Kälberfütterung

Selbstgemacht: Trocken-TMR für Kälber 

Eine Trocken-TMR für Kälber kann ohne großen Aufwand selbst gemischt und auf Vorrat gelagert werden. Wichtige Tipps und ein Beispiel-Rezept aus der Praxis.

Der Einsatz einer Trocken-TMR hat sich in der Kälberfütterung erfolgreich verbreitet. Das Angebot von viel Struktur in Form von gehäckseltem Stroh, Heu oder Luzerne in Kombination mit einer dem Alter entsprechenden Kraft- und Mineralfutterversorgung wird von Kälbern gut angenommen. Trocken-TMR kann fertig gemischt in verschiedenen Gebindegrößen zugekauft werden und kostet rund 60 bis 70 Euro pro 100 kg .
Wird die Trocken-TMR selbstgemacht, lassen sich die Kosten deutlich senken. Ein Mischwagen sowie Stroh und Kraftfutter für die Aufzucht sind in den meisten Milchkuhbetrieben vorhanden. Ergänzt man noch Melasse und einen geeigneten Ort oder Behälter zu Lagerung, ist die eigene Trocken-TMR schon fast fertig. Der Einsatz ist für jede Betriebsgröße möglich. 
Die Fehlerquellen beim „Selbermachen“ sind eher gering, dennoch muss Einiges beachtet werden, damit es den Kälbern schmeckt und sich der Arbeitsaufwand rechnet. Wir haben Experte Dr. Christian Koch (Hofgut Neumühle) und Milcherzeuger Dominik Weber (NRW) nach Tipps und Erfahrungen gefragt. 

Was spricht für die Trocken-TMR? 

Kälber sind die Kühe von morgen! Deshalb sollte die Aufzucht optimal und konsequent erfolgen und nichts dem Zufall überlassen werden. Das gilt vor allem im Bereich Fütterung. Werden die Kälber leistungsgerecht, das heißt nach ihren Ansprüchen in den jeweiligen Wachstumsphasen, versorgt, können sie sich entsprechend körperlich und vor allem frühestmöglich zu vollwertigen Wiederkäuern entwickeln.
Um das zu erreichen, ist der Einsatz einer Trocken-TMR empfehlenswert. Diese sorgt für eine frühzeitige, rege Futteraufnahme und hohe Tageszunahmen. Zudem beeinflusst sie die Pansenentwicklung positiv: Das große Raufutterangebot in der Trocken-TMR vergrößert das Pansenvolumen, regt die Vormagenmotorik und das Wiederkauen an und die Kraftfutterkomponenten wirken sich positiv auf die Ausbildung der Pansenzotten aus.
Die Futtervorlage ist einfach, da es als Alleinfuttermittel (ad libitum) angeboten werden kann. Die Trocken-TMR verhindert einen übermäßigen Kraftfutterkonsum und bietet eine gute Futterhygiene. Auch die eigene Herstellung ist einfach und zeitsparend. Im Gegensatz zu einer klassischen TMR mit Silageanteilen sind in der Trocken-TMR keine schnell verderblichen Komponenten enthalten, weshalb sie sich auf Vorrat anmischen und lagern lässt. Trocken-TMR kann auch fertig zugekauft und entsprechend gelagert werden. 

Versuche zeigen, dass Trocken-TMR für eine höhere Futteraufnahme der Kälber führt als andere Futtermittel.  (Bildquelle: Stöcker-Gamigliano)

Tipps zur selbstgemachten Trocken-TMR

  • Menge: Zu Beginn, das heißt bis zu einem Alter von vier Wochen, fressen Kälber bis zu 500g Trocken-TMR pro Tag. Mit stetiger Zunahme liegt die Futteraufnahme mit zwölf Wochen bereits bei bis zu drei Kilogramm pro Tier und Tag. Da diese Menge kostspielig wird und die Kälber bereits auf eine Kuh-TMR umgestellt werden könnten, ist der Einsatz der Trocken-TMR vor allem im Alter von vier bis acht Lebenswochen zu empfehlen. Wichtig ist, die Umstellung auf eine Kuh-TMR sehr langsam und schonend vorzunehmen, um Wachstumseinbrüche bei den Tieren zu vermeiden. 
  • Raufutter: Das Raufutter sollte je nach Länge und Qualität rund 20% der Ration ausmachen. Die Partikel sollten möglichst kurz (gehäckselt) sein. Als Raufutter-Komponenten bieten sich Stroh, Heu oder Luzerne an. Alle eingesetzten Komponenten sollten einen hohen Trockenmassegehalt von über 80% aufweisen. Vor allem das Stroh sollte mikrobiell einwandfrei (kein Schimmel oder Pilze) und möglichst staubarm sein. 
  • Kraftfutter: Das Kraftfutter zuzüglich Mineralfutter nimmt rund 70 bis 80% ein und kann als fertige Mischung oder als Einzelkomponenten hinzugegeben werden. Der Energiegehalt der gesamten Trocken-TMR sollte bei rund 12,0 MJ ME/kg, der Proteingehalt bei rund 150 bis 160 g/kg liegen. 
  • Flüssig-Komponenten: Flüssige Komponenten wie Melasse (ca. 5%) und Pflanzenöl (ca. 1 bis 2%) dienen zur Schmackhaftigkeit, zur Staubbindung und allgemein als Bindemittel von Rau- und Kraftfutter, um ein Selektieren zu vermeiden. 
  • Lagerung: Die Trocken-TMR kann auf Vorrat angemischt und für ein bis drei Monate gelagert werden. Wichtig ist eine trockene und hygienisch einwandfreie Lagerung, zum Beispiel in Bigbags, IBC-Fässern oder auf einer gereinigten Betonfläche. 
  • Analyse: Die eingesetzten Futtermittel und die gesamte Trocken-TMR sollten unbedingt regelmäßig auf Inhaltsstoffe analysiert und nachgerechnet werden! 
Hinweis: Die Tipps und Erfahrungswerte stammen von Versuchen auf dem Hofgut Neumühle in Rheinland-Pfalz. 

Milcherzeuger Dominik Weber 

Auf dem Betrieb von Familie Weber in Unna (NRW) werden derzeit knapp 30 Holsteinkühe sowie deren weibliche Nachzucht und einige für den Auktionsverkauf vorgesehene Deckbullen gehalten. Die durchschnittliche Laktationsleistung der Herde liegt bei rund 11.500 kg.
Vor anderthalb Jahren hat Hofnachfolger Dominik Weber in der Kälberfütterung auf Trocken-TMR umgestellt. Seitdem wird den Kälbern von Geburt an im Einzeliglu Trocken-TMR und Wasser angeboten. Zu Beginn tränken Webers dazu zweimal täglich 3,5 Liter Vollmilch. Im Alter von 14 Tagen werden die Kälber von Vollmilch auf zweimal täglich 5 Liter Milchaustauscher umgestellt (150g/Liter). Abgetränkt werden sie in der Regel nach ca. 100 Tagen. 
Obwohl Webers früher viel mehr Kraftfutter verfüttert haben, selektieren die Kälber sogar eher das Stroh aus der Trocken-TMR heraus, als das Kraftfutter. „Das zeigt, wie hoch ihr Strukturbedarf in der Tränkeperiode tatsächlich ist“, beobachtet Dominik Weber. Gleichzeitig nehmen sie dadurch schon früh sehr viel Wasser auf.

Dominik Weber lagert die selbst hergestellte Trocken TMR in IBC-Fässern. Das aktuell angebrochene Fass ist in einer Lagerhalle schnell zu erreichen. Weitere Fässer sind in einem Hochregal gelagert.  (Bildquelle: Fry)

„Jeder sagt etwas anderes“ 

Ab einem Alter von ca. 3,5 Monaten, das heißt kurz vor dem Abtränken, bieten Webers den Kälbern zusätzlich zur Trocken-TMR auch die TMR der Kühe an. Mit vier Monaten bekommen sie in der Regel nur noch die Kuh-TMR. „In dem Alter fressen sie schon so viel, dass es mit Trocken-TMR zu teuer wird“, erklärt der junge Milcherzeuger. 
Sein Ziel ist es, Jungrinder mit 14 bis 15 Monaten zum ersten Mal zu besamen. „Jeder sagt etwas anderes, aber meiner Meinung passt dieses Alter gut. Es verkraften nicht alle Tiere, so früh abzukalben, auch wenn es vielleicht wirtschaftlicher wäre“, meint Weber. Damit die Rinder bis zur Besamung nicht zu fett werden, möchte er sie nicht zu intensiv aufziehen. Zwar hält er eine ad libitum-Tränke durchaus für richtig, dennoch ist er bisher auch so mit der Entwicklung seiner Kälber zufrieden. 
Aber: Immer Heu ad libitum! 
Mindestens während der Tränkeperiode haben die Kälber im Betrieb Weber zusätzlich zur Trocken-TMR und später zur Kuh-TMR immer Zugang zu gutem Heu. In den Einzeliglus finden die Kälber das Heu zwischen der Abtrennung zum Nachbar-Iglu. Die Iglus stehen so beieinander, dass man etwas Heu „dazwischen stopfen kann“ (siehe Bild). Achtung: Im Betrieb Weber stehen die Iglus in einer Halle, das heißt unter Dach. Sind die Iglus im Freien aufgestellt, wird das Heu bei entsprechender Witterung feucht oder weggeweht. 

Heu ad libitum für junge Kälber – angeboten zwischen den Einzeliglu-Abtrennungen.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck )

Einfach & kostengünstig 

Dominik Weber hat die Trocken-TMR von Beginn an selbst hergestellt. „Das probierst du einfach mal selber“, hat er sich gedacht und nach vorgegebener Zusammensetzung losgelegt. Insgesamt zieht er bisher eine positive Bilanz – Akzeptanz der Kälber, Arbeitsaufwand, Lagermöglichkeit und Kosten passen! 
Die TMR wird von den Kälbern sehr gut angenommen und für mich ist die zeitsparende Arbeitserledigung ein großer Vorteil.
Dominik Weber
Für die Trocken-TMR wird ausschließlich Kälberstroh verwendet, das Webers in 20 kg-Packs zukaufen. Es ist deutlich kürzer als das eigene Häckselstroh und bietet vor allem den Vorteil, dass es entstaubt ist. Das Kraftfutter stammt aus einer Hof-eigenen Mehlmischung speziell für Aufzuchttiere. Diese wird alle sechs Wochen durch eine mobile Anlage vor Ort gemischt und in Sacksilos gelagert. Melasse wird in IBC-Fässern, Rapsöl in Kanistern zugekauft. 
Der reine Mischvorgang dauert ca. 20 Minuten und steht durch die Lagerfähigkeit der Trocken-TMR nur alle drei Monate auf dem Plan. Die Durchführung ist wenig fehleranfällig, worin Dominik Weber vor allem einen Vorteil sieht, wenn Mitarbeiter diese Aufgabe übernehmen. 
Und die Kosten? Zusammengerechnet aus Futtermitteln und Kraftstoff für den Mischwagen kostet die selbstgemachte Trocken-TMR den Betrieb Weber ca. 30 Euro pro 100 kg. Das bedeutet weniger als der halbe Preis des gekauften Produktes. 

Die Länge und Qualität des Strohs ist entscheidend für die Futteraufnahme. Herkömmliches Häckselstroh ist nicht geeignet für die Kälber-TMR. (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

Hier sieht man, wie viel kürzer zugekauftes Kälberstroh im Gegensatz zu Hof-eigenem Häckselstroh ist.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck )

Das „Rezept“ vom Betrieb Weber als Beispiel

1. Komponenten: 
  • 74 % mehlförmiges Kraftfutter 
  • 20 % Kälberstroh 
  • 5 % Melasse 
  • 1 % Rapsöl 
2. Zubereitung: 
  • Zuerst werden das Kälberstroh, die Melasse und das Rapsöl für 10 bis 20 Minuten im Mischwagen miteinander vermengt. Eine ausreichende Mischdauer sollte hier unbedingt beachtet werden, damit sich die flüssigen Komponenten gleichmäßig verteilen und sich keine Klumpen bilden. 
  • Zuletzt wird das Mehl hinzugefügt und nochmals 5 Minuten mit den restlichen Komponenten vermischt.
  • Insgesamt dauert der Mischvorgang nur ca. 20 Minuten – und das nicht jeden Tag! 
  • Achtung: Je nach Herdengröße, Mischwagen und Vorrat ist das Verhältnis von Mischwagenvolumen und Menge an Trocken-TMR unterschiedlich. Um eine homogene Mischung zu erreichen, sollte der Mischwagen ausreichend gefüllt sein (75 – 90% optimaler Befüllungsgrad). Dominik Weber kalkuliert, dass man ca. 400 kg Trocken TMR pro Kubikmeter Mischwagenvolumen rechnen kann. 
3. Lagerung:
  • Die fertige Mischung wird mit einer Frontlader-Schaufel direkt vom Mischwagen in leere, saubere und trockene IBC-Fässer (1.000 Liter) gefüllt. Ein IBC-Fass fasst ca. 500kg Trocken-TMR. 
  • Tipp: Zwei oder mehrere Fässer nebeneinanderstellen und etwas (z.B. ein Tuch) über die Ränder legen. So können sie auch mit einer großen Schaufel befüllt werden, ohne das viel verloren geht. 
  • Die IBC-Fässer sind auf einer Holzpalette befestigt, sodass man sie anschließend befüllt mit einer Palettengabel verstauen kann, z.B. in einer Lagerhalle oder besonders platzsparend in einem Hochregal. 
  • Achtung: Die fertige Trocken-TMR ist an einem trockenen Ort und vor Feuchtigkeit geschützt zu lagern. Zudem sollte sie möglichst innerhalb von vier Wochen verfüttert werden. Dominik Weber lagert sie sogar bis zu drei Monaten - bisher problemlos. Einen längeren Zeitraum empfiehlt er aber nicht, da der gute Geruch und die Schmackhaftigkeit mit der Zeit verloren geht, was die Futteraufnahme reduzieren könnte. 

Trocken-TMR gelagert im sauberen und trockenem IBC-Fass.  (Bildquelle: Fry)

Auch mit pelletiertem Kraftfutter möglich? 

Dominik Weber nutzt mehlförmiges Kraftfutter, ist aber der Meinung, dass eine Trocken-TMR auch mit Pellets funktionieren kann. Zwar binden sich Pellets nicht so gut an Stroh wie die Mehlform und die Kälber können deutlich besser selektieren, aber wenn man die Tiergesundheit im Auge behält, ist es einen Versuch wert.
„Ich denke, dass Kälber genauso wie Kühe wissen, was gut für sie ist. Demnach werden sie entweder Kraftfutter oder Stroh oder beides abwechselnd fressen. Das mit Melasse versetzte, kurze Stroh kann auch ohne eine intensive Vermischung mit Kraftfutter schmackhaft sein und bei Bedarf entsprechend gut aufgenommen werden“, meint Weber zuversichtlich. 
Mitarbeit: Dr. Christian Koch, Dominik Weber, Ann-Christin Fry 

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