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Traineeprogramm für Herdenbetreuer

Was macht man, wenn man keine Leute für's Herdenmanagement findet? Man bildet sie sich selber aus! Das ist die Idee einer Gruppe junger Landwirte aus Norddeutschland, die ein Kuhtrainee-Programm ins Leben gerufen haben.

Einen Junglandwirte- bzw. Hofnachfolger-Arbeitskreis wollten die 12 LandwirtInnen und vier Nachwuchskräfte (Herdenmanagement-Berater, Agrar-Banker, Steuerfachmann, Journalistin) bilden, aber bitte nicht im "klassischen" Sinne: Gemeinsame Betriebsrundgänge und Problembesprechungen für die Betriebe gibt es zwar auch, aber eher nebenbei. Viel lieber möchten die jungen Leute, die in mittelgroße und große Milchkuhbetriebe hereinwachsen, an einer Lösung für ihr drängendstes Problem arbeiten: den Fachkräftemangel. Denn auf vielen Betrieben fehlen Führungskräfte im Mittelbau, die Routinearbeiten ausführen, Mitarbeiter einweisen und auch einmal Entscheidungen abnehmen können ("Herdsman/-woman").

Attraktiver Arbeitgeber sein

Allzu oft überwiegen die Vorurteile bei potenziellen Arbeitskräften: Die Arbeit im Kuhstall sei dreckig, unstrukturiert und sowieso habe man niemals frei. Dass es in modernen Milchkuhbetrieben häufig schon anders aussieht, ziehen viele gar nicht erst in Betracht. Deswegen ist die Idee entstanden, gelernte Landwirte und motivierte Quereinsteiger ein Jahr lang in der Herdenbetreuung und im Management fortzubilden und sie den Alltag auf den Betrieben miterleben zu lassen. "Zum einen sind wir alle unter 30 und haben große Lust, unser Wissen über Kühe weiterzugeben", sagt zum Beispiel Jan-Hendrik Schuldt. Christin Wilkens ergänzt: "Dazu erhoffen wir uns, dass wir den Trainees auf einem unserer Betriebe im Anschluss einen unbefristeten Job anbieten dürfen."

Durch die Fortbildung und die praktische Arbeit wollen die Hofnachfolger die Vorteile einer Tätigkeit im Herdenmanagement herausstellen: der Umgang mit den Kühen, die abwechslungsreiche Arbeit mit Eigenverantwortung, trotzdem Struktur und Teamwork. Dadurch, dass die Betriebe Herdengrößen zwischen 200 und 800 Kühen vorweisen, sollen die Trainees besonders vielfältige Eindrücke gewinnen können.

Vier Blöcke á drei Monate

Das Traineeprogramm dauert ein Jahr, der erste Durchgang beginnt am 1.8.2019. Die Trainees verbringen auf vier der 12 Betriebe jeweils drei Monate. Jeder Dreimonatsblock steht unter einem bestimmten Motto:

  • Block 1: Versorgung von Kuh und Kalb zur Geburt und Behandlung der Frischabkalber, Klauenpflege
  • Block 2: Melken, Melkroutinen und Eutergesundheit
  • Block 3: Futterrationen beurteilen, Fütterung im Betrieb kontrollieren und optimieren; Herdenmanagementprogramme und die Erfolgskontrolle über die Herde; Besamungskurs
  • Block 4: Kälberaufzucht und -haltung, Kälberkrankheiten, Jungviehfütterung Grundlagen der Mitarbeiterführung, Kommunikation innerhalb des Betriebes

Zu Beginn jedes Blocks gibt es eine externe Fortbildung zu dem jeweiligen Thema. Anschließend wird der Trainee auf "seinem" Betrieb schwerpunktmäßig in diesem Bereich eingesetzt, um das Gelernte in der Praxis anzuwenden.

Die Trainees erhalten ein Gehalt sowie Kost und Logis. Kommt es nach dem Traineeprogramm zu einer Anstellung auf einem der Betriebe, werden die Kosten der Ausbildung komplett übernommen. Findet der Trainee anderweitig eine Beschäftigung oder geht vor Ablauf einer Zweijahresfrist, müssen die Ausbildungskosten anteilig zurückgezahlt werden.

Kreative Werbebotschaft

Um auf das Projekt aufmerksam zu machen, hat die Gruppe extra ein Video aufgenommen und über die sozialen Netzwerken verbreitet. Mit Erfolg! In den ersten 14 Tagen wurde es bei Facebook bereits mehr als 60.000 mal angesehen. Bald sollen erste Vorstellungsgespräche folgen.

Weitere Informationen zu Inhalten und Bewerbung gibt es unter www.kuhtrainee.de.

Ähnliche Angebote gibt es für Studienabsolventen (Dairy Trainee) oder bei Ausbilder Sönke Holling (Fokus Elite 1/19).

Quelle: Kuhtrainee, Hofnachfolger-Arbeitskreis des Beratungsrings Hagen-Stubben