Elite Dairy Tour 2022

Ein klares Konzept für 300 Kühe

Die Hopp Agrar GbR in Meßkirch setzt in ihrem neuen Kuhstall auf Mensch und Maschine. Bürokratischen oder technischen Hindernissen stellt sich die Familie mit Beharrlichkeit entgegen. 

Betriebsspiegel

300 Milchkühe plus Nachzucht
10.900 kg Milch mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß
300 ha Ackerfläche, 100 ha Grünland
3 Voll-AK 
weitere Standbeine: 2,1 MW-Biogasanlage, Lohnunternehmen, 600 Legehennen im Mobilstall, 1,5 ha Freiflächenvoltaik-Anlage in Planung,
Kurz vor ihrem wohlverdienten Urlaub empfängt uns Familie Hopp in Meßkirch (Lkr. Sigmaringen) in ihrem 2018 ausgesiedelten, neuen Milchviehstall. Von Vor-Urlaubsstress keine Spur. Man merkt, dass Betriebsleiter Johannes Hopp daran gewohnt ist, Besucher durch den Stall zu führen: „Wir haben oft Gruppen auf dem Hof.“ Das war auch der Grund, warum er im Melkhaus für den Blick ins beeindruckende 50er-Außenmelker-Karussell eine Besuchertribüne eingerichtet hat. Nur warum ist sie zugenagelt, fragen wir uns: „Wir dürfen sie aus Brandschutzgründen nicht benutzen“, bringt uns der Betriebsleiter zum Staunen. 

Nicht lang rummachen

Geschmeidig gleiten die Holsteinkühe im Karussell auf ihre Plätze. Zwei Mitarbeiter reinigen die Euter und setzen die Melkzeuge an, am anderen Ende dippt Vater Hubert Hopp die Zitzen. Es flutscht: „220 bis 230 Kühe in der Stunde sind drin“, erklärt Johannes Hopp.

Mit dem 50er-Außenmelker-Karussell sind im Betrieb nach einer Stunde bereits bis zu 230 Kühe gemolken.  (Bildquelle: Lehnert )

Das war allerdings nicht immer so. „Wir hatten zuletzt nur Ärger mit der neuen Melkanlage. Die Kühe wurden nicht mehr leer, die Zellen stiegen im Schnitt auf 700 000. Erst seitdem wir andere Melkzeuge installiert haben, läuft es“, berichtet Hopp von einer sehr nervenaufreibenden Zeit. Die damals auf der Suche nach der Ursache für 50 000 € angeschaffte Wasseraufbereitungsanlage habe sich aber gelohnt:  „Seitdem wir unser Quellwasser damit aufbereiten, haben wir z.B. in den Tränkebecken keinen Biofilm mehr und brauchen zur Reinigung keine Bürste mehr!“ 
Der Milchkuhhalter ist aber trotzdem vom Karussell als Melksystem überzeugt, auch wenn er zuerst eine Roboterhalle mit fünf AMS geplant hatte. „Wir melken, füttern, selektieren und behandeln die Kühe im Zeitfenster von morgens 5:30 Uhr bis 7 Uhr und abends von 16:30 bis 18:30 Uhr. Dann sind wir im Stall fertig und können uns um andere Arbeiten kümmern“, sagt der Betriebsleiter. Denn die gibt es auch noch reichlich: Zur Agrar GbR gehören auch noch ein Lohnunternehmen und eine Biogasanlage mit 2,1 MW installierter Leistung. 

Klare Achsen, einfache Abläufe 

Klare Achsen, die einfache und logische Abläufe ermöglichen, waren den Bauherren beim Neubau besonders wichtig. „Ich bin gern im Stall, aber nicht den ganzen Tag. Ich will auch mal fertig werden“, bringt Hopp seine Einstellung auf den Punkt. 
Ich bin zwar gern im Stall, aber nicht den ganzen Tag. Ich will auch mal fertig werden.“
Johannes Hopp
Den Neubau hat man der Familie nicht leicht gemacht. Zuvor melkten sie 150 Kühe an der alten Hofstelle im Ort, wo heute noch das weibliche Jungvieh steht. „Wir haben mit der Planung 2015 begonnen und bis heute noch keine Schlussabnahme!“ schildert der Landwirt. Die Genehmigungsbehörde habe immer wieder etwas bemängelt, das nachgebessert werden musste. Vor allem die Brandschutz-Auflagen seien immens gewesen: „Ich musste sogar die Besucherfenster zum Karussell zunageln.“ 
Die großvolumige Fress- und Liegehalle mit Holzbindern und Sandwichdach besticht vor allem durch ihren breiten Lichtfirst und drei zentrale große Flügelventilatoren.  Das Besondere: Der 7 m breite Lichtfirst reflektiert die Strahlung, so dass sich der Stall nicht so stark aufheizt.


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