Elite Dairy Tour 2022

„Man braucht Kuh- aber auch Menschenverstand“

Sönke Holling wirtschaftet auf vier Standorten und bildet viele junge Leute im Herdenmanagement aus. „Nebenbei" erreicht die Herde beachtliche Leistungen. 

„Eigentlich machen wir hier ja gar nichts Besonderes“, begrüßt uns Sönke Holling. Mitten in der Hitzewelle bei gut 30°C sind wir zu Besuch in Osterstedt, im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein. Außer der Ventilatoren und einem Radlader herrscht überall Ruhe. Genauso ruhig und entspannt wie die Kälber und Kühe wirkt auch Betriebsleiter Sönke Holling (48 Jahre).
Zu dem stetig gewachsenen Milchkuhbetrieb von Sönke und Heike Holling sowie ihren Söhnen Oke und Lasse gehören heute rund 430 Holsteinkühe, die weibliche Nachzucht, Angus-Rinder und rund 330 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche plus Grünland. Am Hauptstandort in Osterstedt sind rund 330 Kühe untergebracht, die dreimal täglich in einem Doppel-8er-Boumatic Fischgrätenmelkstand gemolken werden und eine durchschnittliche Laktationsleistung von 13.200 kg Milch erreichen. „Vor der Hitze lagen wir im Schnitt bei 41 kg Milch pro Kuh und Tag, aktuell sind es etwa 38 kg mit 3,60 % Fett und 3,25 % Eiweiß“, sagt Sönke Holling.
An einem zweiten „Melk-Standort“ rund sieben Kilometer entfernt, den sie kürzlich übernehmen konnten, werden derzeit alle ZU-Kühe „abgemolken“. Die Leistung der 100 Kühe liegt im Schnitt bei 10.500 kg Milch. Im letzten Jahr haben sie rund 5,5 Mio. Liter Milch abgeliefert. Das Jungvieh ist auf zwei weitere Standorte verteilt, ein und zehn Kilometer entfernt, die ebenfalls vom „Holling-Team“ bewirtschaftet werden
Das gesamte Betriebskonzept erfordert viel Logistik, Kuhverstand und Menschenkenntnis. Wie Sönke Holling das managt und dabei entspannt bleibt, hat er uns beim Betriebsrundgang verraten. 

Betriebsspiegel

| gesamt: 430 Kühe mit 12.570 kg Milch
| Standort 1: 330 Kühe mit 13.200 kg Milch
| Standort 2: 100 Kühe mit 10.500 kg Milch
| insgesamt vier Standorte, Hauptstandort 25590 Osterstedt 
| 330 Hektar und 150 Hektar Grünland, 50 Hektar extensiv 
| Milchproduktion, Futterbau, Photovoltaik (Biogas in Planung)
| 7 Ak plus vier Azubis (im Durchschnitt) 

Am Hauptstandort in Osterstedt sind die gut 330 Kühe in Frischmelker, Färsen, Hochleistende und Niederleistende unterteilt.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

Trockenstress? Nein, nicht in Schleswig-Holstein 

Die erste Besonderheit auf Hof Holling: Trockenheit ist kein Problem! „Für uns ist das trockene Wetter gerade passend, weil wir alle Flächen befahren können“, erklärt der Betriebsleiter. Probleme mit vertrocknetem Mais oder Futtermangel hat er bisher glücklicherweise nicht. Beim Maisanbau ist viel Stärke das oberste Ziel. „Wir legen den Mais mit wenig Saatstärke, setzen bei den Sorten zu 80 % auf Zahnmais und häckseln auf 80 cm Stoppelhöhe, um ca. 40 % Stärke zu erreichen. Neben Silomais ernten sie auch Körnermais feucht und konservieren ihn. 
Ich möchte möglichst stärkereichen Mais füttern, deshalb lasse ich bewusst lange Stoppeln stehen und mische lieber mehr Gras in die Ration. 
Sönke Holling
Gras wird ab Mitte Mai konsequent alle vier Wochen geschnitten (insgesamt fünf Schnitte). Nach jedem Schnitt wir die Fläche gepflegt. Auf den 50 ha Extensiv-Grünland machen sie zwei Schnitte und möchten dort zukünftig auch Angus weiden. „Heu machen wir gar nicht, das kann ich nicht“, gibt Holling zu. Auf dem zweiten Standort probieren sie sich gerade in Weidehaltung, sind aber nicht überzeugt. „Ich finde Weidehaltung super, aber dafür braucht es die passenden Böden, das passende Klima und gute Leute, die sich auskennen. Zu unserem Betrieb passt das aktuell nicht, der IOFC war bisher mit Weide immer schlechter.“ 
Bildergalerie Nr. 1: 

Die Fachkräfte-Schmiede

Die zweite Besonderheit: Der Betrieb ist gut ausgestattet mit Mitarbeitern! Neben der Familie gehören vier rumänische Mitarbeiter und zwei Festangestellte für die Außenwirtschaft zum Team Holling. Dazu zählen jährlich vier Azubis sowie ein Herdsman-Trainee. „Juli und August sind wichtige und intensive Monate für mich, denn da arbeite ich vier bis fünf neue Mitarbeiter ein“, sagt Sönke Holling. Gelernte Landwirte (oder wie er sagt „alle, die Bock auf Kühe haben“) können ein einjähriges Trainee-Programm als Herdsman auf dem Hof Holling absolvieren. Der Herdsman kümmert sich gemeinsam mit Melkern, Fütterern und Azubis um die praktische Betreuung der Herde. Zudem soll er Verantwortung in der Mitarbeiterführung sowie im Controlling übernehmen und nimmt zusätzlich an der Herdsman-Fortbildung der Tierarztpraxis Agroprax teil. Mit der Zeit hat...


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