Berliner Milchforum

MIV warnt vor Produktionsstopp in Molkereien

Bei einem Importstopp für russisches Gas müssten viele Molkereien die Produktion einstellen, warnt der MIV. Das ist derzeit aber nicht das einzige Problem.

Es war schon bezeichnend, dass das Milchforum ausgerechnet in einem Hotel ausgerichtet wurde, das gerade komplett umgebaut wird. Da war nicht nur beim Veranstalter improvisieren angesagt, es lassen sich durchaus auch Parallelen zu der aktuellen Situation bzw. den Herausforderungen der Milchbranche ziehen. Denn auch diese gleichen derzeit einer Großbaustelle.
Der MIV-Vorsitzende Peter Stahl (Hochland) sprach denn  ungewöhnlich offen die einzelnen Baustellen an: Rohstoffmangel, Logistikprobleme, die hohe Teuerungsrate bzw. eine zu geringe Wertschöpfung, ein drohender Importstopp für russisches Gas und das Thema Tierwohlkennzeichen.
Ungewöhnlich, selbst für Insider der Branche war zu vernehmen, dass der Milchindustrieverbands (MIV) „eingestand“, dass die Molkereien im Wettbewerb um den Rohstoff zunehmend unter Druck geraten. Das gab’s noch nie zuvor. Milch war bislang immer ein Überschuss  an Milch vorhanden (womit sich ein Anstieg der Milchpreise argumentativ immer abwehren ließ).  Doch die Zeiten haben sich geändert. Der massive Strukturwandel, der immer mehr Milcherzeuger hinwegfegt, macht den Rohstoff Milch so langsam aber sicher zur knappen Ware.

Molkereien zahlen über Verwertung aus

Einige Molkereien seien deshalb mittlerweile sogar dazu gezwungen Milchpreise zu zahlen, die über ihrer Verwertung liegen, erklärte der MIV-Vorsitzende Peter Stahl (Hochland). Während diejenigen Molkereien, die traditionell stark im Handel von gering verarbeiteten Rohwaren (Bulk) unterwegs sind, sehr rasch die Milchpreise für die Erzeuger anheben konnten (der „Kieler Rohstoffwert Milch“, der die Verwertung von Pulver und Butter widerspiegelt, ist mittlerweile auf über 60 Ct/ kg Rohmilch geklettert), mussten die Nachbarmolkereien, die mit einem hohen Anteil im Lebensmitteleinzelhandel vertreten sind, ebenfalls ihre Milchpreise anheben, um im Wettbewerb um den Rohstoff zu bestehen. „Dies ist auf Dauer aber nicht zu leisten“, schätzt Stahl, „die Abgabepreise an den LEH müssen schnell angepasst werden!“ Der MIV-Vorsitzende kritisierte in diesem Zusammengang, dass aktuell erst wenige Abgabepreise an den LEH angehoben wurden (nur Butter und einige Käse). Die große Welle der Preisanhebungen steht erst für Juni/Juli an.
„Die Abgabepreise an den LEH müssen schnell angepasst werden!“
MIV-Vorsitzende Peter Stahl
Von der breiten Preisanhebung bei Aldi („400 Artikel“) lande aktuell also so gut wie nichts bei den Molkereien, so Stahl. Er sprach sich deshalb auch für kürzere Kontraktzeiten aus. Bei Käse sollte angesichts...


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