Elite Dairy Tour 2020 

6.000 kg Grundfutterleistung   Plus

Trotz standortbedingter Herausforderungen und mit wenig Mitarbeitern melkt Kevin Anhamm am Niederrhein rund 230 Kühe mit fast 12.000 kg Milch. 

Familie Anhamm bewirtschaftet einen Betrieb mit rund 230 Kühe und 170 Kopf Jungvieh am dorfnahen Standort in Kamp-Lintfort. Dazu gehören 100 Hektar Nutzfläche und eine Photovoltaik-Anlage. Die oft zu geringen Erlöse und Hindernisse wie Flächenknappheit und Trockenheit machen es nicht gerade einfach, in der Region rentabel Milch zu produzieren. Die Devise von Betriebsleiter Kevin Anhamm lautet: Immer zu den besten 25% anhand der Betriebskennzahlen gehören! „In der Landwirtschaft müssen wir sehr kapitalintensiv arbeiten. Und in unserer Betriebsgröße rutscht man schnell von gut auf schlecht, wenn der Betriebsleiter mal ausfällt“, sagt Anhamm.  
Es ist mein eigener Anspruch, gut zu sein. Um sich am Markt zu halten, reicht es nicht aus, durchschnittlich zu wirtschaften. 
Kevin Anhamm 
Also: Gut sein! – Das durchschnittliche Tagesgemelk liegt aktuell zwischen 37 und 38 kg Milch mit 3,90% Fett und 3,55% Eiweiß. Zahlreiche 100.000 kg-Kühe, eine Remontierungsrate von 22% und eine Milchleistung der Abgangskühe von 52.000 kg zeigen, dass die Anhamm-Herde durch viele lebensleistungsstarke Kühe geprägt ist. 
Die Kühe werden im Schnitt 2,9 bis dreimal täglich von vier Lely-Melkrobotern gemolken. Die Zellzahl hat sich zwischen 160.000 und 170.000 Zellen/ml eingependelt, im Sommer auch mal über 200.000 Zellen/ml. „Erhöhte“ Zellzahlen und eine nicht immer zufriedenstellende Eutergesundheit sind natürlich auch den vielen alten Kühen in der Herde geschuldet. 
- 235 Kühe 
- 11. 850 kg Milch 
- 100 Hektar 
- 3,5 Ak 

Betriebsleiter Kevin Anhamm.  (Bildquelle: Hünnies )

Den Standort bestmöglich nutzen

Der 35-jährige Betriebsleiter leitet seit zehn Jahren die Geschicke des Milchkuhbetriebs. Gestartet hat er in 2010 mit dem Bau eines Boxenlaufstalls für 200 Kühe mit AMS. In diesem Jahr wird der Kuhstall noch einmal um 18 Meter verlängert. Damit möchte er zwar auch 20 Kühe mehr melken, vor allem aber den Kühen mehr Platz bieten. Im zweiten Schritt könnte der Einbau einer fünften AMS-Melkbox folgen, die dann ausschließlich von einer separaten Färsengruppe genutzt werden soll. 
Durch den Anbau möchte ich nicht mehr Kühe halten, sondern den Kühen mehr Platz bieten. 
Kevin Anhamm 
Mit den jetzt 235 und demnächst rund 250 Kühen ist das Entwicklungspotenzial des Standortes in Kamp-Lintfort voll ausgeschöpft. Flächenknappheit, hohe Pachten und Trockenheit erschweren die Milchproduktion in der Ackerbauregion. Auch die unmittelbare Nähe zum Dorf lassen weitere Stallbau-Maßnahmen nicht mehr zu. 
Zusätzlich zu den rund 100 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet Kevin Anhamm weitere 40 bis 50 Hektar in Kooperation mit drei benachbarten Betrieben. So kann er sicher Mais zukaufen und wiederum Gülle abgeben. „Das gute Verhältnis zu den Kollegen ist uns wichtig“, erklärt der Betriebsleiter.
Aufrund der extremen Trockenheit der letzten drei Jahre haben Anhamms in 2019 in eine Beregnungsanlage investiert, die auch dieses Jahr fast durchgängig den angebauten Mais bewässert hat. In den Jahren zuvor hatten sie Anlagen von benachbarten Kartoffelbauern ausgeliehen. Die Beregnung im Mais kostet rund 250 Euro pro Hektar.  

6.000 kg aus Grundfutter, 5,4 kg Kraftfutter am AMS

Ein Schlüssel zum Erfolg ist die hohe Grundfutterleistung der Anhamm-Herde. Durch rund 6.000 kg allein aus Grundfutter wird den Kühen am Roboter maximal 5,4 kg Kraftfutter pro Tag zugeteilt. Um den Kraftfutterverbrauch möglichst effizient zu gestalten, kalkuliert Kevin Anhamm wöchentlich das Verhältnis von Kraftfutter- und Milchmenge. 
In der Ration sind unter anderem 15 kg Gras (viel Feldgras), 32 kg Mais, 9 kg Wasser und Luzerne. Luzerne wird ausschließlich selbst angebaut. Um mehr Hauptfruchtmais anzubauen soll der Luzerne-Anbau zukünftig einen Teil des Feldgrases ersetzen. „Luzerne muss nicht so oft geschnitten werden wie Gras, um gute Qualität und ausreichend Ertrag zu erreichen“, erklärt der Betriebsleiter. 
Wichtigstes Ziel: Keine Futterwechsel! Anhamms versuchen, über das ganze Jahr möglichst ohne Futterwechsel auszukommen. Sie nehmen lieber mehr Aufwand in Kauf, statt Änderungen in der Ration einzuplanen. So werden beispielsweise bei der Grassilage mehrere Schnitte im Fahrsilo übereinander gefahren. Der erste Schnitt wird so nahezu über das ganze Jahr gefüttert. 

Derzeit melken vier Lely-Roboter die gut 230 Kühe.  (Bildquelle: Hünnies)

Viele Entscheidungen auf Einzeltier-Basis 

Herdenmanagement, Besamungen und Klauenpflege übernimmt Kevin Anhamm selbst. Dabei orientiert er sich bei Entscheidungen häufig am jeweiligen Einzeltier. Die Zwischenkalbezeit von rund 430 Tagen beruht auf vielen hochleistenden und persistenten Kühen und ist auch weiterhin das Ziel. So beobachtet er bei Färsen zunächst, wie...


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