Elite Dairy Tour 2020

Keine Kühe? Keine Option!  Plus

Die Ökonomie nie aus dem Auge verlieren! Wie Milchproduktion als große Gemeinschaftsaufgabe funktioniert, haben wir bei der Agrargenossenschaft Uckro in Brandenburg gesehen. 

Die Milchproduktion hat in dem in der Nähe von Luckau (Spreewald) gelegenen Großbetrieb eine lange Tradition. Zu DDR-Zeiten gehörte die Milchkuhanlage zur örtlichen LPG Tierproduktion. Nach der Wende wurde der Standort in Uckro von der neu gegründeten Genossenschaft „übernommen“. Die damals vorhandenen Typenställe wurden seitdem stetig optimiert, sie werden auch heute noch intensiv für Kühe, Jungrinder und Kälber genutzt. 
Die Produktionskennzahlen der auf 800 Kühe angewachsenen Kuhherde zeigen, dass die Milchproduktion in Uckro rund läuft. So fanden sich in den letzten Jahren 45 Kühe mit einer Lebensleistung von mindestens 100.000 kg Milch, aktuell sind vier im Bestand. Die Nutzungsdauer der Abgangstiere liegt bei 52,4 Monaten, die Lebenstagsleistung bei 20,5 kg ECM.
Durch die kürzlich erfolgte Aufstockung ist Lebensleistung der Kühe auf „nur“ noch 39.000 kg gesunken, sie dürfte sich schon aber bald wieder erhöhen. Die durchschnittliche Tagesmilchleistung liegt aktuell bei gut 32 kg Milch. Im Wirtschaftsjahr 2019/20 haben sie 10.011 kg mit 4,09 % Fett und 3,4% Eiweiß abgeliefert. 
In den letzten Jahren ist die extreme Trockenheit am Standort und den bewirtschafteten Flächen zu einer großen Herausforderung geworden. Gut, dass das Team Herausforderungen gewöhnt ist. Durch Optimierungen, nicht nur in Futterbau und Fütterung, sondern auch in der Aufstallung und dem gesamten Herdenmanagement, versuchen sie stets, die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion zu sichern. 
- 800 Kühe 
- 32 kg Milch 
- 2.300 Hektar, Biogas 
- 14 Ak + Lehrling in der Tierproduktion 

Der neue Boxenlaufstall für rund 400 Kühe wurde in 2015 erbaut. Die endgültige Kuhzahl von gut 800 Kühen ist seit diesem Jahr erreicht.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

Schwarze Zahlen als dauerhafte Herausforderung

Zur Genossenschaft gehören neben rund 800 Milchkühen 2.300 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche (davon 845 ha Eigentum), eine Biogasanlage mit 536 kW sowie eine PV-Anlage. Bis zum Jahr 2015 waren alle 400 Kühe in Altgebäuden untergebracht, gemolken wurde dreimal täglich im Doppel 16er-Fischgräten-Melkstand. Mit dem Bau des neuen Kuhstalls, der weiteren 400 Kühen Platz bietet, wurde die Fischgräte durch ein 40er-Außenmelker-Karussell ersetzt. Heute werden die Kühe aber nur noch zweimal täglich gemolken. „Wir würden gerne dreimal melken, aber es muss sich rechnen. Derzeit sind die Technik- und Arbeitszeitkosten einfach zu hoch“, begründet Geschäftsführer Norbert Zittlau die Entscheidung. Der Kuhbestand wurde allein aus eigener Reproduktion aufgestockt.
„Es ist schon ein Unterschied, ob man mit 50 oder mit 800 Kühen ein Minus macht“, weiß der Geschäftsführer. Im Juni diesen Jahres lag der Milchpreis bei nur 29,6 Cent. Das reicht natürlich nicht aus. Doch in Uckro haben sie es bislang immer geschafft, gesamtbetrieblich am Ende schwarze Zahlen zu schreiben. Nicht zuletzt deshalb wurde die Milchproduktion auch noch nie in Frage gestellt. 
Inklusive Tierverkauf trägt die Milchproduktion mit rund 64% zum Umsatz der Agrargenossenschaft bei. Die erneuerbaren Energien haben sich als drittes Standbein etabliert. „Dank Biogas (seit 2006) und der Sonnenkollektoren (seit 2014) sind wir bislang gut durch Krisenzeiten gekommen“, erzählt Zittlau. Die PV-Anlage wird jetzt noch einmal erweitert.
Durch stetige Optimierung haben wir es irgendwie immer geschafft, gesamtbetrieblich schwarze Zahlen zu schreiben. Aber es gibt ständig neue Herausforderungen. 
Norbert Zittlau 
Derzeit arbeiten rund 14 Personen und ein Lehrling in der Tierproduktion. Für das Herdenmanagement sind neben Marlies Michligk (Leiterin Tierproduktion) zwei weitere Mitarbeiter zuständig. Insgesamt beschäftigt die Genossenschaft 29 Arbeitskräfte und zwei Lehrlinge. Viele der Mitarbeiter sind schon lange in er Genossenschaft beschäftigt, einige scheiden denn auch bald altersbedingt aus. Das kann sich zum Problem erwachsen, denn es wird zunehmend schwieriger, Mitarbeiter zu finden. Selbst Auszubildende werden rar. Dabei haben junge Menschen nach der Ausbildung ihren Arbeitsplatz quasi sicher, „sie müssen aber etwas Engagement zeigen, die Mitarbeit auch wollen“, sagt Zittlau. 

Futterproduktion ist Chefsache!

Neben seinen (Büro-)Tätigkeiten als Geschäftsführer gehört die Futterernte nach wie vor den Aufgaben von Norbert Zittlau. „Futterproduktion ist Chefsache!“, schmunzelt Marlies Michligk. Schon zu LPG-Zeiten haben die beiden ehemaligen Kader in Uckro zusammengearbeitet gearbeitet, Zittlau als Leiter der Futterproduktion, Michligk als Futterökonomin.
Damals wie heute stellen die beiden Futterbau und Fütterung vor Herausforderungen. „Der Mais ist eine gerade Katastrophe“, erläutert der Geschäftsführer. Seit 2018 herrscht extremer Wassermangel, pro Jahr fallen gerade mal noch 350 mm Niederschlag. Deshalb...


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