Stoffwechsel regelmäßig überwachen

Eine groß angelegte Untersuchung auf drei größeren Milchviehbetrieben bringt es ans Licht: Die Stoffwechsel-Kennwerte von Hochleistungskühen liegen oft außerhalb des Normbereiches.

Hohe Milchleistungen bei Kühen werden immer wieder kontrovers diskutiert. Vielfach wird argumentiert, dass Leistungen von mehr als 10 000 kg Milch die Kühe zu stark belasten. Fakt ist aber, dass Leistungssteigerungen bzw. hohe Milchleistungen immer nur dann zu erhöhten Erkrankungsraten, einer schlechteren Fruchtbarkeit und damit letztlich zu einer abnehmenden Nutzungsdauer führen, wenn der Herdenmanager auf Stoffwechselentgleisungen der Hochleistungskühe nicht entsprechend (zügig) reagiert.

Abweichungen von den Normwerten treten immer dann auf, wenn die berechnete bzw. die angebotene und von der tatsächlich von den Kühen aufgenommenen Ration abweicht. Dieser Effekt ist leider in der Praxis immer wieder zu beobachten.

1315 Proben ausgewertet

Um die Versorgung mit Nährstoffen zu überprüfen bzw. fütterungsbedingte Abweichungen möglichst gering zu halten, können Informationen genutzt werden, die uns das Tier liefert:

 

  • Kontrolle der Milchinhaltsstoffe (u. a. auch Harnstoff, Aceton).
  • Körperkonditionsbewertung (BCS).
  • Ermittlung von Erkrankungsschwerpunkten und -häufigkeit.
  • Bestimmung von Stoffwechselparametern in Blut und Harn.

 

In den meisten Fällen werden Stoffwechseluntersuchungen aber erst durchgeführt, wenn bereits Probleme im Bestand auftreten. Produktionsbegleitende Stoffwechseluntersuchungen nehmen leider nur einen geringen Anteil am gesamten Untersuchungsaufkommen ein, obwohl gerade ihnen die größte Bedeutung zukommt. So lassen sich durch die regelmäßige Auswertung von Blut- und Harnproben Fütterungsfehler (z. B. Mineralstoff-, Spurenelement-, Vitamin- Mangel, zu geringe Strukturwirksamkeit der Ration) ebenso nachweisen wie fütterungsbedingte Ursachen für Leistungsdepressionen, Fruchtbarkeitsmängel oder gehäuft auftretende Erkrankungen nach der Kalbung.

 

Im Rahmen einer langfristig angelegten Studie werden seit 1999 in drei größeren thüringischen Milchviehbetrieben (265 bis 384 Kühe) systematisch Stoffwechseluntersuchungen durchgeführt. Die durchschnittliche Milchleistung der Herden liegt zwischen 7 952 kg (ökolog. Wirtschaftsweise) und 10 307 kg Milch.

 

Ziel des Versuches ist, mögliche Zusammenhänge zwischen Tiergesundheit und Milchleistung aufzuzeigen sowie vorgegebene Toleranzbereiche von Stoffwechselparametern zu überprüfen. Dazu werden aus den drei Milchviehherden monatlich klinisch unauffällige Kühe zu unterschiedlichen Laktationszeitpunkten ausgewählt. Diesen Tieren wird dann Vollblut (Halsvene) und Harn (Katheder) entnommen.

 

Die erste Probenahme erfolgt in der vorletzten Woche der Trockenperiode, also noch kurz vor der Kalbung. Die weiteren Probenahmen liegen in der ersten, zwischen der zweiten und der achten sowie zwischen der neunten und 16. Laktationswoche. Von allen untersuchten Kühen liegen Informationen zur Tiergesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung vor (MLP)....


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