Lahme Kühe gehören auf Stroh

Milchkuhhalter stallen meistens nur sehr stark lahmende Kühe auf Stroh. Dabei profitieren auch Kühe mit einer mittelgradigen Lahmheit von einer solchen Maßnahme.
Die Aufstallung in Krankenbuchten kann für sehr stark lahmende Kühe wegen des weichen Bodens von Vorteil sein. Doch zeigt sich dieser Vorteil auch bei mäßig bzw. leicht lahmen Kühen? Um das nachweisen zu können, verglichen dänische Wissenschaftler die Ausheilungsraten nach der Aufstallung auf Spalten oder planbefestigtem Boden bzw. auf Stroh. Dafür beurteilten sie den Lahmheitsgrad von 168 Kühen aus fünf dänischen Milchkuhherden mit dem fünfstufigen Lokomotion Score (Skala 1 bis 5 : 1 = keine Lahmheit, 5 = Kuh deutlich lahm). Kühe mit einem Score von drei (mäßig lahm) bzw. vier (lahm) wurden im Klauenstand behandelt.
Danach durfte die eine Hälfte der Kühe in die Krankenbucht auf Tiefstroh (Tiefstreugruppe), die andere Hälfte musste zurück zur Herde in den mit Spalten ausgelegten oder planbefestigten Laufstall (Laufstallgruppe). Bei der Klauenpflege stellte sich heraus, dass 45% der Milchkühe unter Mortellaro (Dermatitis Digitalis) litten, 24% zeigten ein Sohlengeschwür. 30% der Tiere erhielten einen Verband und 3% einen Klotz geklebt. Im Nachgang wurden die Kühe fünf Tage lang intensiv beobachtet. Hat sich das Gangbild der Tiere verbessert? Verschlechtert? Oder sind die Kühe konstant lahm geblieben?
Wie sich herausstellte, war am vierten Tag ein signifikanter Unterschied zwischen der Tiefstreu- und der Laufstallgruppe zu beobachten:
  • Von den auf Stroh gehaltenen Kühen zeigten 40% einen Score 4, 46% einen Score von 3. Rund 14% der Kühe lahmten nicht mehr.
  • Dagegen lahmten 73% der Kühe der Laufstallgruppe deutlich (Score 4), 11% gingen nicht mehr lahm.
  • Keine Unterschiede waren zwischen der Tiefstreu- und Laufstallgruppe bei den Parametern Anzahl und Dauer täglicher Liegevorgänge sowie der Anzahl an Schritten zu beobachten.

  • Von den auf Stroh gehaltenen Kühen zeigten 40% einen Score 4, 46% einen Score von 3. Rund 14% der Kühe lahmten nicht mehr.
  • Dagegen lahmten 73% der Kühe der Laufstallgruppe deutlich (Score 4), 11% gingen nicht mehr lahm.
  • Keine Unterschiede waren zwischen der Tiefstreu- und Laufstallgruppe bei den Parametern Anzahl und Dauer täglicher Liegevorgänge sowie der Anzahl an Schritten zu beobachten.

Stroh hilft heilen

Die Ergebnisse der Studie lassen die Schlussfolgerung zu, dass Kühe mit „moderaten“ Lahmheiten (Locomotion Score 3 und 4) von einer Aufstallung auf Tiefstreu profitieren.
Eine Krankenbucht auf Stroh hat mehrere Vorteile. So ist der Boden weicher, der Zugang zu Futter und Wasser erleichtert, die Gruppengröße kleiner, die Besatzdichte verringert und die Wartezeit beim Melken kürzer. Im Krankenstall herrscht zudem weniger Konkurrenz. Außerdem legen sich lahme Kühe, die auf Tiefstroh gehalten werden, häufiger hin und wechseln öfter die Liegeposition als Kühe in Liegeboxen. Eine Milchkuh sollte allerdings niemals allein aufgestallt werden, weil sie die Nähe zu anderen Kühen sucht. Quelle: Thomsen et al., 2020


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