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Milchmarkt: Was bringt 2013?

Eine weltweite „Milchschwemme“ wie im ersten Halbjahr von 2012 wird es aller Voraussicht nicht geben. Die unterdurchschnittlichen Grundfutterqualitäten in den westlichen EU-Ländern und die gestiegenen Kraftfutterkosten werden sich zumindest bis zum Beginn der neuen Grundfuttersaison dämpfend auf das Milchaufkommen auswirken.

Die Ausgangsbedingungen für 2013 stellen sich aus heutiger Sicht recht günstig mit stabilen Preiserwartungen dar. Die Bestände an Milchprodukten bei den Molkereien sind zum Jahresende leergefegt. Bis unmittelbar vor den Feiertagen gingen bei den Herstellern Anfragen für Butter und Milchpulver ein. Gleichzeitig bewegt sich das Milchaufkommen in der EU auf niedrigerem Niveau als vor Jahresfrist. Die Interventionsbestände sind vollständig abgebaut, sodass von dieser Seite keine Ergänzung des Angebots möglich ist.

Weniger Milch in der Spitze

Wie die neue Saison ausfällt, das wird maßgeblich von den Witterungsverhältnissen abhängen. Vermutlich wird die Milchmenge in der EU im zweiten Halbjahr von 2013 wieder wachsen. In Deutschland könnte die Milchanlieferung etwa im Rahmen der Quotenerhöhung zunehmen. Die Steigerung der Milchmenge in Deutschland und der EU dürfte 2013 geringer ausfallen als noch 2012. Die saisonalen Schwankungen des Angebots werden voraussichtlich weniger extrem ausfallen als im Vorjahr, sodass auch extreme Preisausschläge am Spotmarkt eher ausbleiben dürften. Vor allem für die saisonale Milchspitze lässt dies mehr Stabilität erwarten. Allerdings beginnt das neue Jahr mit teilweise höheren Preisniveaus für Milchprodukte als das Vorjahr, was sich nachfragedämpfend auswirken könnte. Dies ist insbesondere für die Eiweißkomponente der Fall, während sich die Preise für Butter und Käse auf ähnlichem Stand wie im Vorjahr zum Jahreswechsel bewegen.

Was wichtig bleibt für eine ausgeglichene Marktsituation, ist das Exportgeschäft. Der Absatz von Milchprodukten auf den Weltmarkt aus der EU ist in den vergangenen vier Jahren mit dem wachsenden Angebot deutlich gestiegen. Da der Verbrauch an Milch in der Gemeinschaft insgesamt kontinuierlich etwas zunimmt, keine Bestände mehr vorhanden sind und nur ein leichtes Wachstum der Milchmenge zu erwarten ist, sind 2013 vermutlich keine weiteren Exportsteigerungen notwendig, um den Markt im Gleichgewicht zu halten. Eine stark steigende Weltmarktnachfrage würde aller Voraussicht nach Preissteigerungen auslösen.

Weltweite Milcherzeugung verliert 2013 an Schwung

Das Wachstum der globalen Milchproduktion wird sich im nächsten Jahr voraussichtlich abschwächen. Davon geht zumindest das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) aus. In ihrer jüngsten Marktanalyse für die wichtigsten Erzeugerländer prognostizieren die Washingtoner Fachleute deren Kuhmilchaufkommen im Kalenderjahr 2013 auf insgesamt 469,2 Mio t; das wären 1,5 % mehr als für 2012 veranschlagt werden. Im aktuellen Jahr dürfte die weltweite Milcherzeugung, angeregt durch hohe Preise im Vorjahr und überwiegend günstige Klimaverhältnisse, um 2,4 % auf 462,5 Mio. t zunehmen; 2011 hatte sie sogar um 2,8 % zugelegt.

Die nachlassende Dynamik wird nach Angaben des USDA praktisch für alle wichtigen Erzeugungsregionen gelten. Die Milchbauern in der EU werden ihre Produktion 2013 voraussichtlich nur um 0,5 % auf 140,7 Mio. t steigern. Als Hemmschuhe für eine stärkere Zunahme des Rohstoffaufkommens sehen die US-Analysten einerseits den weiteren Abbau des Milchkuhbestandes, andererseits die höheren Kosten für Futtermittel und Energie. Außerdem bremse die Finanz- und Wirtschaftskrise die Wachstumsdynamik. Ebenfalls nur verhalten soll im Vergleich zu den beiden Vorjahren auch die Milcherzeugung in Ozeanien zunehmen. Mit Blick auf das Jahr 2013 erwarten die Washingtoner Experten für Australien einen Zuwachs von 1,2 % auf 10,1 Mio. t und für Neuseeland ein Plus von 0,3 % auf 20,4 Mio. t. Zwar würden im kommenden Jahr in beiden Ländern mehr Kühe gemolken, doch dürfte die Rückkehr zu eher normalen Klimabedingungen die Milchleistungen der Tiere wieder sinken lassen, heißt es in dem US-Bericht.

Für das eigene Land rechnen die Washingtoner Analysten 2013 mit einer gegenüber diesem Jahr stabilen Produktion von 90,6 Mio. t Rohmilch. Die Abnahme des Kuhbestandes soll durch höhere Leistungen je Tier ausgeglichen werden. Überdurchschnittlich stark dürfte dagegen nach der USDA-Prognose im kommenden Jahr die Milchproduktion in Südamerika zunehmen. Die größere Milchkuhherde soll in Argentinien einen Rohstoffzuwachs von 3,5 % auf 12,2 Mio. t bewirken; für Brasilien wird mit einem Anstieg des Aufkommens um 2,8 % auf fast 32,4 Mio. t gerechnet.

Milchnachfrage in China nimmt zu

Auch 2013 wird China den Weltmarkt für Milch stark beeinflussen. Die Importe für Milchpulverprodukte sollen weiter steigen. Die Gesamteinfuhren Chinas an Milchpulverprodukten werden sich nach Einschätzung des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) auch im kommenden Jahr erhöhen. Nach einer Menge von etwa 550.000 t Vollmilchpulver (WMP) und Magermilchpulver (SMP) im Jahr 2012 rechnet das USDA für das Jahr 2013 mit einer Menge von mehr als 640.000 t. Dies entspräche wiederum einer Steigerung um etwa 14 Prozent.

Im Jahr 2008 beliefen sich die Milchpulvereinfuhren der Volksrepublik den Angaben zufolge nur auf etwa 100.000 t. In den Folgejahren stiegen sie dann sprunghaft an und lagen im Jahr 2010 bereits bei mehr als 400.000 t. Neben den steigenden Importen für die Milchpulverprodukte gebe es Anzeichen, dass auch andere Waren aus Milch wie beispielsweise Käse und Butterfett in China stärker nachgefragt würden.

Für die Weltmarktpreise für Milch geht das USDA deshalb auch für die ersten sechs Monate des Jahres 2013 von einer relativen Stabilität aus. Eine steigende Milcherzeugung würde vom Weltmarkt problemlos aufgenommen werden. Auch gebe es weder in den USA noch in der EU größere Lagerbestände an Milchprodukten.