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Dürreschäden: Wie jetzt mit Mais und Grasnarben umgehen?!

Die Trockenheit zeigt sich derzeit regional in voller Härte: der Silomais verkümmert und der dritte Schnitt fällt eigentlich ertragslos aus. Hier zusammengefasst Empfehlungen und Erfahrungen für den Futterbau aus dem vergangenen Jahr.

Die immer weiter vertrocknenden Maisbestände und Grasnarben verunsichern derzeit wieder viele Landwirte, Lohnunternehmer und Fütterungsberater. Wie im letzten Sommer müssen sich betroffene Futterbaubetriebe die Fragen stellen, wie lange kann man noch warten, bis man Nothäckseln sollte oder wann man den dritten Grasschnitt als Pflegeschnitt riskieren kann? Die Entscheidung ist schwer, sie hängt zwischen Für und Widern.

Silomais: Nicht zu vorschnell handeln!

Dafür den Mais notzuernten kann jetzt sprechen, dass der Trockenmassegehalt der braun oder blassgrün werdenden Pflanzen immer weiter steigt und damit die Gefahr, dass das Häckselgut sich nur noch schwer verdichten lässt und der ohnehin schwache Futterwert weiter sinkt bzw. die sehr schwachen Bestände schlicht weg völlig ausfallen. Dagegen kann sprechen, dass doch rechtzeitig Regen fällt und eine Regeneration und weiteres Wachstum möglich sind.

Um möglichst richtig reagieren zu können, ist es jetzt entscheidend zu erkennen, mit welcher Schwere man es zu tun hat. Dafür sind die Bestände einzeln anzusprechen. Denn Futterbauberater warnen davor, vorschnell zu handeln. Besser als ausschließlich die Problembestände vorweg einzufahren, sei es, das Material von geschädigten Beständen später gemischt mit dem von normalen, nicht notreifen Beständen einzusilieren. So können Fehlgärungen von ausschließlichem Problemmais besser vermieden werden. Anderseits kann hier die Möglichkeit interessant sein, einzelne Maisbestände in Form von Maissilage-Rundballen "zu retten" (40% TS sei gut möglich).

Wird der Mais in der früheren Entwicklung durch Trockenheit geschädigt – was aktuell zumeist der Fall ist – gilt es sehr genau zu unterscheiden und weiter abzuwägen:

  • Noternte 1: Mais ohne Kolben und einer komplett vertrockneten "verstrohten" Restpflanze (TS 33 bis 40 %) sollte sofort gehäckselt werden. Mit einer theoretischen Häcksellänge kleiner 7 mm. Einfahren in das Silo in sehr dünnen Schichten (nicht aufschieben!) und unter dem Einsatz von Siliermittel bzw. Rundballen, um das Nacherwärmungsrisiko zu reduzieren. Abgesehen von dieser Rettungsmöglichkeit ist dieser Zeitpunkt viel zu spät – es hätte schon früher gehäckselt werden müssen.
  • Noternte 2: Pflanzen ohne Kolben bzw. nur einem kleinen Kolben und nur noch wenigen grünen Blättern (TS 28 bis 30 %; 40 bis 45 % der Pflanze vertrocknet) sind ebenfalls umgehend zu ernten. Mit einer theoretischen Häcksellänge kleiner 7 mm, Einfahren in das Silo in sehr dünnen Schichten (nicht aufschieben!) und unter dem Einsatz von Siliermittel, um das Nacherwärmungsrisiko zu reduzieren.
  • Das Warten wagen: Bei Pflanzen ohne/ nur mit kleinem Kolben/ normalem Kolben und mehreren trockenen Blättern/ ersten Trockenschäden sollte ab einem TS-Gehalt in der Gesamtpflanze von ca. 30 % geerntet werden. Vorher kann es sich mit Aussicht auf Regen lohnen mit der Ernte zu warten.

Unter dem folgenden Link finden Sie eine Anleitung der Firma Pioneer, in der erklärt wird, wie Sie den TS-Gehalt von Silomais im Feld abschätzen können: "TS-Schätztabelle und Anleitung"

Dürregeschädigte Grasnarbe – was tun und was besser lassen?

  • Verletzungen vermeiden: Mähen Sie nicht und seien Sie vorsichtig beim Weiden. Dies führt nur zu einer zusätzlichen Schädigung des Grünlandes: Das Wachstum des Grases ist jetzt nahezu eingestellt. Zusätzlich zu dem Stress durch das Befahren beim Mähen und den Tritt beim Beweiden zwingen Sie das Gras dazu, Energie in das Nachwachsen der Pflanze zu investieren und deren frische Triebe dann ggf. wieder vertrocknen.
  • Nur bei Aussicht auf Regen mähen: Der zumeist noch spärlich stehende dritte Schnitt sollte nur bei möglichst sicherer Aussicht auf nachfolgendem Regen geerntet werden (in Siloballen; Häckselkette im Verhältnis zu geringem Aufwuchs und Futterwert zu teuer). Besteht keine Aussicht auf Regen, sollte gewartet werden. Dann vertrocknen Halm und Blätter zwar gegebenenfalls komplett, dafür bleibt die Grasnarbe jedoch vor größeren Schäden (Verbrennen/Vertrocknen der frischen Schnittverletzung) verschont und damit fähig für einen besseren Folgeaufwuchs.
  • Vorsicht bei der Düngung: Durch die Düngung kann es zu weiteren Schäden kommen. Darüber hinaus erhöht die Anwendung von Gülle das Risiko von Verbrennungen. Die Nährstoffausnutzung ist auch weniger effizient, da sie ohne Feuchtigkeit nicht aufgenommen werden können.
  • Beregnung wenn möglich: Das ist leichter gesagt als getan. Überprüfen Sie also zunächst, ob es finanziell und technisch machbar ist zu bewässern. Sie können kein zusätzliches Graswachstum erwarten, aber es hilft dem Gras zu überleben. Gras und Mais bewässern? Mais ist effizienter in der Wasserverwertung und benötigt während der Bestäubung ausreichend Feuchtigkeit.

Wann ist das Gras wirklich abgestorben?

Deutsches Weidelgras hat eine gute Regenerationsfähigkeit, dass hat sich im Winter/Frühjahr 2018/19 gezeigt. Und braunes Gras muss nicht sicher tot sein. Aufgrund einiger Merkmale kann etwas mehr über die Überlebenschance gesagt werden. Mit den folgenden Eigenschaften ist die Überlebenschance eines Grases sehr gering:

  1. Die Pflanze ist braun und leicht zu zerreiben/pulverisieren
  2. Die Halmbasis der Pflanze ist auch unter dem abgestorbenen Blättern nicht mehr grün
  3. Die Wurzeln sind nicht mehr weiß und sehr steif und es gibt keine Feuchtigkeit in der oberen Schicht des Bodens

Quellen: u.a. Pioneer, DSV