Umdenken im Futterbau

Das Klima ändert sich und stellt den Futterbau vor Herausforderungen. Es ist Zeit zu reagieren!
Die Nässe im Herbst/Winter 2017 und Hitze und Trockenheit im Sommer 2018 zeigen es glasklar: Wir leben in einem sich verändernden Klima, das die gewohnte Leistungsfähigkeit von Pflanzen und Tieren beeinflusst. Dass derartige Extremwetterphasen und Niederschlagsverschiebungen in unseren Breiten „normal“ werden, bestätigen Klimaprognosen. Doch auch Jahre mit „unserer“ typisch wechselhaften Witterung wird es noch geben. Um aber in Extremjahren das Ertragsausfallrisiko im Grünland und Futterbau gering zu halten, dürfte ein „weiter so“ nicht erfolgversprechend sein. Veränderungen erfordern Anpassungen! Wir haben sechs Experten gefragt, welche Strategien zur Anpassung sie im Grünland und Ackerfutterbau als sinnvoll ansehen und wie Praxisbetriebe anfangen könnten, diese umzusetzen.

Worauf muss man sich einstellen?

„Messungen und Klimaprojektionen zeigen, dass sich die Bandbreite des Wetters vergrößert“, erklärt der Agrar-Meteorologe Falk Böttcher. Dabei weitet sich bei der Lufttemperatur der warme Bereich aus. Heißt, es wird längere Abschnitte mit hohen Umgebungstemperaturen und bisher nicht gekannte Höchstwerte geben. Im Spektrum der kalten Lufttemperaturen werde sich an den Absolutwerten nichts ändern, sie werden jedoch mit einer sich weiter verringernden Wahrscheinlichkeit auftreten.

Auch die Verteilung der Niederschläge im Jahresverlauf wird stärker variieren, während sich an der Jahresniederschlagsmenge insgesamt wenig ändert. Es wird mehr trockene Tage und mehr Tage mit hohen Niederschlagssummen geben. Insgesamt weniger Regen im Frühjahr und Sommer und mehr Regen im Winter. Das liegt daran, dass sich die Erhaltungsneigung von Wetterlagen, aufgrund veränderter Strömungsmuster der Luftmassen in der Atmosphäre, umformt. Das beeinflusst auch das Auftreten der Wetterfronten. „Konnte man bis vor einigen Jahren noch sagen, dass Warmfronten mit dem gewünschten Landregen etwa 40 Prozent des Jahresniederschlages bringen und Kaltfronten (Schauer, Gewitter) etwa 60 Prozent, so geht die Entwicklung heute hin zu etwa 20 bis 30 Prozent Warmfront gegenüber 70 bis 80 Prozent Kaltfront“, so Böttcher. Das vermehrte Auftreten von Kaltfronten bringt auch ein höheres Risiko von Schauer- und Gewitterböen mit sich. Durch die höheren Temperaturwerte verändern sich auch die energetischen Gegensätze von Luftmassen, sodass Gewitter heftiger ausfallen können.

Insgesamt sehen Meteorologen den Trend, dass eine bestimmte Witterungssituation länger anhält, als im Mittel der vergangenen Jahrzehnte. „Das kann in einem Jahr eine monatelange trocken-warme Witterung und im nächsten Jahr eine lange feucht-kühle Phase sein“, prognostiziert Falk Böttcher.
Erschwerend für die Planung im Pflanzenbau kommt hinzu, dass seitens der Meteorologie zwar versucht wird, die Dauer dieser Wetterlagen vorherzusagen, dies aber noch nicht mit hinreichender Qualität möglich ist. Landwirte müssen sich also stärker an den phänologischen Aspekten, den Entwicklungserscheinungen der Natur, orientieren (Übersicht 1). Sich stur nach dem Kalender zu richten („Mais wurde noch nie im August gehäckselt!“) und sich allein auf die Wettervorhersage zu verlassen, reicht nicht (mehr).

Chancen, aber vor allem Risiken

Die Klimaveränderung wirkt sich in unterschiedlicher Intensität auf den Futter-/Ackerbau aus. Im Sommer gehören zu den negativen Folgen neben dem Ausbleiben von Niederschlägen und einer höheren Verdunstung des Bodenwassers, auch die Hitze, die z.B. die Blütenentwicklung massiv beeinträchtigen kann. Die Ertragssicherheit kann in dieser Jahreszeit durch das Auftreten von Extremwetterereignissen sinken, da diese zu Erosionen des Bodens oder starker Schädigung der Pflanzen, bis hin zum Totalausfall, führen können.

Im Herbst bzw. Frühjahr können häufiger Früh- bzw. Spätfröste die Entwicklung der Pflanzen (z.B. Mais) beeinträchtigen. Außerdem können erhöhte Winterniederschläge gerade auf leichten, flachgründigen Böden zu einer starken Nitratauswaschung führen.

Die Chancen der Klimaveränderung sind je nach Standort und Kultur sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die Photosyntheserate der Pflanzen ist abhängig von der Temperatur. Während sie beim Weizen (C3-Pflanze) bei ca. 25°C ihr Maximum erreicht, könnte der Mais als C4-Pflanze von der Zunahme der Durchschnittstemperaturen profitieren, da er erst bei rund 35°C das Photosynthese-Maximum erreicht. Bisher eher ungünstige Lagen, wie Mittelgebirgsregionen, könnten Nutzen hieraus ziehen (bei ausreichenden Niederschlägen), da frühreife Maissorten auch in höhere Lagen vordringen können. Die Vorteile höherer Temperaturen kommen aber nur an den Standorten zum Tragen, an denen es entweder weiterhin (in den Sommermonaten) ausreichend regnet und/oder der Boden in der Lage ist, die fehlenden Niederschläge durch eine ausreichende nutzbare Feldkapazität...


Mehr zu dem Thema