Färsenvermarktung 

Färsen aufziehen oder zukaufen? 

Sowohl die Aufzucht als auch der Zukauf von Färsen sind so teuer wie nie. Was rechnet sich in der aktuellen Situation für den eigenen Betrieb besser?

Simon Ickerott

Teamleiter Unternehmensberatung

Unternehmensberatung, Team Rind Nord, Landwirtschaftskammer NRW 

Martin Gorski

AVS-Koordinator | Betriebswirtschaftliche Beratung

Alta Value Services , Betriebswirtschaftliche Beratung für Großbetriebe, Alta Deutschland GmbH 

Die Aufzucht und die Vermarktung von Färsen sind rechnerisch schon immer eine „knappe Kiste“ gewesen. Viele Milcherzeuger haben sich in den letzten Jahren aufgrund von hohen Kosten und knappen Kapazitäten von der eigenen Aufzucht getrennt oder diese deutlich reduziert. Derzeit treiben auch die steigenden Preise für Futter und Energie die Aufzuchtkosten weiter in die Höhe. Demgegenüber stehen heute hohe Verkaufspreise von über 2.000 € für abgekalbte Färsen sowie hohe Erlöse für Schlachtkühe. Je nach betrieblicher Situation kann es deshalb sinnvoll sein, die Remontierungsstrategie im eigenen Betrieb noch einmal zu hinterfragen. Dabei sollten Sie Folgendes beachten: 

1. Die Marge ist klein 

Zukaufsfärsen sind zwar teuer, aber auch Schlachtkühe bringen derzeit gute Erlöse, weshalb die Marge verhältnismäßig klein ist. Heute kann eine Schlachtkuh für 1.500 € verkauft und eine gute Holsteinfärse für 2.000 € zugekauft werden (500 € Differenz). Bei Fleckvieh ist die Spanne etwas größer. Noch vor zwei Jahren brachte eine Schlachtkuh knapp 850 € und eine Färse kostete 1.750 € (900 € Differenz). Die Remontierung ist aktuell also verhältnismäßig günstig, weshalb auch höhere Preise für Färsen „vertretbar“ sind.

Ob sich die Aufzucht im eigenen Betrieb rechnet hängt vor allem von den Produktionskosten und den Kapazitäten ab.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

2. Eigene Zahlen kennen 

Die letzten Jahre zeigen, dass der Milchpreis einen deutlich größeren Einfluss auf die Färsenpreise hat als die Produktionskosten. Für den Einzelbetrieb sind die Produktionskosten aber der entscheidende Faktor. Viele Milcherzeuger ziehen ihre Färsen gerne selbst auf. Für die Frage nach der passenden Nachzuchtintensität (Anzahl Jungrinder im Verhältnis zu Kühen) ist es wichtig, betriebsindividuelle Zahlen zu kennen und regelmäßig zu analysieren.
Der Milchpreis hat einen deutlichen größeren Einfluss auf die Färsenpreise als die Produktionskosten. 
Simon Ickerott, Landwirtschaftskammer NRW
Die Aufzucht einer Färse kostet je nach Region rund 2.000 €, die sich wie folgt aufteilen: 1.500 € Direktkosten für Futter, Besamung, Tierarzt, Energie; 400 € Arbeitserledigungskosten für Löhne, Lohnansatz, Technik; 120 € Gebäudekosten (DLG-Vollkostenrechnung, Auswertungen Westmünsterland). Achtung: Je nach Aufzuchtform (z. B. ausgelagert) verschieben sich die Kostenblöcke. Großen Einfluss auf die Direktkosten hat vor allem die Tränkephase (inkl. Verlust­risiko), die bei nahezu jeder Aufzucht-Variante im Milchkuhbetrieb erfolgt. Die größte Ersparnis...


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