Elite Dairy Tour 2020

Alte Kühe am laufenden Band Plus

Dreizehn 100.000 kg-Kühe und eine Lebensleistung von 68.742 kg – auf dem Betrieb Kleemann finden sich so viele lebensleistungsstarke Kühe wie sonst kaum irgendwo. 

„Zugegeben, dieses Jahr ist ein Bomben-Jahr“, freut sich Mimke Kleemann, „es laufen nicht immer so viele alte Kühe in der Herde, aber acht Hunderttausender sind es eigentlich immer.“ Was uns im Gespräch mit Eimo, Mimke und Mena Kleemann im ostfriesischen Burhafe sofort auffällt, ist die enorme Begeisterung für ihre Milchkühe. Diese haben sie von ihren Eltern vererbt bekommen. 
Hillrich setzte gemeinsam mit seinem Bruder voll auf die Milchproduktion. Gemeinsam haben die beiden 100 Kühe in Anbindung gemolken. 1990 musste Hillrich Kleemann dann aber den elterlichen Betrieb verlassen, mit 45 Kühen siedelte er sich in Burhafe an,  errichtete 1993  den ersten Boxenlaufstall und erweiterte diesen 2004 nochmals auf 110 Kuhplätze. 2007 wurde in einen Jungviehstall investiert, 2011 in einen Stall für die Trockensteher. 2019 wurde dann der Kuhstall um 120 weitere Plätze ergänzt, so dass jetzt 180 Kuhplätze für melkende Kühe vorhanden sind.
- 160 Kühe 
- 12.128 kg 
- 160 Hektar 
- 4 Voll-Ak (nur Familienmitglieder)

Familie Kleemann (von links); Mimke, Mena, Mutter Sandine und Heimo Kleemann.  (Bildquelle: Veauthier)

Aktuell werden aber erst 165 Kühe gemolken, denn die Aufstockung erfolgt langsam, ausschließlich aus eigener Nachzucht. „Wir behalten nur die besten Färsen“, erläutert Mimke. 100 Färsen werden denn auch jedes Jahr auf der Auktion in Leer und rund 35 Deckbullen ab Hof vermarktet. Das gelingt, da die Kleemanns auf gesextes Sperma setzen. Alle Rinder sowie 50 % der Kühe werden zur ersten Besamung gesext besamt.

Das Geheimnis der hohen Lebensleistungen

Der Herdendurchschnitt beträgt aktuell 12.128 kg Milch! Vor dem Hintergrund der ganztägigen Weidehaltung erscheint uns das Leistungsniveau noch beeindruckender. Hinzu kommt, dass noch 13 Hunderttonner (100.000 kg Kühe) und 40 Kühe mit über 80.000 kg in der Herde laufen. Das Geheimnis hoher Lebensleistungen beruht vor allem der ungewöhnlichen Zuchtphilosophie der Kleemanns: Es werden gerne alte bewährte Bullen eingesetzt, deren Zuchtwerte oft ein dickes Minus aufweisen. Bei Färsen wird darauf geachtet, dass sie nicht zu schnell starten, sondern dass sie von Laktation zu Laktation zulegen.
Wichtig ist, dass die Kühe körperliche Reserven haben. Mit Weide können wir nicht alles ausfüttern.
Mimke Kleemann
„Wir wollen Kühe, die Körper mitbringen, Rippe und Tiefe, keine großen Kühe, mit langen Beinen und wenig Bauch. Diese werden nicht alt, so Eimo Kleemann, „derart magere Kühe passen einfach nicht in unser System.“ Als ideal sehen es die Geschwister an, wenn die jungen Kühe mit 9.000 kg Milch die ersten Laktation absolvieren und dann nachfolgend ihre Leistung steigern, auf bis zu 14.000 kg in der vierten Laktation.
Bei der Anpaarung wird besonders auf Körper, Exterieur insgesamt und Kuhfamilien geachtet. Auch Fruchtbarkeit ist ein wichtiger Parameter. Für die Anpaarung wird mittlerweile auch das Triple-A-System genutzt. „Wir züchten nicht auf Färsen, die 40 oder 45 Liter geben, wenn die 35 Liter melken ist das voll in Ordnung. Die Jungkühe, die ganz viel Milch geben, verkaufen wir meistens. Wichtig ist uns eine hohe Persistenz, Färsen die mit 35 Liter anfangen und mit 30 Liter am Ende ihrer ersten Laktation aufhören. Solche Tiere sind meist nicht über dem Limit“ ergänzt Mimke, der jüngere der beiden Brüder.
„Die 11.000 kg-Färse wird oft nicht die 14.000 kg Kuh.“
Mimke Kleemann
Auf die genomische Typisierung legen sie keinen Wert. „Gute, alte 100.000 Liter-Kühe sind nach Zuchtwerten fast immer uninteressant, auch in punkto Zuchtwert Nutzungsdauer“ wundert sich Mena Kleemann, die jüngste der Geschwister. „Das System rechnet solche Kühe einfach schlecht … warum auch...


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