Elite Dairy Tour 2022

Die Jersey-Spezialisten: Viel Milch im Kleinformat

Familie Leurs setzt seit 30 Jahren auf Jerseys und erreicht hohe (Lebens-)Leistungen. Vor allem Futtereffizienz und Flächenknappheit sprechen für die Rasse.

Viele hellbraune Kühe stecken neugierig ihre Nase durch das Fressgitter, während wir über den Futtertisch laufen – typisch Jersey eben. Das morgendliche Melken und Füttern ist erledigt, außer uns ist niemand im Stall. Die 240-Kopf große Herde wirkt ruhig und kaum Hitze-gestresst, obwohl wir den Betrieb bei guten 30°C Außentemperatur besuchen. Bisher gibt es nur zwei kleine Ventilatoren am Strohstall, aber ein leichter Luftzug sorgt für ein angenehmes Klima im großen Boxenlaufstall. „Wir wollen zukünftig mehr Ventilatoren einbauen, aber durch die vielen offenen Wände ist es auch so in Ordnung. Und Jerseys haben sowieso nicht so schnell Hitzestress“, erklärt uns Michael Leurs.
Er und sein Vater Arno Leurs bewirtschaften den Milchkuhbetrieb in Kerken (Niederrhein) seit 2013 gemeinsam als GbR. Hier melken sie derzeit rund 240 Jerseykühe zweimal täglich im Doppel-15er Side-by-Side-Melkstand. Die Aufzucht sowie der Futterbau sind größtenteils ausgelagert. Neben der Familie gehören zwei Festangestellte, ein Auszubildender und eine 450 Euro-Kraft zum Team.

35.500 kg Abgangsleistung 

„Unser Ziel ist eine durchschnittliche Laktationsleistung von 8.000 kg Milch“, sind sich Vater und Sohn einig. Dass dieses ambitionierte Ziel mit ihrer Herde nicht gerade unrealistisch ist, zeigen die aktuellen Leistungskennzahlen. „Vor der letzten Aufstockung lagen wir bei 7.600 kg Milch im Durchschnitt, aktuell sind es rund 7.000 kg Milch mit 5,60 % Fett und 4,20 % Eiweiß“, sagt Michael Leurs. Hinzu kommt, dass ihre Jerseys nicht nur fleißig sind, sondern auch alt werden. Die Remontierungsrate liegt bei 20 %, die durchschnittliche Abgangsleistung bei 35.500 kg Milch (umgerechnet nach ECM sind es anhand der hohen Inhaltsstoffe etwa 46.000 kg Milch). „Dänemark, das Jersey-Land, liegt im Mittel bei 7.400 kg Milch, einige Betriebe erreichen dort sogar 9.000 kg Milch mit Jerseys. Das ist schon machbar“, ist sich Michael Leurs sicher.
Unsere ältesten Kühe erreichen Lebensleistungen von 10.000 kg Fett und Eiweiß. 
Michael Leurs

Betriebsspiegel 

| 240 Kühe 
| 7.000 kg Milch mit 5,60 % Fett und 4,20 % Eiweiß 
| 35.500 kg Milch Abgangsleistung (rund 46.000 kg nach ECM) 
| rund 65 Hektar Futterbau (45 ha Mais, davon 25 ha Zwischenfrucht Feldgras, 20 ha Grünland)
| ausgelagerte Jungrinder-Aufzucht in Brandenburg
| 4 Ak plus Azubi 
| Homepage: Jerseyhof Leurs 

Die Jerseys werden intensiv und eher Mais-lastig gefüttert. (Bildquelle: Simon)

In 30 Jahren von 20 auf 240 Jerseys 

Während Jerseykühe in Deutschland gerade „voll im Trend sind“, gab es bei Familie Leurs noch nie andere Kühe. Nachdem sein Vater die Milchkuhhaltung aufgegeben hatte, hat Arno Leurs 1992 mit 20 Jerseys wieder angefangen, Milch zu produzieren. Weil noch Anteile an einer Milchquote zum Betrieb gehörten, die Arno Leurs nutzen wollte, hatte er geplant, für ein Jahr Milch mit einem möglichsten hohen Fettgehalt zu produzieren. Deshalb fiel die Wahl auf Jerseys. Bei nur einem Jahr blieb es aber doch nicht. Obwohl mit Einführung der Milchquote ein hoher Fettgehalt eher von Nachteil war und Molkereien die Inhaltsstoffe erst seit 2012 honorieren, ist Arno Leurs den kleinen braunen Kühen treu geblieben und hat die Herde nach und nach vergrößert.
Nach jedem Wachstumsschritt folgte ein gewisser Stillstand, um alle Bereiche zu optimieren.
Arno Leurs 
1998 wurde ein neuer Kuhstall für 75 Kühe und 100 Stück Jungvieh gebaut, 2014 erfolgten die Aufstockung auf 160 Kühe sowie die Auslagerung der Aufzucht in Altgebäude. Mit einer Stallverlängerung konnten sie die Herde im letzten Jahr dann noch einmal um 80 Kühe auf die heutige Größe erweitern. „Die Emissionen und die Fläche begrenzen uns. Wir haben an unserem Standort jetzt alles gemacht, was möglich ist. Auf maximal 270 Kühe können wir in diesem Stall noch gehen, dafür muss aber die Gülle- und Futtersituation passen. Diese Betriebsgröße sehen wir als Optimum für einen gut organisierten und ausgelasteten Familienbetrieb“, erklärt Hofnachfolger Michael Leurs, der 2010 mit in den Betrieb eingestiegen und seit 2013 GbR-Partner ist.

Jerseys sind heute klar im Vorteil 

Weil die Rasse Jersey schon seit 30 Jahren zu Familie Leurs gehört, könnten sie sich auch heute keine anderen Kühe vorstellen. Zumal die Vorteile der Jerseys jetzt noch deutlich stärker hervorstechen als vor einigen Jahren. „Jerseykühe haben eine vergleichsweise sehr gute Futtereffizienz. Und sie erlauben uns hinsichtlich Flächenkapazität und Emissionen eine größere Kuhzahl als es mit Holsteins möglich wäre. Zuletzt ist auch die Bezahlung der Inhaltsstoffe je nach Molkerei ein wichtiges Argument, das für die Rasse spricht“, erklärt Milcherzeuger Michael Leurs. Seit 2013 liefern sie die Milch zur Molkerei Arla und liegen derzeit bei einem...


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