Im Fokus

50 Kühe und 50 kg Milch

Zu Besuch bei Familie Eberhard, die mit einer ­Laktationsleistung von rund 15.000 kg Milch die derzeit ­leistungsstärkste Milchkuhherde Deutschlands managen. 

Betriebsspiegel: 
50 Kühe 
15.000 kg Milch 
80 Hektar LN 
47546 Kalkar 
Großrahmige, breite Kühe mit klaren Fundamenten und festen Eutern bewegen sich entspannt durch den Stall. Einige Kühe kommen neugierig zum Fressgitter. „Die Kuh hat drei Kälber und gibt aktuell über 60 kg Milch“, erzählt Betriebsleiter ­Christoph Eberhard, während wir weiter über den Futtertisch laufen, und zeigt auf eine dunkle Kuh mit tadellosem Euter, die gerade aufgestanden ist. Damit ist sie wohl nicht die einzige – 49,6 kg Milch im Herdenschnitt lautet das Ergebnis der Milchkontrolle im März.

Zufrieden mit 50 Kühen

Christoph und Linda Eberhard leben gemeinsam mit Tochter Ella, der 50-Kopf großen Holsteinherde und rund 100 weiblichen Jungtieren auf einer äußerst gepflegten Hofstelle am Kuh-reichen Niederrhein. Wohnhaus, Stallgebäude und Siloanlagen liegen nah beieinander. Alles wirkt ruhig und geordnet. Außer den Vierbeinern befindet sich zwischen den Stallzeiten in der Regel niemand im Stall. „Ich denke, dass hier soweit alles rund läuft. Aber unsere Ställe sind 20 Jahre alt, da gibt es bestimmt bessere Betriebe“, meint Christoph Eberhard. Vor gut zwei Jahren hat er den Betrieb übernommen. Seitdem wohnen seine Eltern 200 Meter von der Hofstelle entfernt. Christophs Vater hilft noch gerne mit und übernimmt viele Feld­arbeiten.
Neben Gras und Mais bauen sie auch Getreide, Zuckerrüben, Raps und Kartoffeln an. Erntearbeiten, Gülleausbringung und Spritzen haben sie an Lohnunternehmen ausgelagert, alles andere erledigen sie selbst. Auch Ehefrau Linda hilft bei Büro- und Stallarbeiten, weitere Arbeitskräfte gibt es nicht. Eine Erweiterung kommt für Eberhards nicht infrage. „Wir möchten auf jeden Fall bei dieser Größe bleiben. Bevor ein neuer Stall gebaut würde, würden wir eher aufhören“, ist sich der junge Betriebsleiter sicher.

Leistungsstarke Genetik, automatisches Melken, ein besonderer Blick für Kühe und ein Herden­management ohne Schnickschnack machen den Erfolg der 50 Hochleistungs-Sportlerinnen aus. (Bildquelle: Schildmann )

Bullen mit + 2.000 kg Milch

Die entscheidende Frage: Welches Erfolgsgeheimnis steckt hinter dieser überschaubaren Holsteinherde, die noch einmal rund zehn Liter Milch mehr melkt als andere hochleistende Herden?
„Die kompromisslose Zucht und Selektion auf Leistung!“, ist sich Christoph Eberhard sicher. Der züchterische Fokus auf Leistung war ihm schon immer wichtig. Seit gut zehn Jahren hat er dieses Ziel konkretisiert und fährt seitdem eine klare Strategie aus Anpaarung und Selektion. Die Leistung kommt also nicht von heute auf morgen, auch wenn die 15.000 kg Milch ein neuer Rekord sind. Im langfristigen Schnitt liegen sie bei rund 14.500 kg Milch.
Wir züchten und selektieren kompromisslos auf viel Milch!“
Christoph Eberhard 
Christoph Eberhard setzt konsequent Bullen ein, die mindestens + 2.000 kg Milch vererben. Bei Kühen nutzt er zu 60 % töchtergeprüfte Bullen, ab der vierten oder fünften Besamung Fleischrassen. Bei Jungrindern entscheidet er nach genomischen Daten, auf die er alle weiblichen Tiere untersuchen lässt. Vielversprechende Jungrinder werden gesext besamt, weniger interessante Rinder dienen als Trägertiere. Drei- bis viermal im Jahr lässt er hochtestende Jungrinder spülen. Obwohl sie erst kürzlich ein Bullenkalb mit RZG 168 verkaufen konnten, sieht er in der genomischen Zucht mehr Hobby als ein Geschäftsmodell.
„Die Spülungen mache ich in erster Linie für mich, denn 95 % der Tiere erreichen keinen ausreichenden Zuchtwert, um sie entsprechend zu vermarkten. Also melke ich sie später selbst“, erklärt der Züchter. Bei jeder Spülung und Besamung gilt dasselbe Ziel: extreme Leistungsvereber mit passendem Exterieur. Um die zu finden, durchforstet er Bullenlisten intensiv, geht aber auch nach Bauchgefühl. „Auf Zuchtwerte für Nutzungsdauer und Gesundheit achte ich wenig, vielleicht zu wenig. Vor allem Zellzahl und Töchterfruchtbarkeit habe ich vernachlässigt“, sagt er. Dass die Inhaltsstoffe mit aktuell 3,26 % Eiweiß und 3,78 % Fett unter der hohen Milchmenge leiden, stört ihn nicht. Die Zellzahl pendelt zwischen...


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