EuroTier-Vorschau

Echte Innovationen im Kälberbereich

Insgesamt drei Produkte aus dem Kälberbereich erhalten bei der EuroTier eine Medaille. Dabei steht u.a. die Verbesserung der Hygiene im Fokus.

Früher oft als Stiefkind behandelt, gewinnt die Kälberhaltung immer mehr an Bedeutung. Denn nur Kälber die gesund und mit hohen Tageszunahmen durch die Aufzucht kommen, werden später zu leistungsstarken Kühen. Die Hersteller haben deshalb auch zur aktuellen EuroTier wieder einige innovative Produkte auf der Vorpressekonferenz vorgestellt.

Silber: Alles keimfrei mit UV-C Licht

Der Hersteller Urban hat sich in diesem Jahr vor allem der Hygiene im Kälberbereich gewidmet. Ab dem nächsten Jahr bringt das Unternehmen das Alma Pro HygieneSetUV-C auf den Markt. Hierbei soll durch eine Bestrahlung des Nuckels bzw. des Wasserboilers  mit UV-C-Licht der Keimgehalt ohne die Nutzung von Desinfektionsmitteln deutlich reduziert werden (siehe Foto). Bei der Bestrahlung mit UV-C handelt es sich um eine Technologie, die bereits u.a. in der Lebensmittelindustrie und im Laborbereich zur Desinfektion zum Einsatz kommt. Die UV-C Strahlung wirkt direkt auf das Erbgut der Zelle (Keime). Laut Hersteller sollen so 90% der Keime abgetötet werden. Die beiden UV-C Strahler sollen erst dann eingeschaltet werden (aus Sicherheitsgründen), sobald das Kalb das Trinken beendet und den Strahlungsbereich verlassen hat. 
Auch die Boilereinheit des Alma Pro HygieneSetsUV-C soll alle im Wasser und am Innenrand des Boilers vorhandenen Keime abtöten. Die Hygieneeinheit soll künftig nachrüstbar sein.
Die Technik der UV-C-Bestrahlung soll auch bei der Hygienisierung von Kälberiglus eingesetzt werden können. Bei dem EcoProtectorUV-C von Urban handelt es sich um ein Heckanbaugerät für das MilkShuttle. Das Anbaugerät beinhaltet vier leistungsstarke UV-C Röhren, welche über die Bordelektrik des MilkShuttles mit Spannung versorgt werden. In horizontaler Anbauposition können Bodenflächen desinfiziert werden. Es können aber auch die Iglu-Innenwände desinfiziert werden. Dazu wird der EcoProtectorUV-C vertikal angebaut und direkt an der Igluöffnung platziert.

Silber für elektronischen Brix-Refraktometer-Sensor: Gleichmäßige Tränkmilch-Qualität

Mit dem im Tränkeautomaten (CalfExpert) integrierten Brix-Refraktometer-Sensor (Brix-TS, Holm und Laue) kann der Trockensubstanz-Gehalt (TS) in der Kälbermilch künftig automatisch bestimmt werden. Passt der gemessene TS-Gehalt nicht mit den vorgegebenen Zielwerten überein, wird die darauffolgende Mischung nachjustiert. So soll eine gleichbleibende Zusammensetzung der Tränke und damit auch die gewünschten Tageszunahmen erreicht werden. Auch eine schwankende Zusammensetzung der Vollmilch soll mit dem Brix-TS über eine exakte Zugabe von Milchaustauscher ausgeglichen werden können.

Mit dem Brix-Refraktometer-Sensor soll die Zusammensetzung der Tränkemilch permanent nachjustiert werden. (Bildquelle: Werkbild)

Einzelhaltung: Animal Welfare Award für Frühwarnsystem für Kälberkrankheiten 

Das Calf Monitoring System der Firma Futuro Farming soll Krankheiten noch vor dem sichtbaren Ausbruch erkennen. Die Sensoren werden dazu ab dem ersten Lebenstag an die Kälberhütten/-iglus angebracht, die dann das Verhalten (über Infrarotsensoren) aufzeichnen sollen. Die Daten werden auf dem Server mit einem Algorithmus ausgewertet und krankheitsanfällige Kälber herausgefiltert. Der Milcherzeuger erhält dann eine Warnliste per App auf sein Smartphone. Die Lebensdauer der Akkus in den Sensoren soll laut Hersteller ca. vier bis sechs Jahre betragen. Künftig sollen auch Schnittstellen zu anderen Herdenmanagement-Programmen erstellt werden.

Das Calf Monitoring System der Firma Futuro Farming soll Kälberkrankheiten auch in der Einzelhaltung frühzeitig erkennen. (Bildquelle: Werkbild)

Kälber in der Doppelbox können jetzt auch automatisch gefüttert werden

Mit dem neuen CalfRail Duo können zwei Kälber, die sich in der selben Box/im selben Iglu befinden, parallel gefüttert werden. Diese Aufzucht ermöglicht die Ausbildung früher sozialer Kontakte. Das System versorgt die Kälber vollautomatisch bis zu acht Mal am Tag mit frisch zubereiteter Tränke. Die integrierten Schlauchpumpen sollen auch den kleinsten Kälbern eine problemlose Tränkeaufnahme ermöglichen. Die abgerufene Tränkemenge wird paarweise ermittelt. Gesteuert wird das CalfRail Duo über den Tränkeautomaten Vario smart. Bis zu 64 Kälber können mit einem CalfRail Duo gefüttert werden, pro Tränkeautomat sind zwei Einheiten möglich.

Mit dem CalfRail DUO werden zwei Kälber gleichzeitig versorgt. (Bildquelle: Werkbild)

Saubere Kannen, saubere Biestmilch

Nur wenn die Milchkannen im Melkstand sauber sind, bleibt auch die Biestmilch weitestgehend keimfrei. Um dies besser gewährleisten zu können, hat die Firma Holm und Laue eine Milchkannen-Halterung für den Melkstand auf den Markt gebracht, die das Spülen erleichtern soll. Die Halterung wird an die Melkgrubenwand gehängt, in die die Milchkannen auf den Kopf gedreht eingehängt werde. Mit einem zusätzlichen Schlauch wird die Kanne an die Melkstandspülung angeschlossen. Während der Melkstandreinigung sprüht das Spülwasser in die umgedrehte Milchkanne und soll diese gründlich reinigen. Die Kosten sollen 89,00 € (zzgl. MwSt.) betragen.

Milchkannen werden mit der automatischen Melkstandreinigung gewaschen. (Bildquelle: Werkbild)

Das meint die Redaktion

Auch auf der kommenden EuroTier setzt sich der Trend fort, dass ein deutlich größeres Augenmerk auf die Kälberhaltung und die Gesundheit der jungen Tiere gelegt wird. Das ist ein wichtiges Signal. Dies soll u.a. durch eine verbesserte Hygiene und eine garantierte Tränkequalität erreicht werden. Gefallen hat uns dabei auch, dass bei der „Hygiene-Lösung“ der Firma Urban nach Wegen gesucht wird, auf den Einsatz von Desinfektionsmitteln zu verzichten.
Weitere neue Produkte, die auf der EuroTier-Vorpressekonferenz vorgestellt wurden finden Sie in in den Artikeln Haltung und Management vereinfachen und Fütterung: Aminosäuren unter der Lupe.

EuroTier: Digital im Februar

Die kommende EuroTier wird vom 9. bis 12. Februar 2021 ausschließlich digital stattfinden. Dabei soll neben der Vorstellung von Produkten der Aussteller auch ein Fachprogramm und Diskussionsforen stattfinden. 



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