Neue Wege in der Milchfieberprophylaxe

Eine kalziumarme Fütterung vor der Kalbung ist immer noch die beste Milchfieberprophylaxe. Besonders in grasreichen Rationen ist aber ein deutliches Absenken des Kalziumgehaltes nur schwer möglich. Deshalb setzen einige Milcherzeuger Kalziumbinder ein, die die Aufnahme im Darm reduzieren soll.

Die Gefahr für Kühe an Milchfieber zu erkranken, nimmt mit hohen Leistungen und steigender Laktationsanzahl deutlich zu. Um dieser Stoffwechselerkrankung vorzubeugen, sollte man die Kühe in den letzten zwei Wochen der Trockenstehzeit kalziumarm füttern (verbesserte Resorption im Darm, Mobilisation im Knochen). Hierbei sollte der Kalziumgehalt im Idealfall unter dem Bedarf der Trockensteher (30 bis 40 g Ca/Tag) liegen. Dieser Wert wird aber in den meisten Rationen überschritten, da die Grobfuttermittel (außer Mais) über hohe Ca-Anteile verfügen. In der Praxis kommen deshalb seit kurzer Zeit zwei Futterzusätze zum Einsatz, die sich an das Futterkalzium anhängen und damit eine Aufnahme im Darm verhindern sollen.
Zeolith A
Zeolith A (Natriumaluminiumsilikat) ist ein Kalziumbinder, der ausschließlich in den letzten zwei Wochen vor der Kalbung mit einer täglichen Dosis von 250 g/Tier verfüttert wird. Diese Dosierung muss in jedem Fall eingehalten werden, da höhere Gaben die Futteraufnahme negativ beeinflussen (Übersicht 1). So konnte in einem Versuch an der Universität Leipzig nachgewiesen werden, dass ein Zeolith-Einsatz von mehr als 300 g/Tag/Tier (siehe Versuch: 43 g/kg TM) die Futteraufnahme deutlich reduzieren kann. Die Wissenschaftler entwickelten daraus eine Einsatzempfehlung von ca. 230 bis 250 g/Tag/Tier. Aber auch zu geringe Zeolith A-Gaben bleiben ohne Wirkung.
Milchfieberprophylaxe

(Bildquelle: Elite Magazin)

Bei der Fütterung dieses Futter-Zusatzes muss zudem auf das Zeolith A/Kalzium-Verhältnis (g Zeolith/g Kalzium) geachtet werden. Um eine effektive Prophylaxe gewährleisten zu können, sollte dieses Verhältnis bei 6:1 bis 10:1 liegen. Bei einer täglichen Zeolith-Gabe von 250 g kann dann die zusätzliche Kalziumaufnahme über das Futter 25 bis 41 g betragen. Bei sehr grasbetonten Rationen kann dieser Kalziumgehalt jedoch überschritten werden, das Zeolith/Kalzium-Verhältnis wird dann zu eng. Der Kalziumbinder kann in diesem Fall dann nur noch begrenzt wirken.
Hinzukommt, dass Zeolith A auch Magnesium und Phosphor binden kann. Eine ausreichende Versorgung mit Mg und P darf beim Zeolith-Einsatz deshalb nicht außer Acht gelassen werden.
Reiskleie
Auch Reiskleie bzw. die in ihr enthaltene Phytinsäure kann Kalzium (7 g Ca/kg Reiskleie) binden. Dieser Phytatkomplex wird aber normalerweise in den Vormägen der Kühe abgebaut. Eine ausreichende Kalziumbindung erreicht man deshalb nur mit pansengeschützter Kleie. Zudem muss diese Reiskleie selbst auch kalziumarm sein. Der Vorteil der Reiskleie ist, dass sie sich nicht negativ auf die Futteraufnahme auswirken soll. Die kalziumarme, pansengeschützte Reiskleie kann mit 3 kg (Bindung von 20 g Kalzium) eingesetzt werden.
Fazit
Die beiden Kalziumbinder werden bisher in der Praxis nur sehr wenig eingesetzt. Über eine weitreichende Erfahrung verfügt die Beratung deshalb noch nicht. Fest steht jedoch, dass beim Einsatz von Zeolith A eine tägliche Gabe von 250 g/Tier (zwei Wochen vor der Kalbung) nicht überschritten werden sollte. Das g Zeolith/ g Kalzium-Verhältnis sollte zwischen 6:1 und 10:1 liegen. Auch Reiskleie kann als Kalziumbinder eingesetzt werden. Sie sollte kalziumarm und pansengeschützt sein und kann mit 3 kg/Tag verfüttert werden.
Quelle: Dr. Katrin Mahlkow-Nerge, LWK Schleswig-Holstein