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Milchpreisentwicklungen, was erwarten die Verbände?

Während der Deutsche Bauernverband in den kommenden Monaten steigende Milcherzeugerpreise erwartet, zeigt sich die Prognose des Verbandes der Milchindustrie verhaltener.

Das vom Dürresommer 2018 weiter beeinflusste Milchaufkommen aber auch die Nachfragesituation werden die weitere Entwicklung am Milchmarkt prägen. Während der Deutsche Bauernverband (DBV) für die kommenden Monate steigende Milcherzeugerpreise erwartet, schaut der Milchindustrie-Verband (MIV) mit Blick auf die laufenden Kontraktverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel verhaltener in die Zukunft.

MIV: Stabil bis leicht steigende Preise, aber keine Wunder!

Die Molkereien sind laut MIV grundsätzlich der Auffassung, dass die Bedingungen am Milchmarkt höhere Produktpreise erfordern. Hier könne der Handel ein Signal zur Stärkung der heimischen Milchwirtschaft setzen, appellierte der MIV-Vorsitzende Peter Stahl am vergangenen Donnerstag (25.10.2018) in Berlin an die Verhandlungspartner. Die laufenden Kontraktverhandlungen gestalten sich nach Angaben des stellvertretenden MIV-Vorsitzenden, Hans Holtorf, jedoch schwierig. Er erwartet „keine Wunder“ und gehe derzeit "nur" von einer Seitwärtsbewegung bis leichten Erhöhung der Preise aus.

Für das laufende Jahr kalkuliert der MIV mit einem durchschnittlichen Milchauszahlungspreis von 34,0 Cent/kg. Die aktuell zu verhandelnden Kontrakte sollen ab dem 1. November 2018 gelten.

Die Aussichten für die nächsten Monate sehen die beiden Vorsitzenden des Milchindustrie-Verbandes für die Milcherzeuger und auch für die Molkereien denn auch von "widersprüchlichen Rahmenbedingungen" geprägt:

Weniger, aber doch genug Milch? Zum einen sei die Milchanlieferung sowie die Eiweiß- und Fettgehalte der angedienten Mengen in Deutschland bereits jetzt geringer (1% unter VorJahresniveau), doch deutlicher Abzeichnen würden sich die Auswirkungen der Dürre auf das Milchaufkommen laut MIV erst in den nächsten Monaten mit fortschreitender Winterfütterung. Aktuell kann die Mengenentwicklung für das erste Quartal 2019 kaum abgeschätzt werden.

Über das gesamte Jahr 2018 betrachtet werde die Milchmenge in Deutschland sowie in der EU, aufgrund der im ersten Halbjahr 2018 erfolgten hohen Milchanlieferung, insgesamt leicht über den Vorjahreswerten liegen, erwartet der MIV.

Hohe Preise senken Nachfrage: Zum anderen haben Deutschland wie auch die EU derzeit durch das bislang höhere Preisniveau laut MIV geringe Exportmöglichkeiten für Butter. Als direkte Reaktion auf den letzten erfolgten Preisanstieg bei Butter habe der Lebensmitteleinzelhandel 7,7 % weniger Butter verkaufen können. „Sollten die Butterpreise wieder sinken, werden die Verbraucher auch wieder mehr Butter kaufen“, zeigte sich Stahl zuversichtlich.

Der Wettbewerb bei wichtigen Produkten wie Magermilchpulver und Käse werde weiter intensiv sein, so die Erwartung des MIV.

DBV: Steigerung der Milchmenge unwahrscheinlich

Laut dem Bauernverband sei angesichts der weiter angespannten Futtersituation nicht davon auszugehen, dass die Milchproduktion in den kommenden Monaten spürbar ausgeweitet werden könne.

Mittlerweile spiegele sich diese Markterwartung auch an den Warenterminbörsen wider, deutet der DBV. So konnte der Märzkontrakt 2019 für Butter in der Woche zum 23.10.2018 an der EEX wieder Preise in Höhe von 4.650 €/t erzielen. Noch vor zwei Wochen hätten die Notierungen für diesen Kontrakt fast 300 Euro niedriger gelegen. Auch die Preise für Magermilchpulver an der EEX hätten sich in den vergangenen zwei Wochen leicht erholen können, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau. Aufgrund dieser Entwicklungen erwartet der DBV für die kommenden Monate steigende Milcherzeugerpreise.

Redaktionelle Anmerkung: Kurse zuletzt wieder gesunken! In der vergangenen Woche sind die Kurse der Futures auf Butter an der European Energy Exchange (EEX) sowie auch Magermilchpulver gesunken. Bis Freitag (26.10.2018) wurden 572 Kontrakte über 2.860 t Butter gehandelt, und zwar für alle Liefermonate bis einschließlich Dezember 2019. Vor allem die Termine in der ersten Hälfte 2019 gaben kräftig nach. Kontrakte mit Fälligkeit im vierten Quartal 2018 standen mit Abschlägen von 69 €/t bis 125 €/t noch vergleichsweise wenig unter Druck. Der Novemberkontrakt notierte zuletzt für 4.456 €/t und der Dezember für 4.448 €/t. Die Fälligkeiten Januar bis Juni 2019 verringerten sich unterdessen binnen Wochenfrist 187 €/t bis 250 €/t und wurden danach in zeitlich aufsteigender Folge für 4.420 €/t bis 4.400 €/t abgerechnet.

Der Umsatz von Magermilchpulver belief sich auf lediglich 30 Kontrakte über insgesamt 150 t, verteilt über die erste Jahreshälfte 2019. Auch hier gaben die Kurse nach. Die EEX meldete Abzüge von 14 €/t bis 35 €/t, wonach die Notierungen sich in einer Spanne von 1.668 €/t beim Januartermin bis 1.715 €/t beim Dezemberfuture erstreckten.

Quelle: AgE