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EDF-Workshop

Was sind die Perspektiven der Milchwirtschaft?

Mitglieder der European Dairy Farmers (EDF) haben die Trends der Milchwirtschaft diskutiert. Ergebnis: Großbetriebe und Direktvermarkter sind auf die Akzeptanz der Verbraucher angewiesen. Dafür brauchen sie vor allem ein vertrauensvolles Auftreten.

Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion geht zu Großbetrieben und Direktvermarktung von Familienbetrieben, sowie zu alternativen Produkten und Spezialitäten. Das zumindest erwartet Trendforscher Matthias Horx. Was aber denken Landwirte über diese Entwicklungen? Landwirte und EDF-Partner diskutierten diese Trends in verschiedenen Arbeitsgruppen im Rahmen der EuroTier 2018 in Hannover.

Hochentwickelt, technisiert und groß: Megafarmen

Große Flächen, große Herden und Roboter, die viel Arbeit verrichten. So sehen es häufig auf großen Betrieben aus. Ziel dieser Großbetriebe ist es, die Effizienz zu steigern. Dieses ist nach Einschätzung der Teilnehmer die wichtigste Entwicklung, da Landwirte mit diesen großen Betriebsstrukturen am besten Kosten kontrollieren und eine Profitsteigerung erreichen können.

Diese Betriebsgröße birgt jedoch auch Risiken für Landwirte, da sie für den Betriebserfolg auf folgende Faktoren angewiesen sind:

  • verfügbare Flächen,
  • qualifizierte Arbeitskräfte,
  • gesetzliche Vorgaben,
  • Produktakzeptanz und
  • Kapital.

Sollte sich der Trend der Megafarmen weiter fortsetzen, bestehe zudem die Gefahr, dass die Nahrungsproduktion von wenigen Großbetrieben abhängt.

Ursache für das Wachstum der Betriebe sind nach Einschätzung der Workshop-Teilnehmer die hohen Kosten für Technik. Für Familienbetrieben mit begrenzter Größe seien die Investitions- und Wartungskosten oft kaum zu bezahlen. Es wird jedoch erwartet, dass die Entwicklung schnell weiter voranschreitet, mit den Folgen:

  • Verbesserte genetische und züchterische Techniken,
  • bessere Nutzung von Daten für praktische Entscheidungen vor Ort sowie
  • höhere Kapazitäten der bereits vorhandenen Technik.

Der Kuhbetrieb als Teil der Gemeinschaft: Direktvermarktung

Betriebe, die Menschen direkt mit natürlich hergestellten Produkten versorgen, liegen weiterhin im Trend. Dabei sind besonders Tierwohl und ökologische Aspekte von Bedeutung. Immer mehr Landwirte setzen auf verschiedene Formen der Direktvermarktung (Milchtankstellen, Hofläden,…) und direkten Kontakt zur Gastronomie. Solidarische und städtische Landwirtschaft nehmen an Bedeutung zu.

Mit diesen Geschäftsmodellen können Landwirte Geld verdienen, da sie das Produkt in Verbindung mit einem Lifestyle verkaufen können. Darüber sind sich die Workshop-Teilnehmer einig. Allerdings macht diese Direktvermarktung immer noch eine Nische aus, da die Produktionskosten höher sind. Um in dieser Nische trotzdem erfolgreich zu produzieren, benötigen Milchproduzenten vor allem Kenntnisse über Produktentwicklung. Denn ein erfolgreiches Nischenprodukt setzt sich von anderen Produkten ab. Auch mit Marketingsstrategien muss sich ein Direktvermarkter auskennen um seine Produkte effizient und sicher an die Kunden zu bringen.

Risiken in dieser Produktionsrichtung sehen die EDF-Landwirte vor allem in der

  • Entfernung zum Markt,
  • den Entwicklungen der Verbraucherwünsche,
  • Unbedenklichkeit der Lebensmittel und
  • Finanzierung der meist kleinen Betriebsstrukturen.

In-vitro, künstlich oder ökologisch: Alternative Produkte

Künstliche Milch oder Milch aus nicht-tierischen Eiweißen haben sich in der Vergangenheit etabliert und teilweise natürliche Milchprodukte ersetzt. Die neue Mittelklasse hat eine einflussreiche Kaufkraft entwickelt, die sich vor allem bei Bio-Produkten und Spezialitäten zeigt. Diese Entwicklung könnte eine Gefahr für die traditionelle landwirtschaftliche Produktion darstellen.

Um die Gefahr zu bannen, müssen Landwirte die Forderungen der Verbraucher ernst nehmen und sie außerdem von ihren eigenen Produkten überzeugen, so das Ergebnis der Diskussion. Für Milcherzeuger bedeutet das, die eigene Beziehung zur Gesellschaft zu sichern. Das gilt vor allem für die Beziehung zwischen der Landwirtschaft und Kindern sowie jungen Menschen.

Das bedeutet im Klartext, den Verbrauchern zuzuhören und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, immer mit den Zielen, Transparenz aufzubauen (Betriebe zeigen!). Am besten funktioniere das darüber, Geschichten zu erzählen und dabei Fakten und Emotionen zu verbinden.

Fazit

Voraussetzung für den Erfolg des technischen Fortschritts bei der Milchgewinnung ist vor allem, dass die Verbraucher die Produktionstechnik akzeptieren und ihr Vertrauen schenken. Dasselbe gilt für die erfolgreiche Vermarktung von Nischenprodukten.

Der Erfolg eines jeden Milcherzeugers hängt also am Ende davon ab, wie er sein tägliches Engagement für seine Kühe verkauft. Das geht über die sozialen Netzwerke genauso wie über direkte Gespräche. Besonders Kinder und junge Menschen sollten die Milcherzeuger mit ins Boot holen und ihnen den Wert der Milch und die Herkunft erklären.

Quelle: EDF