Betriebsblindheit vermeiden

Tiergesundheit: 11 Praxistipps, um genauer hinzuschauen

Milcherzeuger müssen zwischen Stall, Büro und Familie unheimlich viel im Blick behalten. Wie es gelingt, kranke Kühe trotzdem früh zu finden! 

Frauen und Männer, die einen Milchkuhbetrieb bewirtschaften, beschäftigen sich mit vielen unterschiedlichen Dingen: Von der Produktionstechnik über Vermarktung und Büroarbeit bis zu Emissionsminderung oder Vertragsnaturschutz – es gilt, in allen Bereichen auf dem Laufenden zu bleiben.

Tipps aus der Praxis

Da passiert es leicht, dass aus einem „Man müsste eigentlich mal…“ ein „Passt schon“ wird. Das ist okay, wenn es ums Werkstattaufräumen oder den Kauf eines neuen Schreibtischstuhls geht. Das ist nicht mehr okay, wenn auf einmal die Krankheitsraten im Stall in die Höhe schnellen und die Kühe darunter leiden. Denn Tiergesundheit schwindet schleichend: Hier eine lahme Kuh übersehen, erst zwei Tage später in den Klauenstand geholt, dort eine Frischmelkende mit Ketose nicht beachtet.

Je größer die Betriebe, desto hilfreicher sind technische Hillfsmittel, die Aktivität, Wiederkautätigkeit oder Fresszeiten aufzeichnen. (Bildquelle: Stöcker-Gamigliano)

Nur, wenn sich Routinen möglichst einfach umsetzen lassen, werden sie auch durchgeführt!
Dr. Andrea Rütz, Tierärztin
Wir haben mit Tierärzten und Betriebsleitern gesprochen und sie nach ihren Tipps gefragt:
1. Routinen einfach halten: „Nur, wenn sich Routinen möglichst einfach umsetzen lassen, werden sie auch durchgeführt“, ist Dr. Andrea Rütz, Tierarztpraxis Kuh-Konzept aus Bayern, überzeugt. Besser, man entscheidet sich für einfache Kontrollen, als dass man sie nach kurzer Zeit entfallen lässt. Instrumente, Medikamente und Werkzeug brauchen ihren festen Platz, sollten schnell zur Hand und leicht sauber zu halten sein. Eine Stalltafel, eine gemeinsame Listen-App oder WhatsApp-Gruppe hilft, dass alle, die im Stall mitarbeiten, informiert sind.
2. Ställe gut einsehbar gestalten: Insbesondere „Risikotiere“ sollten dort untergebracht sein, wo häufig jemand vorbeikommt. Auch Kälber profitieren von gut einsehbaren offenen Boxen, ergänzt Tierarzt Mattias Tepferd (NRW).
3. Kontrolle von anderen Arbeiten abkoppeln: Multitasking ist ein Gerücht. Führt man Aufgaben gleichzeitig durch (z. B. Futter vorlegen und auf Kühe achten, die nicht zum Fressen kommen), wird die Aufmerksamkeit zwangsläufig aufgeteilt. Besser ist es, z. B. die Lahmheitserkennung als festen Termin in den...


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