Milchmarkt

Hohe Kosten und Inflation belasten Milchwirtschaft

Während Angebot und Nachfrage gut zusammen passen und sich die Preise festigen, belasten hohe Produktionskosten und die Inflation Milcherzeuger und Molkereien.

Die Situation am Milchmarkt ist verzwickt! Während das Milchaufkommen derzeit von der zum Herbst steigenden Nachfrage sehr gut getragen werden kann und die Rohstoffpreise sich entsprechend positiv entwickeln, belasten die gestiegenen Produktionskosten und die hohe Inflation nicht nur die Milcherzeuger, sondern auch die Milchverarbeiter.
Doch die Frage wer zu welchen Teilen die zusätzlichen Kosten tragen muss, sorgt derzeit für erhitzte Gemüter. Die „Möglichkeit“ sie eins zu eins auf den Endverbraucher umzulegen, könnte nach hinten losgehen, befürchten die Rabobank-Analysten. Denn dies könnte die eigentlich positive Nachfrageentwicklung der Verbraucher umkehren.
Und dann ist da auch noch der vermutlich nachlassende Importbedarf aus China – kann dieser nicht mittelfristig durch die Nachfrage anderer Einfuhrländer ausgeglichen werden, steigt das Risiko für global sinkende Milchproduktpreise im kommenden Jahr. Das würden auch hiesige Milcherzeuger zu spüren bekommen. Update 22.09.2021 | Die jüngsten Importzahlen bestätigen hingegen nicht die Prognosen über eine geringere Nachfrage seitens China im zweiten Halbjahr von 2021. Die Importe sind im August sehr stark geblieben – bei allen Milchprodukten (außer Babynahrung, Casein und Molkenpulver). Die chinesischen Käseimporte aus der EU erhöhten sich im Vorjahresvergleich August sogar um 69 %, berichten die Milchmarktexperten von Trigona Dairy Trade. 

Entwicklung Angebot und Nachfrage am Milchmarkt

Angebot:
Das Milchaufkommen in Deutschland bewegt sich unverändert unterdurchschnittlich. Insgesamt liegt die Milchanlieferung im bisherigen Jahresverlauf (Januar bis Ende August) um 1,1 % unter dem Vorjahresniveau, zuletzt um 2,3 % (KW 36). Gleichzeitig wird weiter von niedrigen Milchinhaltsstoffgehalten berichtet. An dieser Entwicklung werde sich voraussichtlich auch bald nichts ändern. Branchenexperten sehen die hohen Kraftfutterkosten sowie den Strukturwandel dafür verantwortlich – mehr Milch zu erzeugen rechnet sich bei den eigentlich im Vergleich zu den Vorjahren akzeptablen Milchpreisen aufgrund der dazu unverhältnismäßig gestiegenen Produktionskosten nicht (siehe Kasten unten).
Aufgrund der gleichzeitig guten Nachfrage besteht über dem gesamten Jahresverlauf 2021 keinesfalls Mengendruck am deutschen Milchmarkt. Im Gegenteil, die Nachfrage und damit die Preise an den Spotmärkten für Milchrohstoffe bewegen sich auf einem hohen Niveau, dass zu Herbstbeginn noch einmal deutlich zugelegt hat: Nach Angaben der niederländischen DCA-Markets-Price Reporting Agency (PRA) wurde Rohmilch aus Nord- und Ost-Deutschland (unbearbeitet, GVO-frei, auf Basis von 4,0 % Fett) in der aktuellen Woche (KW 37) zu 45,00 € pro 100 kg gehandelt, Rohmilch aus Süddeutschland sogar zu 48,50 € (siehe Grafik Dairy Quotations – Spotmilk). Die Marktexperten von Trigona Dairy Trade erwarten keine größere Veränderung in diesem positiven Marktverlauf, bevor nicht das Milchaufkommen wieder steigt. Denn mit Ausnahme von gefrorener Butter seien aktuell keine großen Lagerbestände von Milchprodukten in der EU vorhanden.
Das Milchaufkommen in der EU entwickelt sich trotz geringerer Milchproduktion in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden insgesamt mit voraussichtlich ca. +0,6 % im Jahr 2021 leicht steigend. Insbesondere Irland, Italien und Polen melken mehr. Weltweit steigt die Milchproduktion, denn die starken Milcherzeugernationen nach der EU erhöhen ihre Mengen laut Bericht der AMI gegenüber dem Vorjahr erheblich: USA +3 %, Neuseeland +6 % und Australien +2 %. 
Nachfrage:
  • In Deutschland und in der EU steigt die Nachfrage nach Milchprodukten nach Ende der Sommerzeit wieder an, berichten die Zentrale Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) und das niederländische Handelsunternehmen Trigona Dairy Trade. So ordere die weiterverarbeitende Industrie ebenso wie der Einzelhandel höhere Mengen und auch die Nachfrage des Food Service stabilisiere sich. Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) habe sich die Nachfrage nach Milchprodukten im...


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