Tierwohl 

Geburtsverletzungen verhindern

Verletzungen des weichen Geburtsweges sind bei Färsen verbreitet. Wissenschaftler haben die Verletzungen und ihre Wirkung auf die Fruchtbarkeit untersucht.

Eine junge Färse, die das erste Mal abkalbt, hat ein erhöhtes Schwergeburten-Risiko. Das wirkt sich negativ auf die Totgeburtenrate der Kälber aus. Aber auch die Erstkalbin selbst kann Verletzungen des weichen Geburtswegs erleiden.
In einer kanadischen Studie mit 30.000 Abkalbungen (Funell et al. 2016) erlitten 17 % der Färsen eine Schwergeburt. In der Folgelaktation waren es dann nur noch 5%, in der dritten Laktation 4% und ab der vierten Laktation nur noch 3% Schwergeburten feststellbar. 70% der Geburtshilfen bei jungen Kühen waren mit einfachen Lage- und Haltungskorrekturen zu beheben. Doch in 20 % der Fälle war ein Kaiserschnitt oder ein Fetotomie nötig.

Risse auch bei normalen Geburten

In Untersuchungen am Hofgut Neumühle der Landwirtschaftskammer Rheinland Pfalz haben sich Tierärzte (Berger et al. 2019) mit den Verletzungsmustern am Vestibulum (Scheidenvorhof) und der Vagina bei Erstkalbinnen beschäftigt. Die Ergebnisse zeigen, dass Verletzungen der Vulva und Einblutungen am Hymenalring (Muttermund) auch nach Spontangeburten auftreten. Glücklicherweise heilen die Verletzungen der Schleimhäute vergleichsweise schnell. 

Heilung in 3 bis 6 Wochen

Tierärztin Natscha Gundling, TiHo Hannover, hat in einer Milchkuhanlage in Sachsen-Anhalt für ihre Doktorarbeit 236 Färsengeburten untersucht. Sie wollte wissen, ob sich Verletzungen des weichen Geburtsweges negativ auf die nachfolgende Fruchtbarkeit auswirken: 207 von 236 zeigten Verletzung nach der Kalbung, nur 29 waren ganz ohne Verletzungen. Die Untersuchung erfolgte am 1., 10., 21. 42 Tag durch manuelle Spreizung der Labien (Schamlippen). Die Verletzungen am Vestibulum und der Scheide wurde in Grade eingeteit (Grad 0,1,2). Die Ergebnisse zeigen, dass geringgradige Verletzungen am Vestibulum nach 3 Wochen abgeheilt waren. Mittel- und schwerer Verletzungen brauchten 6 Wochen. Zu Beginn der Besamungszeit waren aber alle Verletzungen wieder verheilt.

Verletzt und trotzdem tragend

In der Studie wurde nach Ablauf der Freiwilligen Wartezeit  160 Färsen besamt. Davon wurden 103 tragend und  57 Färsen blieben bis Tag 200 post partum güst. Die Wissenschaftlerin konnte zeigen, dass die Lokalisation der Verletzung und die Schweregrade keinen signifikanten Einfluss auf die Fruchtbarkeitsleistung hatte. Trotzdem gilt, dass schon aus Tierschutz-Gründen jede Färsengeburt gut beobachtet werden sollte und Geburtshilfen nur mit guter Sachkenntnis durchgeführt werden sollten.


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