommes-Absatz stark eingebrochen. Die überschüssigen Kartoffeln bieten sich als stärkereiche und schmackhafte Futterkomponente für Kühe an.

Durch die Corona-Krise sind der Markt und dementsprechend die Preise für Pommeskartoffeln eingebrochen. Als Verwertungsmöglichkeit kommt die Rinderfütterung in Frage. Besonders der hohe Energiegehalt in Form von Stärke und ihre Schmackhaftigkeit sind Argumente, Kartoffeln in Rationen für leistungsstarke Milchkühe einzusetzen. Ein Blick auf Einsatzmengen, Rationsgestaltung, Kosten, Lagerung und Erfahrungen aus der Praxis.

Regeln für die Fütterung von Kartoffeln

Kartoffeln haben einen hohen Futterwert, da sie viel Energie in Form von Stärke enthalten. Dabei wird Kartoffelstärke relativ langsam abgebaut. Vor allem bei günstigen Preisen sprechen die Inhaltsstoffe für einen Einsatz in Milchkuhrationen. Folgendes sollte bei der Rationsgestaltung beachtet werden:
  • Der Trockenmassegehalt (TM) liegt durchschnittlich bei 22%.
  • Mit 8,4 MJ NEL/kg TM sind Kartoffeln sehr energiereich. Ihr Eiweiß-, Stärke- und Energiegehalt ähnelt dem von Körnermais. Sie sind also kein Grobfutter!
  • Die Stärke wird langsamer abgebaut als Getreidestärke. Kartoffeln enthalten im Durchschnitt ca. 47 g beständige Stärke je kg, d.h. etwa 210 g je kg TM (doppelt so viel wie Getreide). Milchkühe können etwa 1,2 bis 1,5 kg beständige Stärke im Dünndarm vertragen.
  • Der nXP-Gehalt liegt bei 162 g, der Rohproteinwert bei 96 g/kg TM. Durch die negative RNB ist eine entsprechende Eiweißergänzung notwendig.
  • Wegen des sehr geringen Rohfasergehaltes sollte auf eine ausreichende Strukturversorgung geachtet werden.
  • Kartoffeln werden roh verfüttert und sind sehr schmackhaft für Kühe (Achtung Grobfutterverdrängung).
  • Die Kartoffeln müssen zur Fütterung sauber, nicht angefault, nicht grün und nicht stärker gekeimt sein.
  • Für Milchkühe werden Höchstmengen von bis zu 10 kg Kartoffeln pro Tag empfohlen. Eine ausreichende Gewöhnung ist wichtig.
  • An niederleistende oder trockenstehende Kühe sollten nur geringe Mengen verfüttert werden, da Stärke Verfettungen provozieren kann.
  • Die Tagesmenge hängt von den verwendeten Futtermitteln in der Gesamtration ab. Je maisbetonter die Ration ist, desto weniger Kartoffeln können eingesetzt werden. Je höher der Anteil an Grassilage, desto mehr Kartoffeln sind vertretbar.

Ist Solanin ein Risiko?

Solanin ist ein giftiges Alkaloid, das unter anderem in der Kartoffel vorkommt und häufig als Problem für die Fütterung gesehen wird. Es ist allerdings schwierig abzuschätzen, ab welcher Konzentration Schäden am Tier auftreten. Bis ca. 100 mg Solanin je kg Kartoffel gelten als normal. Im Vergleich zu Untersuchungsergebnissen von Schafen ergäbe sich eine Toleranz von etwa 130 g Solanin für ein 600 kg schweres Rind. Danach wäre das Risiko einer Vergiftung als eher gering einzuschätzen. Da sich Solanin insbesondere in grünen Kartoffeln und in den Keimen konzentriert, ist es entscheidend, dass die Kartoffeln entsprechend sauber angeliefert werden.

Achtung: Schwankungen und Futterselektion

Kühe reagieren negativ auf Schwankungen in der Rationsgestaltung.
  • Deshalb ist das Verfüttern von Kartoffeln nur sinnvoll, wenn sie über eine längere Zeit eingesetzt werden können, zum Beispiel über das Einsilieren. Hier ist es aber wichtig, die Kartoffeln gleichmäßig im Silo zu verteilen und wieder zu entnehmen, um den Kühen täglich einen möglichst identischen Anteil vorzulegen.
  • Bei der Fütterung frischer Kartoffeln ist allgemein keine Kontinuität der Ration gewährleistet. Deshalb sind eine langfristige Planung und entsprechende Lagermöglichkeiten wichtig. Von einem Zukauf geringer Mengen "zu Schnäppchenpreisen" ist abzuraten.

Das zweite Problem ist Futterselektion.
  • Kartoffeln sind sehr schmackhaft und werden gut und gerne von den Kühen selektiert. Bei frischer Verfütterung bietet es sich an, die Kartoffeln zu zerkleinern.
  • Entscheidend ist, dass die Ration unabhängig vom Kartoffeleinsatz möglichst nicht selektierbar ist (kurze Futterpartikel, feucht, homogen etc.). Auch wenn die Kühe nach Kartoffeln suchen, zerlegen sie somit nicht die gesamte TMR.
  • Insgesamt beanspruchen Kartoffeln in Mischrationen noch einmal mehr regelmäßiges Controlling!

Durch Schwankungen und Futterselektion ist Fütterungscontrolling beim Einsatz von Kartoffeln wichtig. (Bildquelle: Veauthier)

Lagerung: Einsilieren mit Gras oder Mais möglich

Frisch füttern: In den meisten Betrieben werden Kartoffeln frisch gefüttert. Die Variante ist günstig und verursacht den geringsten Arbeitsaufwand.
  • Gewaschene Kartoffeln sollten allerdings innerhalb von sieben bis zehn Tagen verfüttert werden.
  • Zudem müssen Kartoffeln kühl und trocken gelagert werden, zum Beispiel unter einer Vlies-Abdeckung.

Einsiliert füttern: Eine Konservierung ist separat oder in Kombination mit Grobfuttern möglich.
  • Das alleinige Silieren ist zum Beispiel als Schlauchsilage möglich, wird in der Praxis aber nur selten genutzt.
  • Eine andere Möglichkeit ist das gemeinsame Einsilieren mit Gras oder Mais. Das heißt, Kartoffeln und Silage werden in abwechselnden Schichten eingefahren. Damit die Kartoffeln nicht keimen und wenig Erde eingetragen wird, sollten die Kartoffeln vorher gewaschen werden. Die Kartoffeln zu zerkleinern ist nicht sinnvoll, weil sie dadurch sehr viel Flüssigkeit verlieren würden. Das Einsilieren der Kartoffeln ermöglicht den Zukauf großer Mengen und vor allem eine langfristige Fütterung.

Das gemeinsame Einsilieren von Kartoffeln und Gras ist möglich. (Bildquelle: Nienhaus)

Was dürfen Kartoffeln kosten?

Ob sich der Einsatz von Kartoffeln lohnt, hängt grundsätzlich von ihrem Zukaufspreis im Vergleich zu alternativen Futtermitteln ab. Zudem müssen mögliche Abschläge für Transport, Lagerung, Nährstoffschwankungen und zusätzliche Arbeit kalkuliert werden. Die Preiswürdigkeit ist also betriebsindividuell zu ermitteln. Zur Orientierung sollte mit einem Risikoabschlag zwischen 20 und 30% gerechnet werden.
Beispiel: Kosten Rapsschrot 30 €/dt und Weizen 20 €/dt, sind Kartoffeln maximal 4,70 €/dt bzw. 3,30 €/dt inklusive 30 % Risikoabschlag wert. Mögliche Transportkosten sind hierbei noch nicht berücksichtigt.
Tabelle: Preiswürdigkeit von Kartoffeln in der Milchkuhfütterung

Futtermittel

Preise

Preis je dt Weizen

20 €

23 €

Preis je dt Rapsschrot

25 €

30 €

25 €

30 €

Preiswürdigkeit Kartoffeln je dt

4,80 €

4,70 €

5,60

5,50

Erfahrungen aus der Praxis:

Milchkuhhalter Stefan Nienhaus aus Hamminkeln (NRW) hat in diesem Jahr zum ersten Mal Kartoffeln gemeinsam mit dem ersten Schnitt einsiliert. Mit zwei zugekauften Zügen kommen rund 60 Tonnen Kartoffeln auf 28 Hektar Gras. Gras und Kartoffeln wurden in abwechselnden Schichten eingefahren, das habe gut funktioniert. In der obersten Schicht befinde sich nur noch Gras, um Verdichtung und Abdeckung sicherzustellen. Die Kartoffeln wurden zuvor weder gewaschen noch zerkleinert.
Stefan Nienhaus hat bereits gute Erfahrungen damit gemacht, Kartoffeln gemeinsam mit Mais einzusilieren. Es gab so gut wie keine Verluste und die Fütterung verlief problemlos. Wenn Silieren und Fütterung auch im Gras so gut funktionieren und die Kartoffeln preiswert bleiben, möchte der Landwirt auch im zweiten Schnitt so verfahren.
Kann der Rohaschegehalt durch Erde ein Problem werden? "Natürlich besteht das Risiko eines erhöhten Rohaschegehaltes durch den Erdeintrag, der nicht unterschätzt werden sollte. Entgegen der Empfehlungen ist es aber schwierig, gewaschene Kartoffeln einzukaufen, besonders bei den günstigen Preisen."
Was spricht gegen die frische Fütterung von Kartoffeln? "Bei unserer Herdengröße von rund 100 Kühen sind die Lieferungsmengen häufig zu groß, um sie in maximal zwei Wochen aufzufüttern. Um große Mengen kostengünstig einzukaufen ist für uns deshalb die Option des Silierens geeigneter. Eine Möglichkeit, Kartoffeln frisch zu füttern, wäre eine Kooperation mit benachbarten Betrieben, um die Menge schneller aufzubrauchen."
Wie sind die Auswirkungen auf Futterselektion? "Futterselektion kann durchaus ein Problem werden, weil die Kühe aktiv nach den Kartoffeln suchen. Wir setzen aber schon lange Wasser in der Ration ein, um Selektion zu vermeiden. Wenn die Ration an sich homogen und wenig selektierbar ist, dürfte es auch mit Kartoffeln kein großes Problem sein. Allerdings schieben wir das Futter häufiger an, wenn Kartoffeln in der Ration sind."
Quellen: Andrea Meyer, Landwirtschaftskammer Niedersachsen; Christine Hinz, Rensing Landservice GmbH & Co. KG; Gert Borcherding, Beratungsring Altkreis Lingen (Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben 18/2020)


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