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Kühe können das Weltklima retten! Digital Plus

Bislang galten Rinder und besonders die Milchkühe als Klimakiller. Doch kurioserweise können gerade die Milcherzeuger dazu beitragen, die Aufheizung der Atmosphäre zu stoppen bzw. sogar zu reduzieren. News vom Weltmilchgipfel aus Istanbul.

Der Begriff Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde: In den Nachrichtenportalen dominieren seit Tagen Themen wie der Klimagipfel in New York, die Beschlüsse des Klima-Kabinetts in Berlin, der Plastikmüll in den Meeren und das Artensterben die Aufmacher in den Medien. Immer wieder im Fokus vieler Umweltaktivisten ist die Landwirtschaft, insbesonders die Rinder und Kühe werden in den Zusammenhang gerne als Klimakiller abgestempelt (Die Kuh als Klimakiller … „Rindfleisch ist unter Klimaaspekten das größte Problem“). Ausgerechnet die Milchkühe, die vielgescholtenen Klimakiller, bzw. deren Halter könnten künftig für eine nachhaltige Verbesserung des Weltklimas sorgen. Mit dieser Theorie erstaunte Edward Hornsby von der Universität Oxford die rund 1.300 Teilnehmer des Weltgipfels (IDF World Dairy Summit), der in Istanbul von der IDF International Dairy Federation (Internationaler Milchwirtschaftsverband) ausgerichtet wurde. Hornsby rechnete vor, dass eine 10 %ige Reduktion des Methan-Ausstoß einer Milchkuhherde in etwa einer CO2 Einsparung entspricht, die sonst nur durch eine Abschaltung eines Kohlekraftwerkes erreicht würde (Anmerkung: Die Daten basieren auf einer britischen Studie, die mittlere Herdengröße in UK liegt etwas bei 250 Kühen). Einig waren sich die meisten Kongress-Teilnehmer – zumindest aber alle Redner bzw. Diskutanten auf dem Podium, dass am Thema Nachhaltigkeit (engl.: Sustainability) als Unternehmensziel (sowohl für Molkereien aber auch für Milcherzeuger) kein Weg mehr vorbeiführt. Nachhaltiges Wirtschaften ist heute so dringlich wie nie zuvor – unterschiedliche Auffassungen zeigten sich nur bei der Definition des Begriffs Nachhaltigkeit bzw. den anzustrebenden Maßnahmen. 500 Mio. Familien leben von der Milchproduktion Während Sandra Vijn, die Vertreterin des WWF, eine deutliche Abstockung der Rinder- und Kuhbestände forderte, erklärte die IDF-Präsidentin Judith Bryans dass die Ernährung der wachsenden Weltbevölk

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Der Begriff Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde: In den Nachrichtenportalen dominieren seit Tagen Themen wie der Klimagipfel in New York, die Beschlüsse des Klima-Kabinetts in Berlin, der Plastikmüll in den Meeren und das Artensterben die Aufmacher in den Medien. Immer wieder im Fokus vieler Umweltaktivisten ist die Landwirtschaft, insbesonders die Rinder und Kühe werden in den Zusammenhang gerne als Klimakiller abgestempelt (Die Kuh als Klimakiller … „Rindfleisch ist unter Klimaaspekten das größte Problem“). Ausgerechnet die Milchkühe, die vielgescholtenen Klimakiller, bzw. deren Halter könnten künftig für eine nachhaltige Verbesserung des Weltklimas sorgen. Mit dieser Theorie erstaunte Edward Hornsby von der Universität Oxford die rund 1.300 Teilnehmer des Weltgipfels (IDF World Dairy Summit), der in Istanbul von der IDF International Dairy Federation (Internationaler Milchwirtschaftsverband) ausgerichtet wurde. Hornsby rechnete vor, dass eine 10 %ige Reduktion des Methan-Ausstoß einer Milchkuhherde in etwa einer CO2 Einsparung entspricht, die sonst nur durch eine Abschaltung eines Kohlekraftwerkes erreicht würde (Anmerkung: Die Daten basieren auf einer britischen Studie, die mittlere Herdengröße in UK liegt etwas bei 250 Kühen). Einig waren sich die meisten Kongress-Teilnehmer – zumindest aber alle Redner bzw. Diskutanten auf dem Podium, dass am Thema Nachhaltigkeit (engl.: Sustainability) als Unternehmensziel (sowohl für Molkereien aber auch für Milcherzeuger) kein Weg mehr vorbeiführt. Nachhaltiges Wirtschaften ist heute so dringlich wie nie zuvor – unterschiedliche Auffassungen zeigten sich nur bei der Definition des Begriffs Nachhaltigkeit bzw. den anzustrebenden Maßnahmen. 500 Mio. Familien leben von der Milchproduktion Während Sandra Vijn, die Vertreterin des WWF, eine deutliche Abstockung der Rinder- und Kuhbestände forderte, erklärte die IDF-Präsidentin Judith Bryans dass die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung mit nahrhaften, nachhaltigen, sicheren und erschwinglichen Lebensmitteln ernsthaft gefährdet sei, sofern die Rinder- und Kuhbestände verringert würden. Ebenso wie Bryans kritisierten mehrere Redner denn auch die oftmals pauschalen Anschuldigungen gegen die Milchbranche. „Wir wissen um unsere Verantwortung in Umweltfragen, deshalb sind wir auch dabei, die Produktionsprozesse stetig zu verbessern. Demnächst wollen 10 Milliarden Menschen ernährt werden – und das bei einer stetigen Abnahme der natürlichen Ressourcen. Ohne Milchprodukte können wir das nicht gewährleisten“, erklärte die IDF-Präsident Dass ein Ausbau der globalen Milchproduktion unumgänglich ist und dass die Abstockung der Kuhherden der falsche Weg ist, darauf verwiesen insbesondere Kongressteilnehmer aus Indien, Pakistan und Afrika. In diesen Regionen hat die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln oberste Priorität. Hinzu kommt, dass durch den Ausbau der Milchproduktion viele Familien dringend benötigtes Einkommen generieren können. Schließlich leben weltweit leben rund 500 Mio. Farmer bzw. deren Familien von der Milchproduktion. Das gilt auch für das Gastgeberland des Kongresses, die Türkei. Die Milchbranche setzt hier in den kommenden Jahren voll auf Wachstum. In den vergangenen 10 Jahren hat sowohl die Anzahl der Milchkühe als auch der Milchmenge um je 70 % zugelegt. Tendenz weiter steigend! Klimaneutrale Milchproduktion wird kommen! Wie unterschiedlich der Begriff Nachhaltigkeit interpretiert wird bzw. wie unterschiedlich sich aus Sicht von Branchenvertretern die daraus abzuleitenden Maßnahmen ausfallen, wurde während einer Podiumsdiskussion deutlich: So gilt es in Kenia, die kleinbäuerlichen Strukturen abzusichern und die Verluste an Nahrungsmitteln zu verringern, z.B. durch eine Optimierung der Kühlkette. Rohmilch wird in dem ostafrikanischen Land zumeist in örtlichen Sammelstellen erfasst und dann nicht selten mit kleinen Motorrollern zur nächsten Sammelstelle oder zum Milchverarbeiter transportiert. Mithilfe von Solarpanelen ist es jetzt möglich, die Motorroller mit kleinen Kühlaggregaten auszustatten, so dass die Rohmilch während des Transports gekühlt werden kann. In China steht hingegen die bestmögliche Ausnutzung der natürlichen Ressourcen und die höchstmögliche Produktivität im Vordergrund der Überlegungen. Die Vision einer nachhaltigen Milchproduktion skizzierte Lihua Wei von dem drittgrößten Molkereiunternehmen Chinas, Junelebao Dairy, wie folgt: Eine moderne Milchfarm, die ein paar tausend Kühen Platz bietet, mit angeschlossener Molkerei unmittelbar neben den Stallgebäuden. Die Milchfarm ist umgeben von Futterflächen, so dass kaum noch längere Transportfahrten erforderlich sind. Der gesamte „Produktionskomplex“ ist weitgehend energieautark (erneuerbare Energien). Nach Einschätzung von Wei lassen sich so die Produktionskosten und die Umweltbelastung auf ein Minimum reduzieren, der Output hingegen maximieren. In Europa wird hingegen globaler gedacht: Vertreterinnen der beiden großen europäischen Genossenschaften FrieslandCampina (Kathy Fortmann) und Arla (Hanne Søndergaard) erklärten unisono, die komplette Milchproduktion bis zum Jahr 2050 vollständig CO2 neutral zu gestalten. Offen blieb leider die Frage, wie die konkrete Umsetzung erfolgen und wer für die erforderlichen Investitionen aufkommen soll. Dass eine klimaneutrale Milchproduktion nicht „so einfach“ machbar sein dürfte, das lässt sich aus den Ergebnissen eines französischen Forschungsprojektes ableiten, die auf der Konferenz ebenfalls präsentiert wurden. Demnach verursacht ein durchschnittlicher französischer Micherzeuger einen CO2 Fußabdruck von 1,04 l FCPM, der Fußabdruck der Besten (optimierten) 10 % Milcherzeuger fällt mit 0,85 l FCPM deutlich geringer aus. Allzu viel „kleiner“ wird es nach Ansicht der Wissenschaftler aber nicht gehen. Soll die Milcherzeugung auf der Seite der Produzenten CO2neutral erfolgen, müssten die Milcherzeuger all die unweigerlich anfallenden Emissionen durch andere Maßnahmen kompensieren. Möglich ist das, z.B. entweder durch Agroforest-Systeme oder die Erzeugung von erneuerbarer Energie, die in das System eingespeist wird. Bleibt festzuhalten: Das Thema Nachhaltigkeit (Sustainability) wird künftig noch stärker in den Fokus rücken. Klar ist, dass Lippenbekenntnisse nicht mehr ausreichen werden. Es ist höchste Zeit, dass auf Worte auch Taten folgen – das wissen mittlerweile auch die in den Molkereien und deren Verbände. Milcherzeuger werden deshalb mit „Vorgaben“ seitens der Verarbeiter rechnen müssen.