Grassilage 2022

Passen Sie Ihre Strategie jedes Jahr neu an

Viele Silagen aus dem letzten Jahr brachten zwar Masse, aber melkten nicht. Was waren die genauen Gründe und was lässt sich daraus für die kommende Ernte ableiten?

Die Grassilagequalitäten des vergangenen Jahres waren vielerorts mehr als unterdurchschnittlich. Das zeigte sich nicht nur anhand der Analyseergebnisse auf dem Papier, sondern auch durch eine deutlich schlechtere Milchleistung der Herden. Welche Fehler wurden gemacht? Und was lässt sich daraus für die neue Saison und die kommenden Jahre ableiten? Müssen wir beim optimalen Schnitttermin künftig umdenken? Elite hat bei zwei Silierexperten aus Nord- und Süddeutschland nachgefragt. 

Dr. Susanne Ohl

LWK Schleswig-Holstein

Georg Baumann

Fütterungsberater LKV Bayern

Frühe Schnitte erfolgreicher

In der letzten Siliersaison wurden keine grundsätzlichen Fehler gemacht, sind sich die Berater einig. Vielmehr hat das extreme Wetter mit einer langen Regenperiode Anfang Mai zu einem sehr kurzen Erntefenster geführt. Dieses Zeitfenster wurde auch deshalb häufig nicht genutzt oder „übersehen“, weil die Massenentwicklung der Bestände damals noch zu wünschen übrigließ und auch ihr physikalischer Entwicklungsstand mit ca. 200 g/kg TM Rohfaser und 230 g/kg TM ADF noch sehr jung war. Nach der mehrwöchigen Regenperiode konnten dann Ende Mai/Anfang Juni nicht alle Betriebe direkt mit dem Schnitt starten, da die (Lohnunternehmer-)Kapazitäten kurzfristig nicht ausreichten.
Die frühen Schnitte waren im Norden die deutlich hochwertigeren Silagen, allerdings neigten sie zu Fehlgärungen, wenn sie zu früh eingefahren wurden. Im Süden konnte aber selbst bei den früh geschnittenen Silagen nicht der erwünschte Rohproteingehalt erzielt werden. Die Werte lagen zwischen 135 bis 175 g/kg TM. Die Energiehalte waren dagegen sehr gut, weil viel Zucker und wenig Gerüstsubstanz (ADF/NDF) zu sehr guten Verdaulichkeiten führte. Die fehlende Struktur musste über andere Komponenten ergänzt werden.

1. Schnitt mit Herbstgras verschneiden! 

Der spätere 1. Schnitt, Ende Mai/Anfang Juni, wurde von den Tieren allerdings gut gefressen, die TM-Aufnahme lag zum Teil bei bis zu 16 kg aus Grobfutter! „Durch die fehlende Nährstoffdichte war die daraus ermolkene Milchleistung natürlich nicht so überzeugend“, erklärt Fütterungsberater Georg Baumann vom LKV Bayern. Durch die gestiegenen Kraftfutterpreise im Herbst fiel vielen Erzeugern daher ein Nährstoffausgleich schwer. In solchen Jahren wäre aus seiner Sicht, eine gemeinsame Verfütterung verschiedener Schnitte ratsam, da sie sich gut ergänzen würden.  Die ersten beiden Schnitte liefern in der Regel viel Zucker, die Herbstgrassilage dagegen mehr Protein und einen höheren Anteil an feinen Fasern.

Hier wurde der 1. Schnitt gemeinsam mit dem 5. Schnitt einsiliert. Mit einer solchen Sandwich-Silage lässt sich auch Kraftfutter sparen, weil sich die Schnitte gut ergänzen und damit ohne zusätzliche Struktur wertvolles Protein in die Ration einbauen lässt.  (Bildquelle: Baumann, Georg)

Generell früher schneiden?

Lässt sich aufgrund der energiereichen, frühen Grassilagen künftig empfehlen, immer besonders früh zu schneiden? „Nein, eine generelle Empfehlung für einen frühen oder späteren Schnitt kann es nicht geben“, betont Dr. Susanne Ohl von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Jeder Milcherzeuger müsse für sich entscheiden, ob er eher hohe Qualitäten oder Masse anstrebe.
Nach wie vor ist laut Fachberatung der optimale Schnitttermin dann erreicht, wenn das Weidelgras als Hauptbestandsbildner im Stadium des Ähren- bzw. Rispenschiebens ist. In diesem Jahr, in dem Zukauffuttermittel sehr teuer sind, stehen die Qualitäten – vor allem hohe Rohproteingehalte – sicherlich im Vordergrund. Daher sollte ein früher Schnitt angestrebt werden (auf Reifegrad des Bestands achten!). Demgegenüber ist nach sehr trockenen Vorjahren mit knappem Futter die Masse nicht unerheblich.

Ist der 1. Schnitt noch der wichtigste?

Für die Wiederkäuerfütterung...


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