Kuhkomfort

Bequem und komfortabel muss es sein!

Der  Kuhkomfort muss entsprechend der Milchleistung „mitwachsen“! Eine stetige Optimierung der Haltungsbedingungen ist ein Muss!

Der Arbeitstag von Kühen ist in den letzten Jahren deutlich stressiger geworden. Höhere Milchleistungen verlangen höhere Futteraufnahmen und somit längere Fresszeiten. Das geht unter anderem zu Lasten der Liegezeit. Wenn die Kühe weniger als zehn Stunden pro Tag liegen, gibt es Gesundheitsprobleme. Deshalb sind Zeitfresser wie lange Treibwege, Überbelegung oder lange Wartezeiten vor dem Melken zu vermeiden.
Großzügige, ausreichend belüftete Ställe sind denn auch Voraussetzung für eine lange Nutzungsdauer der Kühe. Ein Maximum an Kuhkomfort erlaubt es den Kühen, ihre genetischen Potenziale abzurufen und langfristig hohe Milch- und Fruchtbarkeitsleistungen zu erbringen. Investitionen in Kuhkomfort rechnen sich sehr schnell durch eine längere Nutzungsdauer.
Eine ständige Optimierung der Haltungsbedingungen ist die Grundvoraussetzung, um bei steigendem Leistungspotenzial die Tiergesundheit zu erhalten. Der  Kuhkomfort muss mit der Milchleistung „mitwachsen“!

Liegeboxen großzügig auslegen

In den Liegeboxen sollten die Kühe täglich mindestens 12 Stunden ruhen. Daher sollten sie so gestaltet sein, dass die Kühe sie gerne aufsuchen. Beobachten Sie einmal die Kühe etwas genauer, um Schwachstellen zu erkennen:
  • Liegen die Kühe mit angewinkeltem Kopf schräg in der Liegebox?
  • Reichen Hüftknochen oder Beine in anliegende Boxen?
  • Sind die Kühe verschmutzt?
  • Koten die Kühe beim Liegen in die Liegeboxen anstatt dahinter?
  • Entdecken Sie an den Sprunggelenken der Kühe vermehrt kahle Stellen oder Schwellungen?
  • Verbringen die Kühe mehr Zeit im Stehen als im Liegen?
Wenn Sie die meisten der Fragen mit „Ja“ beantworten, dann gilt: Ausbessern! Großzügig anlegen Die Liegefläche sollte an die Körpermasse angepasst sein. So braucht z. B. eine alte Kuh mehr Platz als eine Färse, die nicht ausgewachsen ist. Liegen Kühe schräg oder überragen in anliegende Boxen, werden diese Boxen von anderen Kühen seltener genutzt. Größere Liegeboxen führen außerdem zu längeren Liegezeiten, ebenso breitere Liegeflächen. Beides kann Lahmheiten reduzieren. Finden Sie an den Sprunggelenken vermehrt kahle Stellen oder Schwellungen, weist das auf unzureichende Einstreu hin! Denn: Beim Aufstehen und beim Ablegen muss die Kuh gestützt werden und darf nicht ausrutschen. Dafür ist weiche Einstreu wichtig, damit die Klaue gut einsinken kann. Wichtig ist auch ein gleichbleibendes Einstreulevel. Löcher und Dellen sollten regelmäßig eingeebnet werden.

Bloß keine Bugbretter

Sind Kühe stark verschmutzt, dann sind die Boxen möglicherweise zu lang. Eine Bugschwelle kann helfen, die Box im Kopfbereich zu begrenzen. Aufrecht stehende Bugbretter sollten Sie jedoch unbedingt vermeiden! Diese beinträchtigen das natürliche Verhalten, da die Kühe weder beim Aufstehen nach vorne schwingen können noch beim Abliegen das Bein nach vorne ausstrecken können. Besser geeignet sind Bugschwellen: abgerundete Schwellen im Kopfbereich der Liegeboxen in einer Länge von etwa 20 cm, die um 9 cm nach vorne ansteigen. Diese Neigung ermöglicht den Kühen flexible Positionierungen und ein Aufstehen ohne Behinderungen.

Kühe dürfen nicht rutschen! 

Eine gute Klauengesundheit der Herde ist Voraussetzung für hohe Milchleistungen. Daher gilt für alle Bereiche im Stall: Um Verletzungen und Traumen zu vermeiden, sollte der Boden überall rutschfest und verletzungssicher gestaltet sein. Suchen Sie danach den Stall ab! Der Boden sollte eben und ohne Stolperfallen und Kanten sein, genügend Griffigkeit haben und nicht zu glatt sein. Außerdem sollte die Oberfläche nicht zu hart sein, da sonst der Klauenabrieb sehr hoch ist. In den verschiedenen Stallbereichen haben Kühe unterschiedliche Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit:
Laufgänge und Übergänge: Hier sind Kühe viel unterwegs, daher eignen sich sowohl (planbefestigter) Beton- als auch Gummiboden. Rutschen die Kühe auf Beton oft aus, können Rillen mithilfe von Betonschneidern in den Boden gefräst werden. Diese können die Griffigkeit verbessern und das Ausrutschrisiko reduzieren. Dafür eignen sich Rillen in Abständen von 8,25 cm. Die Rillen sollten dabei 1,9 cm breit und 1,3 cm tief sein. Auch kleinere Rillen eignen sich gut. In Bereichen, in denen Kühe scharfe Drehungen machen, z. B. vor und auf den Übergängen, empfehlen sich kreuzende Rillen (Karomuster). Dadurch werden die Böden für die Kühe noch griffiger! Spaltenböden hingegen bergen die Gefahr von Verletzungen durch Ausrutschen und sind daher eher ungeeignet.

Gummi nimmt Druck von den Klauen

(Bildquelle: Berkemeier)

Gummibeläge eignen sich für Treibewege, besonders für lahme Kühe: Auf Gummiböden rutschen Kühe weniger, machen längere und weniger Schritte und erhöhen die Laufgeschwindigkeit (im Vergleich zum Betonboden). Bei Laufgängen mit Gummibelägen sollten Sie unbedingt auf einen gepflegten Zustand der Liegeboxen achten: Sind die Liegeboxen unbequem, bleiben die Kühe lieber auf dem Gummiboden stehen als sich hinzulegen. Bringen Sie also zuerst die Liegeboxen in Ordnung, bevor Sie in Gummibeläge investieren!
Fressgang und Wartebereich: Hier stehen die Kühe viel, Gummibeläge nehmen hier etwas Druck von den Klauen. Wenn der Boden im Wartebereich zu glatt wird, kann man ihn mithilfe von Gummiauflagen sanieren. Dabei ist weiches dickes Gummi wichtig, sodass Kühe mit ihren Klauen tief einsinken und gut Halt finden. Besonders bei Gefällen ist dieses Einsinken der Klauen ins Gummi für den sicheren Stand wichtig. Hier sind Betonböden ungeeignet, da der Hornabrieb hoch ist.
Im Transitbereich benötigen die Kühe vor allem Ruhe und möglichst wenig Störung. Für die Laufwege im Transitbereich eignen sich einfache Gummibeläge. Sie reduzieren das Risiko für Klauenverletzungen und bieten bequeme Lauf- und Stehflächen.
Hier finden Sie einige Tipps, mit deren Hilfe Sie den Kuhkomfort im Stall beurteilen können:
Liegeboxen
■ Kühe können ihre Vorderfüße ausstrecken.
■ Kühe können auf der Seite liegen, mit ungehindertem Platz für Nacken und Kopf.
■ Kühe können den Kopf zur Seite legen, ohne an Bügel zu stoßen.
■ Kühe können mit Füßen, Euter und Schwanz komplett in der Box liegen.
■ Kühe stehen bzw. liegen ohne Schmerzen und Angst vor Nackenriegel oder Trennbügel in der Box.
■ Tiefboxen bieten deutlich mehr Kuhkomfort als Gummimatten.
■ Einstreu ist hygienisch, trocken und weich (bei Einstreumaterialien wie Stroh oder Sägemehl können sich Bakterien schnell vermehren).
Laufgänge
■ Laufgänge geben ausreichend Grip.
■ Tiere sind kaum harten, abrasiven und schmutzigen Böden ausgesetzt.
■ Böden sind mit weichfederndem Gummi ausgelegt.
■ Mistschieber oder Spaltenroboter werden eingesetzt.
■ Auf planen Flächen wird Urin in Schlitzen abgeführt.
■ Keine ausgeschlossenen, „toten“ Stallbereiche.
Stallklima
■ kein muffiger Geruch im Stall.
■ Innentemperatur liegt max. 5 °C über Außentemperatur.
■ Relative Luftfeuchte liegt bei 50 bis 80 %.
■ Ab 20 °C werden Lüfter eingesetzt (Hitzestress)


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