Zucht

PhönixGroup: Fünf Zuchtverbände kooperieren

Ab Januar 2021 arbeiten fünf deutsche Zuchtverbände als „PhönixGroup“ mit einem gemeinsamen Zuchtprogramm. Ziel ist eine deutlich effizientere Zuchtarbeit.  

Unter dem Namen „PhönixGroup“ vereinen sich fünf deutsche Zuchtverbände in Gestalt eines neuen Zuchtprogramms. Partner in diesem Projekt sind die RinderAllianz GmbH (RA), die Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH (RBB), die Rinder-Union West eG (RUW), die Qnetics GmbH (Qnetics) sowie die Rinderunion Baden-Württemberg e.V. (RBW). 
PhönixGroup – eine neue Kooperation für ein gemeinsames, großes, deutsches Zuchtprogramm.
PhönixGroup
Im ersten Pressegespräch vergangene Woche (17. September 2020) wurde die Kooperation sowie deren Ziele und Absichten vorgestellt. Die Zuchtorganisationen bleiben eigenständig, etablieren aber ein gemeinsames Zuchtprogramm, welches ab dem 1. Januar 2020 an den Start geht. Die Bullenkataloge soll es bereits im Dezember geben. 
Exkurs Zuchtprogramm Ein Zuchtprogramm regelt die tierzuchtrechtlichen Grundlagen und Maßnahmen für die Zuchtarbeit eines Verbandes. Dazu gehören unter anderem die Definition der Rasse, die Durchführung von Zuchtwertschätzung und Leistungsprüfung, genetische Besonderheiten und Erbfehler, die Abstammungssicherung sowie die Zusammenarbeit mit anderen Zuchtverbänden. Für jede Rasse gibt es ein separates Zuchtprogramm. 

Deutsche Genetik stärken und Effizienz steigern

„Gemeinsam wollen wir ein erfolgreiches Zuchtprogramm gestalten und unsere nationale sowie internationale Position ausbauen.“, heißt es in der Pressemitteilung. Die jahrelange Zuchtarbeit und die Kompetenzen der fünf Organisationen sollen jetzt gebündelt und die Zuchtarbeit insgesamt effizienter gestaltet werden. 
„Die Kosten der Zuchtprogramme explodieren! Durch die Kooperation können wir alles effizienter gestalten und damit die Kosten für die Milcherzeuger konstant halten“, erklärt RinderAllianz-Geschäftsführerin Dr. Sabine Krüger. 
Ziele der PhönixGroup sind: 
  • Mitgliedern und Kunden die bestmögliche Genetik zur Verfügung stellen. 
  •  Vielfältige Genetik anbieten, um den Ansprüchen aller Kunden gerecht zu werden.
  • Neben Holsteins auch starke Partner in der Fleckvieh- und Brown Swiss-Zucht sowie im Bereich „Beef on Dairy“ und ggf. weiteren Rassen sein. 
  • Die Effizienz erhöhen, d.h. unter anderem die einzelnen Bullen intensiver zu nutzen. 
  • Die nationale und internationale Konkurrenzfähigkeit erhöhen. 
  • Den RZG stärken, sowohl zur Vermarktung als auch für die Mitgliedsbetriebe selbst. 
  • Innovative Biotechnologien sowie Forschung und Entwicklung nutzen und fördern.
  • Über die fünf regionalen Partnerorganisationen nah und erreichbar für die Mitgliedsbetriebe bleiben. 

Durch die Kooperation sollen die Besamungsbullen zukünftig besser ausgelastet, d.h. effizienter genutzt werden.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

Nicht nur Holsteins 

Zuerst soll das gemeinsame Zuchtprogramm für Holsteins entwickelt werden. Die fünf Partner der Phönix-Group vereinen mit mehr als eine Million Kühe über 50% der deutschen Holsteinpopulation. Das bedeutet über 1,2 Millionen Gesamtbesamungen.
Neben Holsteins möchte die PhönixGroup intensiv in der Fleckvieh- und Brown Swiss-Zucht agieren. In den fünf Organisationen werden insgesamt fast 300.000 Fleckvieh- und 54.000 Brown Swiss-Besamungen gezählt. Zudem möchte man weiterhin Jersey-Bullen und Vererber heimischer Rassen zur Verfügung stellen. Wenn weitere Partner mit anderen Rassen dazu kommen, werde das Portfolio erweitert.
Auch im Bereich „Beef on Dairy“ soll Genetik mit höchster Qualität und Sicherheit geboten werden. Über die Testherden von RBB und RinderAllianz möchte man alle Fleischrassen auf Fleischqualität und Kalbemerkmale prüfen. Die Testherden bleiben also bestehen, sollen in Zukunft aber von allen fünf Verbänden genutzt werden. 
Die PhönixGroup verkauft insgesamt über vier Millionen Spermaportionen im In- und Ausland. Die Vermarktung in das Ausland werde weiterhin über die GGI Spermex erfolgen, mit der alle fünf Partner auch bisher zusammenarbeiten. 

Der Bereich „Beef on Dairy“ soll hinsichtlich Qualität und Sicherheit weiter gestärkt werden.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck )

Was verändert sich? 

Bullenangebot? Mit der PhönixGroup wird es Veränderungen im Zugriff auf Besamungsbullen und in der Rassenvielfalt geben. Insgesamt kauft die Gruppe 60% der Vererber im Inland und 40% im Ausland ein. Aus diesem Pool kaufe wiederum jede Organisation ihre Bullen, das heißt jeder Verband darf die Bullen nach eigenen Prämissen auswählen. Die Besamungsbullen bleiben damit im Besitz der jeweiligen Organisation. In den Zuchtwert-Listen werden alle Bullen der Marke „PhönixGroup“ zugeordnet. 
Spermaverteilung? Die Spermaportionen werden 1:1 ausgetauscht, sodass jede Organisation und jeder Milcherzeuger gleichermaßen Zugriff auf alle Vereber der PhönixGroup hat. Über einen jährlich angepassten Verteilschlüssel ist klar geregelt, wie viele Bullen jede Organisation einkauft, wer wie auswählen darf und wie hoch der Bedarf an Spermaportionen im jeweiligen Zuchtgebiet ist. Welcher Bulle letztlich wie vermarktet wird und im Bullenkatalog erscheint, soll über spezielle Arbeitsgruppen entschieden werden. 
Kontakt? Trotz der Kooperation bleibt jeder Partner selbstständig, wodurch der nahe Kontakt der Organisationen zu ihren Mitgliedern, bestehen bleiben soll. Auch sollen die Milchkuhhalter weiterhin die Basis bilden und Einfluss auf das Zuchtprogramm nehmen. Das gelte ausdrücklich auch für kleine Betriebe, wie beispielsweise in Süddeutschland. 
Kosten? Die Frage, ob das Sperma zukünftig teurer wird, wurde deutlich mit ‚nein‘ beantwortet. Über die bessere Auslastung der Besamungsbullen, die Reduzierung des Bullenbestandes insgesamt und die Zusammenarbeit als Ganzes könne die Effizienz gesteigert werden. Dadurch möchte man die Preise für Spermaportionen stabil halten. 

Jeder Verband kauft Jungbullen weiterhin separat und den eigenen Wünschen entsprechend ein.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck )

Weitere Kooperationen?

Die Gespräche zur PhönixGroup laufen seit Juni dieses Jahres. Nach der Konzept-Erstellung durch die fünf Partner sollen im Nachgang auch weitere Zuchtverbände angesprochen worden sein. Es sei absolut wünschenswert, dass zukünftig auch weitere (nordwestdeutsche) Zuchtorganisationen Teil der PhönixGroup werden. Grundsätzlich sei man allen Zuchtorganisationen in Deutschland gegenüber offen. Wie zukünftig mit dem bestehenden NOG-Zuchtprogamm (Nord-Ost-Genetik) umgegangen wird, werde derzeit noch diskutiert. 
Weitere Kooperationen, wie beispielsweise als gesamte Verbände zu fusionieren, möchte man nicht ausschließen. Konkrete (Zeit)Pläne gäbe es aber noch nicht. Vorerst sei es wichtig, über die einzelnen Partnerorganisationen regional und nah am Kunden zu bleiben. 
Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der Verbände sowie der PhönixGroup: 
Quelle: PhönixGroup

PhönixGroup (Bildquelle: PhönixGroup )


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