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Herdenmanagement-Konferenz 2019

Spannendes Wissen für Ihre Herde!

Eine gute Fruchtbarkeit und Klauengesundheit sind Grundvoraussetzung für hohe Leistungen. Doch woran liegt es, wenn diese hinter den Erwartungen zurückbleiben? Antworten erhielten die mehr als 300 Teilnehmer unserer 6. Herdenmanagement-Konferenz.

Sie konnten leider nicht zu unserer 6. Herdenmanagement-Konferenz nach Ottobeuren (Bayern) oder Melle (Niedersachsen) kommen? Hier für alle, die verhindert waren, ein kleiner Auszug aus den fünf Vorträgen:

Gute Fruchbarkeit trotz hoher Leistung?

Gute Fruchtbarkeit und hohe Milchleistungen schließen sich nicht aus – es müssen sogar dieselben Voraussetzungen erfüllt sein. Darauf verwies Dr. Doron Bar, Chefwissenschaftler der Firma SCR (u.a. Heatime). Als Beweis für diese Aussage zeigte er die Erstbesamungserfolge der zwölf leistungsstärksten Milchkuhbetriebe in Israel. Deren durchschnittliche Milchleistung lag in 2017 bei über 14.000 kg Milch, gleichzeitig konnten sie einen überdurchschnittlichen Erstbesamungserfolg (Ø 34 %) erzielen. Wer jedoch glaubt, der israelische Wissenschaftler sei ein Freund von Hormonprogrammen, um hervorragende Fruchtbarkeitsleistungen zu erreichen, der musste sich eines Besseren belehren lassen. Im Gegenteil, für ihn machen diese Programme in der Praxis kaum Sinn: "Unter Versuchsbedingungen können sehr gute Ergebnisse erzielt werden, aber in der Praxis ist eine präzise Einhaltung der Behandlungsprotokolle so kaum möglich." Eine strikte Kontrolle der Kühe (Puerperalkontrolle, BCS, etc.) über die gesamte Laktation und Trockenstehzeit hinweg, um Fehler im Management aufzudecken und eine ausgefeilte Brunstkontrolle (z.B. mit Aktivitätsmessung) seien effektiver, um die Fruchtbarkeit hoch zu halten. "Lieber mal auf die Kuh warten, nicht so viel Stress machen, in der Regel kommt das Tier von selbst."

Der Erfolg liegt in den Details

Milcherzeuger Chris McLaren aus Ontario (Kanada) produziert mit seiner 110-köpfigen Herde aktuell 13.700 Kg Milch pro Kuh und Jahr. Diese hohe Leistung erreichen seine Holstein-Kühe durch gleichbleibende Fütterungs- und Managementprotokolle. Dazu gehört u.a., dass die Arbeitsroutinen immer gleichbleiben: gefüttert wird immer zur selben Zeit, Maßnahmen wie Boxeneinstreu, Behandlungen und Klauenpflege erfolgen in gleichbleibenden und regelmäßigen Abständen. Trotz der relativ kleinen Herdengröße sind die Kühe im Stall in Frischmelker, Altmelker und junge Kühe (erste und zweite Laktation) eingeteilt, um den sozialen Stress zu verringern. Aus Hygienegründen kauft der Betrieb keine Tiere zu, alle Kühe stammen aus der eigenen Nachzucht. Jedes Kalb wird genetisch getestet und nur die besten 15 % mit gesextem Sperma besamt um einen bestmöglichen Zuchtfortschritt zu erreichen.

Stress reduzieren – das bringt auch bei der Routineklauenpflege Vorteile mit sich

Gut ausgebildete Klauenpfleger und -pflegerinnen sind rar und damit ihre Kapazitäten. Dieser Tatsache zum Trotz rät der auf Klauengesundheit spezialisierte Tierarzt Falk Mühe (Tierarztpraxis Ottersberg) allen zukunftsorientierten Milchkuhhaltern, die nötige Zeit in die Suche nach einem Klauenpfleger zu investieren, der seine Dienstleistung nach den Anforderungen der Kühe und dem Ziel einer sich verbessernden Klauengesundheit auf Herdenniveau ausübt.

Diesbezüglich wies der Tierarzt, der in einer Gemeinschaftspraxis gemeinsam mit einem Klauenpfleger den Bereich Klauengesundheit betreut und organisiert, die Konferenzteilnehmer ganz besonders auf folgenden Vorteil einer laktationsabhängigen Routineklauenpflege hin:

  • Werden die Klauen der Kühe systematisch nach der Frischkalbephase, zu Laktationsmitte und vor dem Trockenstellen kontrolliert und bei Bedarf korrigierend gepflegt, verringert sich nicht nur der Stress durch die in der Praxis oft üblichen Herdenschnitte (und damit die verbundene auf die Maßnahme folgende Leistungsdepression auf Herdenebene), sondern langfristig auch das Auftreten von Klauenerkrankungen bzw. Lahmheiten.

Möchte man die Routineklauenpflege dementsprechend in seiner Herde durchführen, resultiert daraus je nach Herdengröße, aber meist ein monatlicher Termin zur Routinepflege. Das erfordert Zeit beim Klauenpfleger. Bei der Auswahl eines solchen – also eines Dienstleisters, den man für seine Leistung bezahlt – sollte der Milchkuhhalter sich auch trauen, Forderungen zu stellen, die im Sinne der Kuh sind und diese auch bewusst zu kontrollieren: ruhiges Arbeiten mit den Kühen, eine funktionelle Klauenpflege, eine Dokumentation und Auswertung der Kontroll- und Befunddaten auf Einzeltierebene.

Ebenfalls scheuen sollte der Landwirt nicht vor der Frage danach, wo der Klauenpfleger seine Ausbildung absolviert und Erfahrungen gesammelt hat. Auch ein Probearbeiten vor der Vereinbarung eines langfristigen Auftrags könne laut Mühe heute als Bestandteil einer modernen Zusammenarbeit zwischen Tierhalter und Dienstleister angenommen werden.

Mortellaro: Blick schärfen, dokumentieren und richtig behandeln

Behandlungsmethoden von Mortellaro - was machen wir da eigentlich? Mit dieser Frage hat sich Tierärztin Dr. Charlotte Kröger im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität München intensiv beschäftigt. Dabei hat sie sechs verschiedene antibiotische und nicht antibiotische Behandlungsmethoden miteinander verglichen. Das schlechteste Ergebnis lieferte die reine antibiotische Behandlung. Bei weiteren Methoden wie beispielsweise Zinkchelatspray oder Methylsalicylsäure ist die Anwendung entscheidend. Durch ein Verbinden der erkrankten Klaue bleibt das Medikament länger haften und verteilt sich nicht im Stall. Aber: Besonders wichtig ist dabei die Dokumentation wie beispielsweise ein Behandlungsprotokoll, damit der Verband rechtzeitig wieder entfernt wird!

Dokumentation und Kontrolle sind im eigenen Betrieb insgesamt wichtig. Zum Einen muss der aktuelle Erkrankungsstatus immer wieder beurteilt werden, um den Verlauf der Mortellaro-Erkrankungen im Betrieb zu beobachten, zum Anderen sollte nachverfolgt werden, in welchem Alter Mortellaro überhaupt beginnt. Ausreden gibt es da nicht, allein ein scharfer Blick in den Aufzuchtstall kann entsprechende Informationen liefern. Gute Prophylaxe, eine frühzeitige Erkennung und sinnvolle Behandlungen mit Langzeiteffekt sind wichtige Schritte für die Zukunft. Nur mit gesunden Klauen kann eine erfolgreiche Milchproduktion erreicht werden. Außerdem: "Ohne Mortellaro ist das Leben soviel schöner als mit Mortellaro!".

Den Werkzeugkasten anpassen

Warum erreichen so viele Kühe nicht ihr volles Potenzial in Sachen Milchleistung und Langlebigkeit? Der erfahrene Berater Axel Pfundheller sieht dafür vor allem zwei Ursachen: die Kälber- und Jungrinderaufzucht - und die Bereitschaft der Menschen, sich den Kühen anzupassen! "Was wir genetisch heute im Stall haben, sind Ferraris. Da kann es nicht angehen, dass vielerorts die Werkzeugkiste immer noch nur aus einem Vorschlaghammer besteht", moniert er. Milchkuhhalter müssten heute viel mehr dokumentieren, um überhaupt auf Ursachenforschung gehen zu können. Wie hoch ist die Futteraufnahme der einzelnen Gruppen? Welche Krankheiten machen am meisten Probleme? Welche Zunahmen erreichen die Kälber während der Tränkephase tatsächlich? Dass das "Auge des Herrn" von den Ergebnissen einer Waage im Alter von 90 Tagen durchaus um bis zu 15 kg abweichen kann, hat er dabei im Praxisversuch selbst getestet.

In der Aufzucht erinnert er daran, dass neben der Kolostrumversorgung vor allem eine intensive Aufzucht während der Tränkephase die Weichen in Sachen Gesundheit und Leistungsfähigkeit für das weitere Leben stellen! "Kompensatorisches Wachstum", d.h. das "Aufholen" während der Jugendphase nach einer eingeschränkten Versorgung zu Beginn, kann die begangenen Fehler hingegen nicht mehr wieder gutmachen.