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Aktivitätsmonitoring beim Kalb? Digital Plus

Verhaltensparameter von Kühen zu messen, um Brunsten oder Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, ist gang und gäbe. Auch in der Kälberaufzucht rückt die Technik in den Fokus – lohnt es sich schon, hier zu investieren?

Tränkeautomaten können schon lange Daten darüber erfassen, wie oft und wie viel Milch die einzelnen Kälber im Vergleich zu dem für sie festgelegten Anrecht abrufen. Und jeder, der Kälber am Automaten aufzieht und sachkundig ist, kann aus diesen einfachen Daten Rückschlüsse darauf ziehen, ob ein Kalb gut angelernt ist oder seine Milch nicht vollständig abgerufen hat, weil es erkrankt ist. Um dem Tierhalter diese eigenverantwortliche Auswertung zu vereinfachen, haben sich die Hersteller in den letzten Jahren verstärkt damit beschäftigt, die erfassten Daten durch neue Software weiter aufzuarbeiten.

Zudem integrierten sie neue Messtechnik an den Geräten, die zusätzlich etwa die Saugintensität, die Aktivität oder die Körpertemperatur erfasst, mit dem Ziel, die Früherkennung weiter zu optimieren.

Nun, alle Technik kostet – aber wie sehr kann die Extratechnik im Vergleich zu den Standarddaten der Früherkennung dienen? Wissenschaftler in Neuseeland haben sich in Teilen damit beschäftigt. Ihre Studie stellen wir hier vor. Außerdem haben wir die Hersteller nach ihrer Meinung gefragt.

Kälberdurchfall frühzeitig erkennen

Sutherland et al. (2018) haben in ihrer Studie mittels Tränkeautomaten und Aktivitätssensoren das Trink- und Liegeverhalten von Kälbern erfasst und untersucht, ob die Daten sich eignen, um Verhaltensänderungen schon vor einer Durchfallerkrankung oder nach dem Enthornen zu erkennen. Insgesamt wurden 112 Kälber dafür am vierten Lebenstag mit Aktivitätssenoren am Hinterbein versehen und in Gruppen von 27 bis 30 Kälbern an den Tränkeautomaten aufgestallt. Die Kälber in den Gruppen waren gleich alt. Täglich wurde jedes Kalb auf Körpertemperatur, Kotkonsistenz, Dehydratationsgrad, Ohrhaltung, Magenfüllung, Nabelzustand, Augen- und Nasenausfluss, Schwellungen und...

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Verhaltensparameter von Kühen zu messen, um Brunsten oder Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, ist gang und gäbe. Auch in der Kälberaufzucht rückt die Technik in den Fokus – lohnt es sich schon, hier zu investieren? Tränkeautomaten können schon lange Daten darüber erfassen, wie oft und wie viel Milch die einzelnen Kälber im Vergleich zu dem für sie festgelegten Anrecht abrufen. Und jeder, der Kälber am Automaten aufzieht und sachkundig ist, kann aus diesen einfachen Daten Rückschlüsse darauf ziehen, ob ein Kalb gut angelernt ist oder seine Milch nicht vollständig abgerufen hat, weil es erkrankt ist. Um dem Tierhalter diese eigenverantwortliche Auswertung zu vereinfachen, haben sich die Hersteller in den letzten Jahren verstärkt damit beschäftigt, die erfassten Daten durch neue Software weiter aufzuarbeiten. Zudem integrierten sie neue Messtechnik an den Geräten, die zusätzlich etwa die Saugintensität, die Aktivität oder die Körpertemperatur erfasst, mit dem Ziel, die Früherkennung weiter zu optimieren. Nun, alle Technik kostet – aber wie sehr kann die Extratechnik im Vergleich zu den Standarddaten der Früherkennung dienen? Wissenschaftler in Neuseeland haben sich in Teilen damit beschäftigt. Ihre Studie stellen wir hier vor. Außerdem haben wir die Hersteller nach ihrer Meinung gefragt. Kälberdurchfall frühzeitig erkennen Sutherland et al. (2018) haben in ihrer Studie mittels Tränkeautomaten und Aktivitätssensoren das Trink- und Liegeverhalten von Kälbern erfasst und untersucht, ob die Daten sich eignen, um Verhaltensänderungen schon vor einer Durchfallerkrankung oder nach dem Enthornen zu erkennen. Insgesamt wurden 112 Kälber dafür am vierten Lebenstag mit Aktivitätssenoren am Hinterbein versehen und in Gruppen von 27 bis 30 Kälbern an den Tränkeautomaten aufgestallt. Die Kälber in den Gruppen waren gleich alt. Täglich wurde jedes Kalb auf Körpertemperatur, Kotkonsistenz, Dehydratationsgrad, Ohrhaltung, Magenfüllung, Nabelzustand, Augen- und Nasenausfluss, Schwellungen und Verletzungen untersucht. Insgesamt wurde bei 18 der 112 Kälber Neugeborenendurchfall diagnostiziert. Daraufhin wurden rückwirkend die Daten der kranken Kälber mit denen von gesunden verglichen. Analysiert wurden ihr Milchverzehr sowie die Anzahl von belohnten (mit Tränkeanrecht) und nicht belohnten (ohne Anrecht) Besuchen an den Automaten sowie das Liegeverhalten während der fünf Tage vor der Diagnose. Ergebnis: Eindeutig sichtbar wurde, dass Kälber mit Neugeborenendurchfall bereits vier bis zwei Tage vor dem Auftreten klinischer Anzeichen weniger motiviert waren, den Tränkeautomaten aufzusuchen. Dabei gaben die gesunkene Anzahl der unbelohnten Besuche (auch “Verweigerungen”; Übersicht 1) sowie die insgesamt über alle Tage geringere Tränkeaufnahme die sichersten Hinweise auf die bevorstehende Krankheit. Das Liegeverhalten war nicht so aussagekräftig, die Liegedauer war nur tendenziell länger bei erkrankten Kälbern. Schmerzverhalten messen Im Alter von 21 Tagen wurden 51 gesunde Kälber in fünf Behandlungsgruppen zum Enthornen aufgeteilt: 1) Schein-Enthornung, 2) Enthornen (Ausbrennen der Hornknospen mit elektronischem Gerät), 3) Enthornen mit lokaler Betäubung (5 Min. vor Eingriff), 4) Enthornen + Schmerzmittel (NSAID, 5 Min. vor Eingriff), 5) Enthornen mit lokaler Betäubung + NSAID. Für die (vorgetäuschten) Eingriffe wurden die Kälber in einem Stand mit Halsfangrahmen fixiert. Das Verhalten der Kälber 24 Stunden vor sowie nach dem Eingriff wurde analysiert. Vor dem Eingriff verhielten sich die Kälber gleich. Nach dem Eingriff besuchten die schein-behandelten Kälber den Automat aktiver (mehr belohnte Besuche) als die der Gruppen 2, 3 und 4, und genauso oft, wie die der Gruppe 5. Die unbelohnten Besuche waren bei den Schein-behandelten eindeutig mehr (4,93 vs. 2,1 vs. 1,47 vs. 1,98 vs. 3,37). Tränkemenge und Liegeverhalten erlaubten weniger eindeutige Schlüsse. Fazit der Studie Ausgehend von ihren Ergebnissen bewerten die Wissenschaftler, dass sich die von den Automaten zum Tränkeverhalten aufgezeichneten Daten und auch die der Aktivitätsmessung gut eignen, um Verhaltensänderungen früh sichtbar zu machen. Und zwar deutlich bevor der Mensch erste klinische Anzeichen einer Erkrankung oder Schmerz überhaupt erkennt! Dabei sehen sie vor allem in dem Parameter der unbelohnten Besuche am Tränkeautomat einen hohen Nutzen für die Früherkennung. Sie ist ein Indiz für die Motivation zur Tränkeaufnahme. Das sagen die Hersteller Wir haben bei Holm & Laue, Urban und Förster Technik gefragt, welches Potenzial sie in zusätzlicher Technik zur Früherkennung sehen. Die Hersteller sind sich einig, dass es vielzählige technische Möglichkeiten zur automatisch gestützten Tierkontrolle im Kälberbereich gibt. Fraglich sei allerdings, ob zusätzliche Hilfsmittel immer auch wirtschaftlich sind. Etwa die Aktivitätsmessung mittels Pedometer sei noch kostspielig. Im Vergleich dazu lieferten die Automaten schließlich seit Jahren und damit sehr aussagekräftige, tierindividuelle Daten u. a. zu Tränkeabruf, Besuchshäufigkeit, und Tränkeabbrüchen. Zudem sind diese Standardparameter und das diesbezügliche Alarmranking bei allen Systemen ohne Aufpreis inbegriffen. Alle drei Hersteller bieten zudem Management-Software, die die gesammelten Daten in Aktivitätsindizes kombiniert und dem Tierhalter auffällige Tiere meldet. Da Kälber unterschiedlich auf Erkrankungen und Schmerz reagieren, sei dabei die Kombination mehrerer Parameter nötig. Als neue ergänzende Informationen zu den Tränkedaten setzen die Hersteller auf verschiedene Parameter: Urban konzentriert sich auf die Messung der Körpertemperatur, Förster Technik auf die der Bewegungsaktivität und Holm & Laue auf die Gewichtsentwicklung. Alle drei können die Genauigkeit im Gesundheitsmonitoring verbessern, wie genau der Zusatznutzen die Kosten der Technik aber übersteigt, ist noch nicht geklärt. Fazit: Die von Tränkeautomaten erfassten Standarddaten können eine zuverlässige Früherkennung von Erkrankungen erlauben. Weitere technische Extras, wie eine Aktivitätsmessung, sind nicht unbedingt erforderlich. Statt jetzt weitere Zusatztechnik zu etablieren, wäre es daher wohl sinnvoller, wenn sich die Hersteller (weiter) darauf konzentrieren, neben der Optimierung von Sensorik und Logarithmen, das Schnittstellenproblem zur Übertragung von Daten in Drittsysteme zu lösen: Dadurch könnte es endlich möglich werden, unkompliziert über die ganze Lebenszeit einer Kuh mit nur einem Datensatz zu arbeiten. Hierzu sind allerdings auch alle Anbieter von Herdenmanagement-Programmen gefragt! K. Berkemeier