Fütterung/Einstreu

Schlechte Strohqualität – was tun?

Aus der Ernte 2021 sind schlechtere Strohqualitäten zu erwarten. Empfehlungen zum Einsatz von verregnetem Stroh im Milchkuhbetrieb von Dr. Arnd Grottendieck.

Die witterungsbedingt oft langen Feldliegezeiten unter Feuchtigkeit lassen erhöhte Gehalte an Pilzsporen, Keimen und Erdanhaftungen am Stroh erwarten. Nicht alle Partien wurden trocken gepresst. Das zieht muffige, verklebte und im ärgsten Fall schimmelige Bunde nach sich.
Empfehlungen zum Umgang mit durchwachsenen Strohqualitäten gibt der auf Fütterung spezialisierte Tierarzt Dr. Arnd Grottendieck.

Arnd Grottendieck

Tierarztpraxis Bramsche

Das könnte Sie auch interessieren: Tipps zur Strohernte bei Regen
Elite: Sollte man die Qualität kritischer Strohpartien nach Augenschein bewerten oder tatsächlich einmal futtermittelanalytisch sowie mikrobiologisch untersuchen lassen?
Arnd Grottendieck: Das ist keine leichte Frage. Theoretisch kann eine Laboruntersuchung natürlich genaue Werte liefern. Jedoch sind gerade bei der mikrobiellen Untersuchung viele Parameter möglich, die den Landwirten eine Entscheidung für den Einsatz kaum erleichtern dürften. Zudem kann sich jedes einzelne Strohbund in der Qualität unterscheiden – es ist allein aus Kostensicht nicht praktikabel alle analysieren zu lassen! Und: Die Betriebe sind angesichts der Verfügbarkeiten in schwierigen Strohjahren gezwungen Kompromisse einzugehen. Ich empfehle daher, besser jedes Strohbund vor dem Einsatz konsequent nach Aussehen und Geruch zu beurteilen: was muffig riecht, zusammen pappt und bräunlich verfärbt ist, darf schlicht und ergreifend nicht gefüttert werden – an keine Tiergruppe im Betrieb. Allein der muffige Geruch lässt immer auf einen hohen Gehalt an Schimmelpilzsporen, Hefen sowie Bakterienbesatz schließen. Derartig auffälliges Stroh zu füttern kommt in der Wirkung am Tier dem Verfüttern von schimmeligen Silagen gleich. Das kleinere Übel ist es, kritisches Stroh einzustreuen.
Es ist tunlichst zu vermeiden, muffiges Stroh zu verfüttern!“
Arnd Grottendieck
Max. Feuchtigkeitsgehalt: Stroh sollte zum Zeitpunkt des Pressens eine Feuchtigkeitsgehalt von unter 12 bis 14 % aufweisen. Die maximale Einfuhrfeuchte für Heu liegt bei 15 % Feuchte für Ballen, nach der Nachschwitzphase (ca. 3 Tage) sollte der Feuchtigkeitsgehalt auch hier um 13 % liegen. 
Alles was höhere Feuchtigkeitsgehalte aufweist, neigt zu mikrobiellem Verderb (bakteriell, Schimmelpilze) und damit zur Nacherwärmung und im schlimmsten Fall zur Selbstentzündung! Sie sollten bei höheren Feuchtegehalten zunächst nicht gepackt...


Mehr zu dem Thema