Gesundheit

Kälberflechte homöopathisch behandeln

Rinderflechte ist eine oberflächliche Pilzkrankheit der Haut, die gerne bei Jungrindern auftritt. Wie man diese Krankheit homöopathisch behandelt.

Die allgemein als Rinder- oder Kälberflechte bezeichnete oberflächliche Pilzkrankheit der Haut tritt besonders häufig bei Jungrindern auf. Die Symptome der sogenannten Trichophythie (Trichophyton verrucosum) sind deutlich auf der Haut zu erkennen:

  • Die betroffenen haarlosen Bezirke sind rundlich bis oval, scharf abgesetzt und mit schuppig-krustigen, hellgrauen Belägen. Bei Rindern meist ohne Juckreiz. In extremen Fällen können auch ausgedehnte Körperpartien befallen werden.

Jungrinder mit stabilem Immunsystem erkranken kaum an Flechte bzw. tritt bestands-/stallspezifisch nur ein leichter Befall auf. Tiere mit einem geschwächtem Immunsystem und bereits vorhandenem Ektoparasitenbefall, wie Flöhen, Räudemilben oder Haarlingen hingegen können auch sehr stark betroffen sein. Durch Parasiten vorgeschädigte Haut ist ein optimaler Nährboden für den Hautpilz.

Hinweis: Rinderflechte ist auch auf den Menschen übertragbar (Zoonose) - bei Kontakt mit den Tieren sollten Gummihandschuhe getragen werden.

Das Immunsystem infizierter Kälber wird gestresst, da es sich mit der Pilzinfektion auseinandersetzen muss. Je nach Befallsintensität kann es dadurch zu Leistungsdepressionen (geringere Zunahmen) sowie wesentlich schneller zu Sekundärinfektionen kommen.

Neben Ektoparasitenbefall fördern auch ein schlechtes Stallklima (dunkel, feucht-warm, stickig), hohe Belegdichten in den Stallungen und eine vorhandene allgemeine Immunschwäche (Widerstandkraft durch andere Erkrankungen oder Mangelzustände, wie z. B. Vitamin A und/oder Zinkmangel und meistens zu wenig oder kein Kontakt mit dem Tageslicht) eine Infektion mit dem Hautpilz.

Zu Impfung und Ursachen

Gegen Rinderflechte kann geimpft werden (verkürzt Krankheitsdauer, ermöglicht angewandt über mehrere Jahre die Tilgung der Erkrankung im Bestand). Viele Betriebe möchten jedoch nicht Impfen und akzeptieren eine leichte Infektion im Jungrinderalter (nur wenige, kleine Schorfpunkte, oft am Kopf). Grundsätzlich entwickeln Tiere auch ohne die Impfung eine Immunität. Einmal infiziert, tritt die Erkrankung im weiteren Leben in der Regel nicht noch mal auf. Infizieren sich hingegen ausgewachsene Milchkühe erstmalig (z.B. nach Zukauf zur Bestandsergänzung), kann das die adulten Tiere deutlich schwerer treffen und belasten, als in der Jugend.

Nicht akzeptabel hingegen ist ein Flechtebefall, der auf Basis von Ektoparasitenbefall oder Haltungsfehlern entsteht und dann in der Regel schwere Verläufe nimmt. Flöhe, Räudemilben oder Haarlinge stören und stressen die Tiere. Befallene Tiere müssen umgehend dagegen behandelt werden (Antiparasitika, akarizide und insektizide Wirkung) und eine entsprechende Stallhygiene (Reinigung von Oberflächen, insbesondere von hölzerner Einrichtung und Bürsten, "Entwesung") sowie eine Optimierung des Stallklimas muss in den betroffenen Stallungen/Abteilen Einzug halten, sodass es beim erneuten Einstallen nicht wieder zu neuem Befall kommt.

Eine Möglichkeit den Verlauf der Trichophythie zu mildern oder auch vorzubeugen bietet die homöopathische Behandlung. Hierzu gibt die Tierheilpraktikerin Angela Esser (Alverskirchen, NRW, u.a. spezialisiert auf Homöopathie beim Rind) folgende Empfehlungen.

Angela Esser

Tierheilpraktikerin

Seit über zehn Jahren Behandlung von Rindern. Ausbildung an der ATM, eigene, IHK-zertifizierte Praxis.
Spezialisierung beim Rind auf Akupunktur, Homöopathie, Laser- sowie Blutegeltherapie.

Rinderflechte homöopathisch vorbeugen und behandeln

Vorbeuge:

Vorbeugend gegen Infektionen ist es hilfreich, wenn bereits das Immunsystem der kleinen Kälber gefördert wird. Hierzu empfiehlt es sich erfahrungsgemäß zunächst die Konstitution der Kälber zu stärken:

  • Die Konstitution des eher schlanken Typ Kalb stärkt die einmalige Gabe von Silicea C30 (10 Globuli/Tier ins Maul geben)
  • und die des eher kräftigen Typ Kalb stärkt die einmalige Gabe von Calcium carbonicum C30 (10 Globuli/Tier ins Maul geben).

Zum Herbst hin, der "klassischen Infektionszeit" für Jungtiere, empfiehlt es sich zudem, den Kälbern und Jungrindern ein Gabe von 5 ml Engystol (Heel, flüssig) zu verabreichen, dass die Abwehrkräfte aufbaut.

Behandlung:

Die beste Wirkung gegen Hautpilzerkrankungen erzielt der Einfluss von Sonnenlicht. Der Kontakt dazu ist allerdings nicht in allen Haltungssystemen möglich bzw. auch in offenen Außenklimaställen im Herbst und Winter naturgemäß eingeschränkt.

In diesen Fällen empfiehlt Angela Esser es die betroffenen Rinder wie folgt zu behandeln:

  • pro Tier eine Gabe (10 Globuli) Sulfur C200 alle 4 bis 5 Tage, über 4 bis 6 Wochen

Das homöopathische Mittel Sulfur ist ein Reaktions- und Reinigungsmittel, das sich zur Behandlung der Kälberflechte als das bewährteste Mittel herausgestellt hat, erklärt die Tierheilpraktikerin. Und ergänzt:

  • Die zusätzliche Gabe von Trichophytie Nosode C200 zusammen mit Sulfur C200 hat sich ihrer Erfahrung nach bewährt.
  • Bei nachweislich erkrankter Haut ausgelöst durch Parasiten, kann das homöopathische Mittel Psorinum C200 eine gute Wahl sein. Vorausgesetzt die Parasiten wurden vorher beseitigt (konventionelle Behandlung mit Antiparasitika). Verabreicht wird das Mittel alle 2 bis 4 Tage ca. 14 Tage lang, bis sich eine Besserung einstellt.

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Warzen am Euter behandeln

vor von Katrin Berkemeier

Warzen an den Zitzen stören beim Melken. Tipps und Möglichkeiten zur Behandlung und Prophylaxe aus Schulmedizin, Homöopathie und Stallhygiene.

Zusätzliche natürliche Hilfsmittel

Unterstützen kann die Heilung der Hautpilzerkrankung zudem:

  • Die zusätzliche Fütterung mit Kanne Brottrunk und oder Kanne Fermentgetreide. Die darin enthaltenen Milchsäurebakterien können den Stoffwechsel der Tiere umstimmen. Eine tägliche Ganzkörper-Spraybehandlung der Tiere über einen längeren Zeitraum ist damit auch möglich und hilfreich (z.B. im größeren Stil zu umzusetzen über ein geeignetes Vernebelungsgerät DN 17/10, DN 40/22). Siehe auch Artikel Warzen am Euter behandeln - das Keimmilieu im Stall positiv verändern.
  • Eine tägliche lokale Behandlung der vom Hautpilz befallenen Hautstellen durch Einreibungen, z.B. mit Schwefelsalbe (Gummihandschuhe tragen!).
  • Eine vollwertige Ernährung und zusätzliche Vitamin-A Gaben sowie Licht und Sonne.
  • Eine Stalldesinfektion (z.B. mit Chlorkalk 1%ig, Achtung - greift die Haut an) ist unbedingt vor dem Aufstallen neuer Tiere notwendig.

Überlieferte Hausmittel:

Als hilfreich gegen Rinderflechte gelten zudem Einreibungen mit einem faulen Boskop-Apfel und das Aufhängen von einem Ilex-Zweig (Ilex aquifolium, auch Stechpalme oder Hülsekrabbe) im betroffenen Stall.

Hinweis: Homöopathische Mittel, die meistens nicht für Tiere zugelassen sind, müssen vom Tierarzt umgewidmet werden. Der korrekte Weg ist es, sie vom Tierarzt zu beziehen, der dann den notwendigen Beleg ausstellt. Jede Anwendung eines homöopathischen Arzneimittels muss im Bestandsbuch dokumentiert werden.

 


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