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Warum die Gesundheitszuchtwerte eine Chance sind

RZ - das steht laut Anpaarungsberaterin Veronika Lammers für "Richtig Züchten". Sie erläuterte die praktische Arbeit mit den neuen RZGesundheitszuchtwerten und deren Mehrwert gegenüber den ähnlichen Relativzuchtwerten beim VOST-Züchterinnenabend.

Mit der Zuchtwertschätzung im April 2019 wurden erstmals direkte genomische Gesundheitszuchtwerte für Holsteinrinder ausgewiesen. Diese neuen Gesundheitszuchtwerte zeigen auf, welche Vererber widerstandsfähige Nachkommen hervorbringen. Und das sogar mit einer ziemlich hohen Sicherheit für Merkmale, die viel stärker durch die Umwelteinflüssen der Kühe beeinflusst werden, als durch die reine Genetik. Die Sicherheit des Gesamtzuchtwertes RZGesund beträgt 57%, die der vier Merkmalskomplexe, aus denen er sich zusammensetzt, liegen ebenfalls alle über 50%: RZEuter mit 61%, RZKlaue mit 50%, RZRepro mit 52% und RZMetabol mit 55%. Die hohen Sicherheiten hinter den genomischen Zuchtwerten sind der großen Lernstichprobe dahinter zu verdanken. Denn diese beinhaltet die Gendaten von über 100.000 Kühen sowie den, nach festen Schlüsseln, für jede dieser Kühe von ihren Besitzern erfassten Informationen zum Auftreten von Klauenerkrankungen, Stoffwechselbehandlungen, Euterentzündungen sowie Fruchtbarkeitsleistungen. Zusätzlich flossen die Informationen aus den MLP-Abgangsmeldungen aus den vergangenen 20 Jahren ein. Dass entspricht etwa nochmal Daten von 648.000 Kühen, erläuterte Veronika Lammers (Anpaarungsberatung) vom VOST Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter im Rahmen des VOST-Züchterinnenabend, der Ladies Night (Bericht hier). Im weiteren Verlauf ihres Vortrags ging sie insbesondere darauf ein, welchen Mehrwert die züchterische Arbeit mit den neuen Gesundheitszuchtwerten gegenüber ihren ähnlichen Relativzuchtwerten leisten kann.

Es stecken die tatsächlichen Krankheitsereignisse dahinter

RZEuterfit vs. RZsomatische Zellzahl: Zucht auf Mastitisresistenz

Während für den "alten" RZS, der bisher als Hauptkriterium für die Zucht auf gesunde Euter herangezogen wurde, nur die Zellzahlergebnisse aus der Milchleistungsprüfung als Merkmal für die Zuchtwertschätzung verwendet wurden, stecken hinter dem RZEuterfit Informationen zu echten Mastitisereignissen. Beachtet man diesen Zuchtwert in der Anpaarung (Vererberinformation) kann sich das Auftreten von Mastitis ganz gezielt verringern lassen - langsam, aber sicher! Liegen zusätzlich genomische Zuchtwerte für das weibliche Tier vor (durch Genotypisierung), erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von weiblichen Nachkommen, die sehr Widerstandsfähig gegen das Auftreten von Euterinfektionen sind. Das gilt im übrigen für alle Zuchtmerkmale.

Ein erstrebenswertes Ziel, denn die Kosten für eine klinische Euterentzündung in der Frühlaktation werden pro Tier mit 400 bis 600 € an Behandlungskosten, Milchgeldverlust etc. beziffert. Eine subklinische Mastitis schlägt mit bis zu 200 € je Tier zu Buche.

RZKlaue vs. RZFundament: Zucht auf gesunde Klauen

Der RZKlaue ermöglicht eine direktere Zucht auf tatsächlich gesündere Klauen, denn auch hinter ihm stehen echte Klauenbefunde. So werden in ihm das Auftreten von Klauenerkrankungen wie Mortellaro (DD Control), Limax oder Klauengeschwüre etc. berücksichtigt. Der zuvor auch für die Klauengesundheit herangezogene Fundamentzuchtwert hingegen basiert "lediglich" auf der linearen Fundamentbewertung für Kühe bei der Exterieureinstufung im Stall.

Auch neue Kuhgenerationen mit gesünderen Klauen sind wünschenswert, schließlich verursachen Klauenerkrankungen den Kühen Schmerzen und Lahmheit, diese kostet dem Milchkuhhalter Milchleistung und einen erhöhten Arbeitsaufwand durch Behandlungen der Kuh im Klauenpflegestand. Und anfällige Klauen bleiben anfällig, das weiß jeder Rinderhalter.

RZRepro vs. RZReproduktion (RZR): Verbesserte Fruchtbarkeits-Gesundheit

Der neue Fruchtbarkeitszuchtwert hilft insbesondere dabei, gegen frühe Fruchtbarkeitserkrankungen zu züchten, wie Nachgeburtsverhaltung, Metritis und Endometritis. Hier wird also mehr die Gesundheit des weiblichen Fortpflanzungstraktes kurz nach der Abkalbung fokussiert. Beim RZR hingegen wird die Konzeption und der Rastzeit berücksichtigt und damit eher der spätere Zeitraum nach der Abkalbung. Veronika Lammers empfiehlt den neuen RZRepro zur züchterischen Bearbeitung von frühen Problemen (nach Abkalbung) und den RZR zur Zucht gegen spätere Zyklusstörungen (Zysten).

RZMetabol - eine völlig neue Chance

Der neue Stoffwechsel-Zuchtwert ist eine Besonderheit, denn bislang gab es kein vergleichbares Hilfsmittel. Für ihn werden erfasst Milchfieber, Ketose und Labmagenverlagerung. Die Datengrundlage des RZ Metabol wird sich in den kommenden Jahren noch wesentlich vergrößern, so dass die Sicherheit dieses genomischen Zuchtwertes in Zukunft noch weiter ansteigen wird.

Mehr Erfahren Sie auch in dem Artikel "Auf Gesundheit züchten" aus der Elite 3/2019 und auf der Website www.richtigzuechten.de!