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Ursachen für die miserablen Kälberpreise

Preise von derzeit etwa 56 € für ein schwarzbuntes Bullenkalb in guter Qualität sind nach Angaben von Dr. Frank Greshake von der Landwirtschaftskammer NRW viel zu wenig. Und für weibliche Kälber forderten die ersten Vermarkter angeblich "Abholgebühren". Als Ursachen für die schwierige Lage am Kälbermarkt nennt Greshake, dass der Markt für Kalbfleisch seit Monaten stark unter Druck stehe. Zu viele Kälber und zu wenig Nachfrage. In den Niederlanden, dem Hauptabnahmeland für Mast-Kälber aus Deutschland, gab es im April erstmals über 1 Mio. Kälber. Jetzt würden dort in etlichen Mastbetrieben vier bis fünf Wochen Leerstände gefahren, um den Markt zu stabilisieren. Heißt: die im Mittel der Jahre durchschnittlich 9.000 bis 10.000 Kälber, die pro Woche aus Deutschland in die Niederlande gehen, finden weniger Platz.

Ergänzung durch Redaktion Elite: Die Zahl an Milchkühen in Deutschland und damit die Zahl an Kälbern ist in den vergangenen Jahren stabil bzw. rückläufig (-2,4% auf 4,07 Mio. Kühe in 2018), siehe "So wenig Kühe und Melker wie nie zuvor!". Anders dagegen in Irland: Die Milcherzeugerbetriebe expandieren und die wachsenden Kuhzahlen (+3,7% auf 1,2 Mio. in 2018) plus die verbreitete Saisonabkalbung bringen steigende Kälberzahlen mit sich (siehe "Irland: Wohin mit den vielen Bullenkälbern?"). Diese werden vermehrt in die Niederlande verkauft. So wurden dieses Jahr im März, Hauptabkalbezeit in Irland, in der Spitze rund 8.300 irische Kälber pro Woche (KW 13/2019) in die Niederlande vermarktet. In 2018 waren es in der Spitze rund 4.600 Kälber pro Woche (KW 10/2018), in 2017 rund 4.200 Stück (KW 10/2017) und in 2016 noch rund 3.400 Stück pro Woche (KW 12/2016).

Zusätzlich drücke laut Dr. Frank Greshake die wachsende Zahl an Kreuzungskälbern auf den Preis für die HF-Kälber, aber auch die Preise für die Kreuzungskälber selbst litten unter der Marktsituation. Die Regelungen zum Vorkommen des Blauzungenvirus in Deutschland schränken die Vermarktung zusätzlich ein: die Regelungen zum Impfstatus in den süd-westlichen Restriktionsgebieten erlaubten kaum einen Verkauf der Kälber innerhalb des Bundesgebiets, ein Blutnachweis reiche jedoch, um die Kälber ins Ausland auszuführen. Der Fresser- und Endmastmarkt in Deutschland stehe aufgrund der Rindfleischpreise und dem wachsenden Angebot von Rindfleisch aus dem Ausland (u.a. Irland, USA, Patagonien, Australien) gleichzeitig unter Druck. Die Mastbetriebe überlegten teilweise, ob sie aufstallen oder erstmal abwarten sollen. Diese Entscheidung stehe auch unter dem Einfluss der anstehenden Silomaisernte; die Trockenheit führt in vielen typischen Mastregionen zu geringeren Erträgen.

Quelle: Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (36/2019), eigene Recherche