Kühe melken im Iran

Futtertisch aus Granit, Melkstand aus Marmor

Im Iran orientiert sich die Milchproduktion, trotz enormer unterschiedlicher weltpolitischer Auffassungen, sehr stark an den aus den USA bekannten Produktionsstrategien.

Als ein Schwergewicht der Milchproduktion wird der Iran in Europa eher nicht wahrgenommen. Dabei bewegt sich das Land am Persischen Golf mit zwei Millionen Milchkühen und einer Jahresproduktion von etwa neun Millionen Kilogramm Milch immerhin in einer Liga mit Ländern wie Brasilien, Mexiko oder Australien.
Mit rund sechs Mio. Tonnen Milch werden aber nur rund zwei Drittel der erzeugten Menge von den etwa 400 Molkereien verarbeitet. Von diesen 400 Verarbeitern wiederum teilen sich zehn Unternehmen 80 bis 90 % des Milchmarktes auf.

Auf der Erzeugerseite finden sich zwei Organisationsformen:

  • Milchfarmen in privatem Besitz: diese halten bis zu 11.000 Rinder (Kühe inkl. Nachzucht).
  • Milchfarmen in staatlicher Hand: Oft gehören diese Farmen zu größeren industriellen Holdings.

34 kg Milch pro Kuh

Knapp 1.300 Kuhherden sind der Milchkontrolle angeschlossen. Beeindruckend ist die Leistung dieser Herden, die im Durchschnitt 226 Kühe melken: 10.100 kg Milch pro Kuh (34 kg/Tag); der Zellgehalt liegt bei 320.000 Zellen/ml, das Abgangsalter der Kühe bei 5,7 Jahren.
Erreicht werden diese beachtenswerten Milchleistungen insbesondere dank intensiver Tierbeobachtung, permanenter Tierkontrollen und detaillierter Arbeitsprotokolle. Aber dennoch reicht diese Produktionsmenge nicht aus, um die Bevölkerung von 80 Millionen Menschen zu versorgen. Der Iran ist daher immer wieder auf Importe von Milchprodukten angewiesen.

Trotz des nur knappen Selbstversorgungsgrads mit Milch(Produkten) sehen sich die iranischen Milchproduzenten einem scharfen Wettbewerb ausgesetzt. „Es wird sehr viel Milchpulver aus Neuseeland importiert, außerdem werden die Preise für wichtige Milchprodukte wie z.B. Babynahrung, subventioniert“, erläutert MilcherzeugerJalal Ghadiri. Das ist nicht gerade förderlich für die Milchindustrie; zudem lässt die schwierige Gesamtlage der iranischen Wirtschaft, die ihrerseits die Milchpreise nicht nachhaltig wachsen.

Der Iran  importiert sehr viel Milchpulver aus Neuseeland, außerdem werden die Preise für wichtige Milchprodukte wie z.B. Babynahrung subventioniert“
Jalal Ghadiri, Milcherzeuger aus dem Iran
Jalal Ghadiri bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Sohn Avid eine Herde von knapp 300 Milchkühen in der Nähe von Maschhad, ganz im Osten des Irans. Mit umgerechnet etwa 0,30 € pro kg erhält er nur einen geringen Milchpreis – aber immerhin sei dieser stabil, so Ghadiri.

Die wenig verfügbaren betriebswirtschaftlichen Auswertungen beziffern die Produktionskosten pro Liter Milch der größeren iranischen Milchfarmen auf 28 bis 37 Cent. Den größten Kostenblock mit 70 % stellen die Futterkosten dar. Obwohl die Rationen  Mais- und Luzernesilage dominieren – diese Futtermittel können im Land erzeugt werden – wird zusätzlich noch sehr viel Kraftfutter gefüttert. Der Bezug der Kraftfutter-Komponenten ist jedoch teuer.

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