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KTBL Tage 2019

Tierhaltung an Klimawandel anpassen Digital Plus

Tierhalter müssen sich zukünftig auf Klimaveränderungen einstellen. Besonders beim Weidegang und Stallbau liegt noch Potential für die Anpassung an extreme Wettersituationen.

Trocken-heiße Sommer, häufigere Extremwetterereignisse, zunehmender Schädlingsdruck, neue Pflanzen- und Tierkrankheiten – es gibt eine lange Liste an Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft. Mit diesen Themen befassten sich Wissenschaftler auf einer Tagung des Kuratoriums für Technik und Bauen in der Landwirtschaft (KTBL) in Darmstadt. Das Ergebnis: Die Landwirtschaft muss sich an den Klimawandel anpassen, um bestehen zu können. Wir stellen Ihnen dazu einige Strategien und Expertenmeinungen vor. Grünland: Stoppeln schonen! „Bis 2080 werden die Temperaturen weiter ansteigen, sodass wir ein mediterranes Klima haben werden“, erklärte Prof. Dr Elsässer vom Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg in Aulendorf. Um unseren Kühen dann auch weiterhin gutes Grundfutter zu gewährleisten, muss das Grünland angepasst werden. Er rät dafür, im Bestand auf verschiedene Arten zu setzen. Von den Klimaänderungen würden einige Pflanzen profitieren und andere verlieren. Deswegen sei es ratsam, auf mehrere Arten im Bestand zu setzen. Wenn die Pflanzen aufgrund von extremen Temperaturen die Notreife erreichen, rät er zudem zur Ernte. Zu

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Trocken-heiße Sommer, häufigere Extremwetterereignisse, zunehmender Schädlingsdruck, neue Pflanzen- und Tierkrankheiten – es gibt eine lange Liste an Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft. Mit diesen Themen befassten sich Wissenschaftler auf einer Tagung des Kuratoriums für Technik und Bauen in der Landwirtschaft (KTBL) in Darmstadt. Das Ergebnis: Die Landwirtschaft muss sich an den Klimawandel anpassen, um bestehen zu können. Wir stellen Ihnen dazu einige Strategien und Expertenmeinungen vor. Grünland: Stoppeln schonen! „Bis 2080 werden die Temperaturen weiter ansteigen, sodass wir ein mediterranes Klima haben werden“, erklärte Prof. Dr Elsässer vom Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg in Aulendorf. Um unseren Kühen dann auch weiterhin gutes Grundfutter zu gewährleisten, muss das Grünland angepasst werden. Er rät dafür, im Bestand auf verschiedene Arten zu setzen. Von den Klimaänderungen würden einige Pflanzen profitieren und andere verlieren. Deswegen sei es ratsam, auf mehrere Arten im Bestand zu setzen. Wenn die Pflanzen aufgrund von extremen Temperaturen die Notreife erreichen, rät er zudem zur Ernte. Zudem sei es wichtig, bei der Beweidung von Flächen auf einen optimalen Abtriebtermin zu achten, besonders bei schlechtem Weideangebot. “Die Nährstoffe werden in den Stoppeln gespeichert, nicht in den Wurzeln. Wenn man die Kühe zu lange weiden lässt, fallen viele Nährstoffe weg und es kommt zu einem noch langsameren Nachwachsen des Bestands.“ Bei schlechten Bedingungen auf der Weide rät der Professor zum Einsatz von Rotklee. Dieser wurzele tief und könne das Grünland für bis zu vier Jahre aufwerten. Stallbau: Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden Die Milchkuh hat bei sommerlichen Temperaturen oft Hitzestress. Ob sich mithilfe eines angepassten Stallbaus dieser Stress für die Kuh reduzieren lässt, erklärte Architekt Peter Stötzel von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Poing. Anhand von verschiedenen Simulationen und Modellrechnungen kam er zu dem Ergebnis, dass die Dachneigung und das Gebäudeluftvolumen geringen bis keinen Einfluss auf Hitzestress bei der Kuh haben. Die Helligkeit der Dachoberflächen zeige jedoch sehr wohl eine Wirkung. So zeigten in seiner Simulation von verschiedenen Stalltypen z.B. dunkle Dachziegeln eine erhöhte Wärmeabsorption als helle Dachziegeln, die sich wiederrum negativ auf die Wärmestrahlung im Stall auswirkte. Den größten positiven Einfluss auf das Stallklima hat aus Sicht des Architekten: ein doppelschichtiger Dachaufbau oder Gründächer der Schutz durch direkte Sonneneinstrahlung durch Verschattung eine große Lüftungsöffnung (hohe Luftwechselrate) Handel als Risikofaktor für Tierseuchen Führt der Klimawandel dazu, dass Tierseuchen zukünftig häufiger auftreten? Diese Aussage wollte Prof. Dr. Conraths vom Friedrich-Löffler-Institut in Greifswald nicht unterschreiben. Zwar führten die veränderten Klimabedingungen dazu, dass die Anzahl der potentiellen Vektoren (Überträger) steigen könnte. Doch gäbe es bisher keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten, die auf einen Einfluss des Klimas auf einen Anstieg von Tierseuchen hinweisen. Für den Ausbruch der Blauzungenkrankheit vermutet er als Ursache den heißen Sommer 2018. Dieser habe möglicherweise schlummernde Erreger getriggert, die dann in Frankreich zum Ausbruch der Krankheit führten. Über den Wind transportierte Gnitzen hätten die Krankheit dann verbreitet. Tierseuchenmaßnahmen wie Absperrungen greifen bei windübertragenen Überträgern nicht. Das mache die Bekämpfung extrem schwer. Ein größerer Risikofaktor als der Klimawandel ist nach Meinung des Experten die Globalisierung mit dem freizügigen Handel und Personenverkehr: Denn über die Häfen und Flughäfen können sich infizierte Erreger über Kontinente hinweg schnell verbreiten.