Coronavirus

Corona beeinträchtigt den Export von Färsen

Jedes Jahr werden mehr als 120.000 deutsche Zuchtrinder in die EU und Drittländer vermarktet. Die Corona-Pandemie schränkt den Export ein und hat besonders Norditalien stark getroffen.

Deutschland exportiert jährlich über 55.000 Zuchtrinder in EU-Mitgliedsstaaten. Dazu kommen zahlreiche Exporte in Drittländer. Dabei handelt es sich zu großen Teilen um Zuchttiere, die zum Aufbau und zur Remontierung von Herden eingesetzt werden. Besonders der Export tragender Rinder in Drittländer weist hohe Stückzahlen auf. Abgekalbte Färsen werden größtenteils innerhalb der EU gehandelt, so zum Beispiel nach Italien.

Italien: Verbrauch von Milchprodukten stark reduziert

Wir haben uns erkundigt, wie es den Milchkuhhaltern im stark betroffenen Norditalien während der Coronakrise geht. Nach Angaben von Viehhändler Francesco Moscardi läuft die Milchproduktion in den Betrieben weitestgehend normal weiter. Dortige Molkereien rufen aber auf, die abgelieferte Milchmenge derzeit keinesfalls zu steigern. Besonders für die italienische Bevölkerung ist es üblich, sehr oft Essen zu gehen. Weil das im Moment nicht möglich ist, hat sich der Verbrauch von Milchfrischeprodukten (Mozzarella, Mascarpone etc.) stark reduziert, auch für die Eisproduktion sieht es schwarz aus ohne Touristen. Deshalb können die Molkereien die Verarbeitung keinesfalls ausweiten.
Es ist auch von deutlich sinkenden Milchpreisen auszugehen. Ob es um zwei oder fünf Cent geht, ist noch nicht absehbar. Aus diesem Grund und zum Schutz vor einer weiteren Corona-Ausbreitung liegt die Vermarktung von Färsen aktuell auf Eis. Trotzdem sei man weiter im Kontakt mit Francesco Moscardi und hofft, dass sich die Situation bald entschärft, heißt es seitens der Rinder-Union West eG.
Da sowohl der sonst so intensive Export von Rindern nach Italien und auch Spanien auf unbestimmte Zeit lahm liegt und gleichzeitig die Auktionen nicht stattfinden können, geraten die Preise für abgekalbte Färsen in Deutschland unter Druck. Seitens der Zuchtverbände wird aber auf die Möglichkeiten der Ab-Hof-Vermarktung hingewiesen, sowohl für Verkäufer als auch Käufer. Die erforderlichen Tierbewegungen werden bestmöglich realisiert und über die Ab-Hof-Vermarktung abgefedert. Das gilt für Färsen, Fresser und Deckbullen.
Weitere Informationen zur aktuellen Tiervermarktung finden Sie hier:
Auswirkungen von Corona auf die Tiervermarktung.

Francesco Moscardi im Interview mit Elite

Rund 4.500 abgekalbte Färsen kauft Francesco Moscardi jedes Jahr auf Zuchtviehauktionen im Nordwesten Deutschlands. Die Tiere vermarktet er nach Italien, denn dort verzichten viele Milcherzeuger auf die Nachzucht eigener Rinder. Neben einem Viehhandel bewirtschaftet er zusammen mit seiner Familie einen Milchkuhbetrieb mit rund 250 Kühen in Norditalien. Die Stallarbeiten übernehmen sein Bruder Andrea und Mitarbeiter, denn Francesco selbst arbeitet hauptsächlich als Viehhändler und ist viel unterwegs. Wir haben ihn getroffen und gefragt, wo die Tiere landen und was die italienischen Milcherzeuger so an deutschen Färsen schätzen.
Das komplette Interview finden Sie in der neuen Ausgabe unsere Webmagazins Elite Impulse:
Grande commercio - deutsche Färsen für Italien

Wir haben Francesco Moscardi auf einer Auktion in Hamm getroffen. (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)


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