Wie viel ist die Kuh wert?

Ob eine Kuh nochmal besamt wird oder die Herde verlassen muss, das sollte von ihrem ökonomischen Wert abhängen. Mithilfe von online-basierten Tools können Sie diesen Wert berechnen.
Heute bullt die Kuh 3.872. Sie ist in dieser Laktation bereits zweimal erfolglos besamt worden. Derzeit melkt sie 38 Liter am Tag. Herdenmanager fragen sich in so einer Situation, ob man diese Kuh noch ein drittes Mal besamen soll oder nicht? Doch nicht immer ist die Entscheidung aus dem Bauch heraus die ökonomisch richtige. An der Universität Madison in Wisconsin, USA, hat Prof. Viktor Cabrera sich intensiv mit der Entwicklung modellbasierter Entscheidungshilfe-Tools für die Milchproduktion beschäftigt. Mithilfe dieser Tools können Sie Herdendaten erfassen, zusammenführen und analysieren: Die Rechenergebnisse helfen, Management-Entscheidungen auf Datenbasis und nicht aus dem Bauch heraus zu fällen.

Schreibtisch-Täter

Herdenmanagement in amerikanischen Herden funktioniert vom Schreibtisch aus! Niemand geht in den Stall und kennt die Kuh Nummer 3.872 noch persönlich, um sich dann zu überlegen: „Du bist doch diese Kuh mit dem tollen Euter, die mir immer im Stall hinterherläuft, also dich besame ich noch einmal!” An Standorten mit mehreren Tausend Tieren fallen solche Kriterien nicht ins Gewicht! Aber trotzdem ist es nicht weniger wichtig, den Wert eines Tieres nicht nur an einem Wert, beispielsweise an seiner Milchleistung, festzumachen.
Die Frage nach dem genetischen Wert, dem bisherigen Krankheitsverlauf, der Leistungserwartung für die Laktation und vor allem dem internen Ranking im Vergleich zu den anderen Kühen in der Herde, ermöglicht es, mit dem Entscheidungshilfe-Tool von Cabrera zu ermitteln, ob es sinnvoll ist, diese Kuh noch einmal zu besamen oder zu selektieren! Je mehr Daten und Informationen ich von einem Tier habe, desto schneller und sicherer kann ich meine Entscheidungen ableiten. Der ökonomische Wert der Kuh ist der Vergleich des Gewinnes (cash flow) zwischen einer Färse und der selektierten Kuh. Der Wert wird bestimmt durch die Milcherlöse abzüglich der Kosten für Aufzucht, Futter und Arbeit. Grundsätzlich sind hochleistende Kühe am Anfang der Laktation am wertvollsten. Wird die Kuh nicht tragend, nimmt ihr Wert ab. In der Praxis ist es für bestimmte Fragestellungen unablässig, den individuellen Wert einer Kuh möglichst genau ermitteln zu können.
Die klassischen Fragen lauten:
  • Besamen: Ja oder nein, bis wann?
  • Selektion: Behalten oder ersetzen?

  • Besamen: Ja oder nein, bis wann?
  • Selektion: Behalten oder ersetzen?

Mithilfe eines Online-Tools „cow value“ kann der Wert von Einzeltieren und der Herde berechnet werden. Es steht auf der Homepage www.dairymgt.info kostenlos zur Verfügung. In einer einfachen Checkliste werden individuelle Parameter der Kuh (Milchleistung, Laktationstag) und andere Parameter (Futterkosten, Milchpreis) eingegeben. Das Ergebnis ist der Wert der Kuh bzw. der relative Milchwert. Das Ergebnis wird auf einer Liste ausgegeben mit Kuh-ID-Nummern und dem entsprechenden ökonomischen Wert in Euro. Mit dieser Liste ist eine Selektionsentscheidung mit handfesten Zahlen unterlegt.

Spätaborte sind teuer

Der Wert der Trächtigkeit ist ebenfalls mit dem genannten Online-Tool (Vergleich des Wertes einer tragenden vs. einer nicht-tragenden Kuh) berechenbar. Dieser Wert steigt mit zunehmender Trächtigkeitsdauer. Ein Abort zu einem späten Zeitpunkt(200. Trächtigkeitstag) ist demnach teurer als einer, der um den 100. Trächtigkeitstag passiert. In einer Studie von de Vries 2006 lag der durchschnittliche Preis pro Trächtigkeit in einer Herde bei 280 Euro. Im Beispiel (siehe Kasten Seite 19) kann man anhand der Berechnung des Wertes der Trächtigkeit entscheiden, ob eine Kuh noch besamt werden sollte oder nicht.

Mehr als 40 Kalkulations-Tools

Viele dieser Tools haben Prof. Cabrera und sein Team bereits entwickelt. Durch intensive Studien auf Milchkuhbetrieben wurden Algorithmen entwickelt, die die Gewichtung der einzelnen Daten an ihrer Bedeutung in dem jeweiligen Bereich berücksichtigt. Auf der oben genannten Homepage finden Sie Online-Tools für die ökonomische Bewertung von Entscheidungen in den Bereichen: Fütterung, Jungrinder-Management, Remontierung, Fruchtbarkeit, Genetik und Tiergesundheit.M. Weerda


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