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MEG Milch Board kritisiert neue QM-Auflagen

Die MEG Milch Board geht hart mit den 2020 neu eingeführten QM-Auflagen ans Gericht: Unnötig und kostentreibend für Milcherzeuger! Zudem kritisiert die MEG, dass Milcherzeuger bei der Ausgestaltung von QM Milch nicht mitreden dürften.

Peter Guhl, der 1. Vorsitzenden der MEG Milch Board, kritisiert die Überarbeitung des QM-Milch als überzogene Kontrollwut der Milchindustrie. „Eine kleine Clique von Organisationen gängelt die gesamte Milcherzeugerschaft mit immer neuen Auflagen, während sie den Zustand des totalen Marktversagens stillschweigend akzeptiert", dieser Zustand sei in keinster Weise akzeptabel. „Immer mehr Auflagen, Kontrollen, Dokumentationspflichten und Sanktionen machen Tierhaltung und Ackerbau nicht besser, sondern nur schwieriger."

Seit dem 1. Januar 2020 gilt der neue QM-Milch-Standard 2020. Dieser soll laut QM-Milch e. V., mit Sitz in der Hauptgeschäftsstelle des Deutschen Bauernverbandes (DBV), die Zertifizierungsgrundlage für unabhängige, strenge Kontrollen des Milchproduktionsprozesses im Rahmen des Qualitätsmanagementsystems QM-Milch darstellen. Laut QM-Milch e. V. will die deutsche Milchwirtschaft ein Zeichen für noch mehr Sicherheit, Qualität und Tierwohl in den Milchviehställen setzen. Die neuen Vorgaben bei QM-Milch sollen dabei über gesetzliche Anforderungen hinausgehen und Wünsche von Verbrauchern und Marktpartnern zunehmend berücksichtigen.

Verlängerter Arm der Milchindustrie?

Die MEG Milch Bord weist diese Aussagen entschlossen zurück, die Organisation sieht den Verein QM-Milch als verlängerten Arm der Milchindustrie. Unter dem Deckmantel einer angeblich bäuerlichen Expertenrunde würden den Milchviehhaltern ohne Not und konkreten Anlass immer neue Kontrollen und Auflagen aufgebürdet, ohne dabei die Kosten der Milcherzeugung zu berücksichtigen. Zudem stelle sich die Frage: Wem nutzen diese Neuerungen? Den Tieren oder gar den Verbrauchern/innen?

Ausdrücklich weist man beim MEG Milch Board darauf hin, dass man nicht grundsätzlich gegen neue Richtlinien sei. Höhere Auflagen über den gesetzlichen Standard hinaus müssten sich aber in Zukunft auf der Milchgeldabrechnung widerspiegeln. Die Einführung einer „echten", flächendeckenden vertragsgebundenen Milcherzeugung wäre hierfür eine zwingend notwendige Voraussetzung! Wer hohe Standards fordert, muss auch bessere Preise bezahlen, so der Milch Board-Vorsitzende.

Aktive Milcherzeuger sind nicht beteiligt

Weiterhin kritisiert die MEG dass sich Vorstand und Fachbeirat von QM-Milch e.V. ausschließlich aus Vertretern des Deutschen Bauernverbandes, des Genossenschaftsverbandes und der Milchindustrie zusammensetzt. Durch weitreichende Verflechtungen in den Aufsichtsräten der Molkereien seien diese Organisationen miteinander verfilzt. Reine Milcherzeugerverbände oder gar Milchvermarktungsorganisationen hätten weder Sitz noch Stimme in den Gremien. Die Entscheidungen des QM-Milch e. V. haben jedoch weitreichende Auswirkungen auf die Arbeit der Milcherzeuger/innen in Deutschland. Aus der Entscheidungsfindung des QM-Milch e. V. sind diese nach Überzeugung der MEG Milch Board aber weitgehend ausgeschlossen.

Die MEG Milch Board ruft alle Milcherzeuger/innen und Milcherzeugerorganisationen deshalb dazu auf, die nach eigenen Angaben untragbaren Zustände rund um QM-Milch zu hinterfragen und eine Öffnung für echte Milcherzeugervertreter in den Gremien zu fordern, denn sonst drohe den Milcherzeugern die Luft auszugehen.

Der neue QM-Milch-Standard 2020 ist nun verfügbar und löst ab dem 1. Januar 2020 den bisherigen Standard ab. Der Kriterienkatalog ist umfangreicher als zuvor.
QM-Milch e.V. ist ideeller Träger von Qualitätsmanagement Milch. Gegründet wurde der verein im Jahr 2011 auf Initiative des Deutschen Bauernverbands (DBV), des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) und des Milchindustrie-Verbands (MIV). QM Milch gibt strenge, nachprüfbare Qualitätsstandards für die Milcherzeugung vor, die über die gesetzlichen Anforderungen und die Vorgaben der guten fachlichen Praxis hinausgehen und bundesweit einheitlich gelten. Durch diese Standards soll die Produkt-Qualität gesichert und der gesamte Produktionsprozess transparent und rückverfolgbar werden.Die Anforderungen und Kriterien des QM-Milchstandards legt der QM-Milch Fachbeirat fest.

QM 2020: Das ist neu

Die Anzahl der Kriterien erhöht sich von 64 auf 69. Neue Punkte sind:

  • Nur unter 5 % der Kühe dürfen Verletzungen bzw. Technopathien durch Haltungsmängel aufweisen.
  • Der Einsatz von Antibiotika soll in enger Zusammenarbeit mit dem Tierarzt stattfinden. Beratungstätigkeiten des Tierarztes zur Eutergesundheit müssen protokolliert sein. Landwirte sollen Erregertests durchführen lassen.
  • Es gibt Vorgaben zur Lagerung von Tierarzneimitteln.
  • Landwirte müssen Maßnahmen zur Ermittlung des Trächtigkeitsstadiums der Tiere nachweisen.
  • Der landwirtschaftliche Betrieb soll ein ordentliches Erscheinungsbild haben.
  • Die Frist für Nachkontrollen verkürzt sich auf einen Monat. Bei Nichterfüllung von K.O.-Kriterien im Erstaudit untersuchen die Kontrolleure bei Nachkontrollen alle Kriterien bis auf wenige Ausnahmen erneut.
  • Die Bereiche „Tierschutz“, „Milchhygiene“ und „Betriebliches Umfeld“ sind im neuen Standard stärker gewichtet. Für diese Fokusbereiche müssen Betriebe jeweils bestimmte Mindestpunktzahlen erreichen, die darüber entscheiden, wann das Folgeaudit stattfindet. Dieses erfolgt wie bisher entweder nach drei Jahren oder nach 18 Monaten.
  • Die Unbedenklichkeitsbescheinigung für Futtermittel ist abgeschafft. Alle an QM-Milch-Betriebe liefernden Futtermittelunternehmen müssen nach einem Qualitätssicherungssystem wie QS oder GMP+ international zertifiziert sein.
  • Für die Zertifizierungsstellen wird zukünftig ein Zulassungsverfahren einschließlich vertraglicher Beziehungen verpflichtend.